Von: Sophia Molitor
Bozen – Die am 9. Oktober veröffentlichten Zahlen des italienischen Automobilmagazins Quattroruote zeigen, wie unterschiedlich verbreitet nicht versicherte Fahrzeuge in Italien sind. Besonders hoch ist ihr Anteil in Süditalien, während auch Trentino-Südtirol betroffen ist. Hinter den Zahlen stehen jedoch nicht nur bewusste Verstöße gegen die Versicherungspflicht, sondern auch steigende Versicherungsprämien, wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Frage, wie wirksam der Staat geltende Vorschriften kontrollieren und durchsetzen kann. Die Auswertung entstand im Zusammenhang mit der von Giorgia Meloni angekündigten Befreiung von der Kfz-Steuer für ein Auto mit bis zu 80 kW pro Privatperson im Jahr 2027, sofern das Fahrzeug ordnungsgemäß versichert ist.
Das Ergebnis zeigt, dass von 26,76 Millionen Autos dieser Leistungsklasse 5,45 Millionen nicht versichert waren – das entspricht 20,4 Prozent. Besonders hoch lag der Anteil in Kampanien (32,8 Prozent), Kalabrien (30,3 Prozent) und Sizilien (29,6 Prozent), während er in Trentino-Südtirol 11,7 Prozent betrug. Die Zahlen zeigen ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle, dieses lässt sich jedoch nicht allein mit individuellem Fehlverhalten erklären. Auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Regionen spielen eine Rolle sowie hohe Versicherungsprämien, die insbesondere Menschen mit geringem Einkommen belasten. In wirtschaftlich schwächeren Gebieten, in denen viele Haushalte ohnehin mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen, kann die Versicherungspflicht dadurch zu einer zusätzlichen Belastung werden.
Betreffend Trentino-Südtirol äußerte sich auch Christian Carli, Präsident der Südtiroler Ortspolizisten, in einem Beitrag von Rai News TGR zum Thema. Aus seiner täglichen Arbeit bei den Kontrollen berichtete er, dass die ermittelten Zahlen seinen Erfahrungswerten entsprechen und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen seien. Als Ursachen nannte er sowohl Menschen, die bewusst auf eine Versicherung verzichten, um Geld zu sparen, als auch Personen, die sich die zunehmend teuren Versicherungsprämien schlicht nicht mehr leisten könnten.
Die Nichtversicherung bleibt dennoch rechtswidrig und gefährdet im Schadensfall sowohl die Betroffenen als auch andere Verkehrsteilnehmer.
Welche Rolle spielt die Politik?
Alle Regionen betreffend kommt hinzu die Frage, wie konsequent geltende Vorschriften kontrolliert und durchgesetzt werden. Quattroruote weist in seiner Analyse vom Juli 2025 darauf hin, dass obwohl das Gesetz bereits seit 2012 Kontrollen mit automatischen Erfassungssystemen vorsieht, damals weiterhin die notwendigen technischen und rechtlichen Vorgaben für deren Einsatz fehlten. Im selben Jahr lag der Anteil nicht versicherter Fahrzeuge laut den von Quattroruote ausgewerteten ANIA-Daten bei 8,1 Prozent im Süden, 6 Prozent in Mittelitalien und 4,9 Prozent im Norden.
Die politische und kulturelle Dimension des Problems liegt deshalb weniger in einer vermeintlich einheitlichen Mentalität des Südens als im Zusammenspiel von wirtschaftlicher Unsicherheit, staatlicher Handlungsfähigkeit und gesellschaftlichem Vertrauen. Wo öffentliche Dienstleistungen als unzureichend wahrgenommen werden und staatliche Regeln im Alltag nicht konsequent durchgesetzt erscheinen, kann die Bereitschaft sinken, diese Regeln einzuhalten.
Eine konsequente Durchsetzung der Versicherungspflicht erfordert funktionierende Kontrollen sowie ausreichende personelle und technische Ressourcen. Ob einzelne Politiker aus Rücksicht auf ihre Wählerschaft Kontrollen vermeiden oder Verstöße bewusst dulden, lässt sich aus den vorliegenden Daten zwar nicht ableiten, ist aber dennoch eine Frage die sich vor allem in Süditalien häufig stellt.




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