Mehrgenerationenwohnen: Jung und Alt unter einem Dach

Team K will Paduas Wohnmodell nach Bozen bringen

Dienstag, 13. Oktober 2026 | 14:56 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Team K äußert sich zur Wohnungslage für Studierende und junge Berufstätige: “Bezahlbarer Wohnraum für Studierende und junge Berufstätige wird in Südtirol immer knapper. Gleichzeitig leben immer mehr ältere Menschen allein in Wohnungen, die für ihre Bedürfnisse oft zu groß sind.” Mit einem Beschlussantrag zur Förderung des generationenübergreifenden Wohnens will das Team K beide gesellschaftlichen Herausforderungen auf innovative Weise angehen.

Das sogenannte Co-Housing oder Mehrgenerationenwohnen bringt ältere Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümer mit jungen Menschen zusammen. Über reguläre Mietverträge wird ungenutzter Wohnraum aktiviert, während gleichzeitig neue soziale Beziehungen entstehen und Einsamkeit entgegengewirkt wird. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Sozialmaßnahme, sondern um ein Modell auf Gegenseitigkeit, von dem alle Beteiligten profitieren.

„Wir sprechen oft über die Wohnungskrise und über die zunehmende Vereinsamung vieler älterer Menschen. Mit generationenübergreifendem Wohnen können wir beide Herausforderungen gleichzeitig angehen. Es geht darum, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen und Begegnungen zwischen den Generationen zu fördern. Davon profitieren junge Menschen ebenso wie Seniorinnen und Senioren”, erklärt Alex Ploner.

Als Vorbild nennt das Team K das Projekt der Stadt Padua. Dort wurden innerhalb von zweieinhalb Jahren 47 Wohnpartnerschaften zwischen Menschen über 65 Jahren und Studierenden geschaffen. Mehr als 200 Studierende bekunden jährlich Interesse an dem Modell. Darüber hinaus zeigt die Bilanz, dass jeder investierte Euro einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert von rund zwei Euro erzeugt.

„In einem Umfeld, das von Unsicherheit und Einsamkeit geprägt ist, schaffen Gemeinden, die diese Form des gemeinschaftlichen Wohnens ermöglichen, eine konkrete Lösung und stärken zugleich das Gemeinschaftsgefühl. Deshalb teilen wir unsere Erfahrungen aus Padua gerne mit anderen Gebieten, die sich entschlossen haben, dieses Projekt mit Mut und Tatkraft in Angriff zu nehmen”, erklärt Pietro Bean, Gemeinderat und Beauftragter für Jugendpolitik der Stadt Padua.

„Andere Regionen und Länder zeigen bereits erfolgreich, dass generationenübergreifendes Wohnen funktioniert. Es schafft zusätzlichen Wohnraum, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und hilft Menschen, die oft mit denselben Problemen konfrontiert sind. Südtirol sollte den Mut haben, neue Wege zu gehen und solche Win-win-Modelle ebenfalls zu erproben”, betont Paul Köllensperger.

Auch die Südtiroler HochschülerInnenschaft unterstützt das Projekt: „Wir sind überzeugt, dass das generationenübergreifende Wohnen ein zukunftsweisendes Modell ist. Es verbindet soziale Verantwortung und nachhaltige Nutzung von bereits vorhandenem Wohnraum und fördert den Dialog zwischen den Generationen. Gerade in einer Gesellschaft, in der junge und ältere Menschen oft getrennte Lebenswelten haben, schafft dieses Konzept neue Möglichkeiten für Begegnung, Verständnis und Zusammenhalt”, so Neha Bhati, Vorsitzende der Südtiroler HochschülerInnenschaft.

Der Beschlussantrag des Team K sieht vor, die Machbarkeit eines solchen Projekts für Südtirol zu prüfen, sowie ein Pilotprojekt in Bozen zu starten. Zudem sollen klare Leitlinien, Begleitmaßnahmen und eine Informationskampagne ausgearbeitet werden.

Für das Team K ist klar: “Die Wohnungsfrage wird nicht durch eine einzelne Maßnahme gelöst werden. Innovative Ansätze wie das Mehrgenerationenwohnen können aber dazu beitragen, bestehende Ressourcen besser zu nutzen, neue soziale Netzwerke zu schaffen und die Lebensqualität von Menschen in Südtirol zu verbessern.”

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen