Von: Sophia Molitor
Bozen – Der Verbraucherschutzverein Robin kritisiert die Kosten der verpflichtenden Qualifizierung für private Zimmervermieter und Anbieter möblierter Ferienwohnungen in Südtirol. Der Lehrgang „Gastgeben mit Zukunft“ umfasst 80 Stunden und kostet 2.430 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Robin fordert leistbare Alternativen und eine faire Umsetzung der touristischen Bettenbegrenzung.
Für Mitglieder von Tourismusorganisationen reduziert sich der Preis des Lehrgangs auf 1.940 Euro. Zusätzliche Kosten können durch Vertiefungsmodule und Exkursionen entstehen. Robin stellt die Weiterbildung grundsätzlich nicht infrage, hält die finanzielle Belastung für kleinere Anbieter jedoch für problematisch.
Der Verein warnt davor, dass hohe Ausbildungskosten und zusätzliche Vorschriften gerade jene Gastgeber unter Druck setzen könnten, die Südtirols Tourismus seit Generationen mit persönlicher Gastfreundschaft prägen. Die Politik müsse sicherstellen, dass kleinere Betriebe gegenüber größeren touristischen Strukturen nicht benachteiligt werden.
Günstigere Ausbildungsangebote gefordert
Der Lehrgang vermittelt Kenntnisse in Bereichen wie Recht, Betriebswirtschaft, Marketing, Digitalisierung und Gästebetreuung. Aus Sicht von Robin ist jedoch zu prüfen, ob die vorgeschriebene Ausbildung in ihrer derzeitigen Form für alle Betroffenen verhältnismäßig ist. Dies gelte insbesondere für Menschen mit langjähriger Erfahrung in der Beherbergung oder bei der Übernahme eines Familienbetriebs.
Als Beispiel für günstigere Bildungsangebote verweist der Verein auf eine Nachqualifizierung im Servicebereich an der Landesberufsschule für das Gastgewerbe Savoy in Meran. Diese umfasst rund 200 Stunden und kostet laut Informationsblatt etwa 800 Euro. Da die Ausbildung andere Schwerpunkte hat, ist sie allerdings nicht nachweislich als Ersatz für die vorgeschriebene Qualifikation privater Zimmervermieter anerkannt.
Robin fordert deshalb, gemeinsam mit öffentlichen Berufsschulen und anerkannten Bildungseinrichtungen kostengünstigere und zielgruppengerechte Angebote zu entwickeln. Auch die Anerkennung einschlägiger Berufserfahrung und bereits vorhandener Qualifikationen sollte geprüft werden.
Wie aus einem Informationsschreiben der Gemeinde Kaltern hervorgeht, müssen bestimmte Betroffene, die ihre Tätigkeit seit dem 17. August 2022 aufgenommen oder bestimmte Änderungen vorgenommen haben, den erforderlichen Qualifikationsnachweis grundsätzlich bis zum 20. Juni 2027 erbringen. Bei Nichteinhaltung drohen die Einstellung der Tätigkeit und eine Geldbuße. Zudem können die Gästebetten im Falle einer Schließung an die Gemeinde zurückfallen.
Für betroffene Familien könne dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, betont Robin. Der Verein fordert daher eine Überprüfung der Kosten und Rahmenbedingungen der Pflichtausbildung.
Bettenstopp und Overtourismus
Die Kritik stellt Robin in einen größeren Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung Südtirols. Der Verein verweist auf die Belastungen durch den Tourismus, insbesondere für Straßen, Wasserressourcen und Abwasseranlagen, sowie auf mögliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bevölkerung.
Zusätzliche Infrastrukturkosten dürften nicht allein von der Allgemeinheit und den Haushalten getragen werden. Robin spricht sich dafür aus, das Verursacherprinzip stärker zu berücksichtigen und illegale Kurzzeitvermietungen konsequent zu kontrollieren.
Zugleich müsse die Politik bei der Begrenzung der Gästebetten faire Bedingungen für unterschiedliche Beherbergungsformen schaffen. Neben größeren Hotels gehörten auch Privatzimmer, kleine Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze und Wohnmobilstellplätze zur touristischen Vielfalt des Landes.
Robin fordert die Landesregierung deshalb auf, die Verhältnismäßigkeit der Pflichtausbildung zu überprüfen, kostengünstige Alternativen zu ermöglichen und kleinere Anbieter nicht gegenüber größeren Strukturen zu benachteiligen. Ziel müsse eine Tourismuspolitik sein, die wirtschaftliche Interessen mit ökologischen Grenzen, der Lebensqualität der Bevölkerung und der Vielfalt der Gastgeber in Einklang bringt.




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