hds begrüßt geplante Ausweitung der Fördermaßnahmen

Österreich verliert Nahversorger: Warnsignal für Südtirol

Mittwoch, 14. Oktober 2026 | 11:01 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – In 401 österreichischen Gemeinden gibt es keinen eigenen Lebensmittel-Nahversorger mehr. Das entspricht fast jeder fünften Gemeinde des Landes. Bei Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern liegt die Anzahl ohne Nahversorger bei 72 Prozent. Davon betroffen sind rund 423.000 Menschen – fast so viele wie Südtirol Einwohner ohne die Landeshauptstadt Bozen zählt. Besonders bemerkenswert: Im benachbarten Bundesland Tirol liegt der Anteil der Gemeinden ohne eigenen Lebensmittel-Nahversorger bei 22,7 Prozent und damit österreichweit an dritter Stelle.

Für den Wirtschaftsverband hds ein deutliches Warnsignal. „Was in Österreich bereits Realität ist, muss für Südtirol ein Weckruf sein. Nahversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss gesichert werden, bevor es zu spät ist”, betont hds-Präsident Philipp Moser.

Südtirol habe die strategische Bedeutung der Nahversorgung frühzeitig erkannt und mit gezielten Fördermaßnahmen für kleine Lebensmittelgeschäfte im ländlichen Raum gegengesteuert – nicht zuletzt auf Initiative des hds. „Diese Weitsicht zahlt sich aus. Denn ein Nahversorger ist weit mehr als ein Geschäft: Er garantiert kurze Wege, schafft Begegnungen, stärkt die lokale Wertschöpfung und trägt wesentlich zur Lebensqualität bei”, so Moser.

Nahversorgung soll ausgedehnt werden

Ausdrücklich begrüßt der hds deshalb die jüngste Ankündigung von Wirtschaftslandesrat Marco Galateo, die Nahversorgungsförderung künftig auch auf Stadtviertel auszudehnen. Das für 2027 geplante Programm sieht unter anderem Investitionsanreize und Unterstützung bei Betriebsübergaben vor. Für Bozen ist rund eine Million Euro vorgesehen, wobei auch andere Südtiroler Städte von der Maßnahme profitieren sollen.

„Nahversorgung ist nicht nur eine Herausforderung für kleine Dörfer. Auch Stadtviertel verlieren an Attraktivität und Lebensqualität, wenn Geschäfte verschwinden und Geschäftslokale leer stehen. Deshalb ist die geplante Ausweitung der Förderung ein wichtiger und richtiger Schritt”, unterstreicht hds-Präsident Philipp Moser.

Der hds wird sich in die weitere Ausarbeitung der Maßnahmen aktiv einbringen. „Wir wollen gemeinsam mit Land und Gemeinde Bozen konkrete, praxistaugliche Lösungen entwickeln. Unsere langjährige Erfahrung mit der Nahversorgungsförderung im ländlichen Raum möchten wir dabei gezielt einbringen”, betont Moser. Entscheidend seien eine enge Abstimmung aller Beteiligten sowie möglichst unbürokratische und wirksame Förderinstrumente.

Für Moser steht fest: „Ein Geschäft kann man schließen. Den Verlust an Lebensqualität kann man nicht so einfach rückgängig machen. Deshalb müssen wir unsere Nahversorgung heute stärken, damit unsere Dörfer und Stadtviertel auch morgen lebendig bleiben.”

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen