Konferenz am Hauptsitz des Südtiroler Bauernbundes

Mobilität braucht Veränderung – und Vertrauen

Donnerstag, 08. Oktober 2026 | 14:13 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die Mobility Management Conference der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) zeigte, wohin sich die Mobilität entwickelt und welche Rolle öffentlicher Verkehr, Fahrrad, E-Mobilität und betriebliches Mobilitätsmanagement dabei spielen. Dass die Konferenz am Hauptsitz des Südtiroler Bauernbundes (SBB) in Bozen stattfand, war kein Zufall: Auch die Landwirtschaft ist Teil der Mobilitäts- und Energiewende.

Die Mobilität befindet sich nicht nur in Südtirol in einem tiefgreifenden Wandel. Für Verena Schnitzer, Projektleiterin „Betriebliches Mobilitätsmanagement“ bei STA Green Mobility, zeichnen sich derzeit drei wesentliche Trends ab: „Dank neuer Angebote wie dem Jahresticket Fix365 und der zunehmenden Unterstützung durch Unternehmen, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Abos finanzieren, gewinnt der öffentliche Personennahverkehr immer mehr an Bedeutung. Ein zweiter Trend ist die Fahrradmobilität, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut und deren gesundheitsfördernde Wirkung auch von Unternehmen vermehrt erkannt wird. Und nicht zuletzt ist die E-Mobilität ein Schwerpunkt.“ Eine nachhaltige und funktionierende Mobilität sei nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine Chance und ein strategischer Vorteil.

Agrarlandesrat Luis Walcher, der selbst häufig mit dem Fahrrad in Bozen unterwegs ist, hob die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs in Südtirol hervor. „Busse fahren bis ins hinterste Dorf. Vielfach gibt es schon einen 15- oder 30-Minuten-Takt.“ Ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr sei gerade für die Lebensqualität im ländlichen Raum von großer Bedeutung, denn Mobilität gehöre zu den Grundbedürfnissen. „Daher glaube ich an die öffentliche nachhaltige Mobilität und unterstütze sie.“

Wie wichtig der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs für Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider ist, unterstrich dessen Ressortdirektor Martin Vallazza anhand aktueller Zahlen: „Täglich verkehren in Südtirol 9.000 Busse, die 125.000 Kilometer am Tag oder 46 Millionen Kilometer im Jahr zurücklegen.“ Als zukünftigen Schwerpunkt nannte Vallazza insbesondere die Resilienz der Infrastruktur. Eine große Chance sieht Vallazza zudem in der E-Mobilität. Harald Reiterer, Bereichsleiter „Green Mobility“ der STA, unterstrich, dass Südtirol dank seiner erneuerbaren Energien gute Voraussetzungen dafür habe. Auch wirtschaftlich lohne sich der Umstieg: 100 Kilometer mit einem Dieselfahrzeug kosten aktuell mehr als 15 Euro, mit einem E-Auto hingegen nur knapp 5 Euro. Hinzu kommen deutlich geringere Wartungskosten. Auch beim Klimaschutz habe das E-Auto deutliche Vorteile, besonders im laufenden Betrieb. Reiterer erinnerte zudem an die Förderungen für Elektroautos und Wallboxen sowie an die Begünstigungen bei der Autosteuer. Wer bereits über eine Photovoltaikanlage verfüge, für den sei ein E-Auto besonders naheliegend.

Der Bauernbund als Beispiel für betriebliches Mobilitätsmanagement

Ein Schwerpunkt der Konferenz, die die STA gemeinsam mit dem Südtiroler Bauernbund organisierte, war das betriebliche Mobilitätsmanagement des SBB. Landesobmann Daniel Gasser stellte die verschiedenen Maßnahmen vor: „Durch verschiedene Maßnahmen wie die Rückerstattung eines Großteils der Spesen für den südtirolmobil Pass, den SBB-Mobilitätspreis oder Smart Working fördern wir eine nachhaltige Mobilität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Auch auf die Fahrradmobilität setze der SBB stark – unter anderem mit E-Ladestationen und Betriebsfahrrädern.
Mitglieder, die in die Büros kommen, werden über Hinweise in der E-Mail-Signatur, das STA-Widget auf der Webseite oder einen Infobildschirm über Angebote des öffentlichen Verkehrs informiert. Zudem arbeitet die Arbeitsgruppe „Betriebliches Mobilitätsmanagement“ laufend an weiteren Anreizen für den Umstieg auf Bus, Bahn und Fahrrad.
Gasser erinnerte zugleich daran, dass die Landwirtschaft eine wichtige Energie- und Wärmelieferantin ist: „Wir produzieren Biomasse, Biogas und Strom aus Photovoltaik.“

Ein Paradebeispiel für einen Energielandwirt ist Walter Moosmair aus dem Passeiertal. Der Biobauer ist insbesondere bei Energieeffizienz und der Produktion erneuerbarer Energien ein Vorreiter. Einen guten Teil des Jahres ist sein Hof energieautark. Zudem hat Moosmair Betriebsmittel und Maschinen auf Batteriebetrieb umgestellt. Im vergangenen Jahr wurde Moosmair in Berlin mit dem Ceres Award für den „Energiewirt des Jahres“ ausgezeichnet.

Auch die Milchgenossenschaften beschäftigen sich intensiv mit der Mobilitätswende. In ihrem Auftrag hat EURAC Research untersucht, ob Milchsammlung und Milchtransport auch mit E-LKW möglich sind. „Das ist in den allermeisten Fällen möglich. Bei nur sehr wenigen Touren ist eine Zwischenaufladung nötig“, erklärten Giuseppe Rotondo von EURAC Research und Reinhard Schuster von Bergmilch Südtirol. Hinzu kommen Kostenvorteile: Gegenüber Diesel-LKW lassen sich die Kosten um rund 40 Prozent reduzieren. Kleinere E-LKW dürften deshalb schon bald auf Südtirols Straßen zu sehen sein.

Mobilität hält den ländlichen Raum lebendig

Mit nachhaltiger Mobilität und dem ländlichen Wegenetz beschäftigt sich die Plattform Land, ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Vertreter der Politik mit dem Ziel, den ländlichen Raum attraktiv zu halten. Es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen Mobilität und lokalen Dienstleistungen, erklärte Plattform-Land-Geschäftsführer Matthias Bertagnolli. „Eine gute öffentliche Mobilität steigert die Lebensqualität in den Dörfern. Sie ist der Zugang zu Arbeitsplätzen und Arbeitskräften.“ Daher sei die Plattform Land Teil eines internationalen Netzwerks für betriebliches Mobilitätsmanagement. „Ziel ist es, überregional die Sensibilität für nachhaltige Mobilität zu schärfen.“

Transformation braucht Vertrauen

Dass sich die Mobilität grundlegend verändert, bestätigte auch die Stadtentwicklerin und Transformationsexpertin Sonja Rube aus München. Gleichzeitig erinnerte sie an die Herausforderungen solcher Veränderungsprozesse. „Transformation braucht große Veränderungen. Doch gerade Veränderungen sind schwierig, da sie häufig mit Angst und Unsicherheit verbunden sind. Der normale Reflex ist dann, an alten Gewohnheiten festzuhalten.“ Umso wichtiger sei Vertrauen in die Menschen: „Wer Vertrauen hat, ist eher zu einer Veränderung bereit.“ Transformation kann gelingen, wenn es neben kreativen Beteiligungen möglichst vieler Menschen auch eine direkte, interaktive Kommunikation gibt. Dann könnten auch weitreichende Veränderungen auf Zustimmung stoßen. Ein Beispiel dafür ist die Neugestaltung der Innenstadt von Freising, durch die der KFZ-Verkehr um 90 Prozent reduziert wurde. Das Beispiel zeigt: Mobilitätswende ist nicht nur eine Frage neuer Technologien und Infrastruktur, sondern vor allem auch eine Frage der Bereitschaft zur Veränderung.

Bezirk: Bozen

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