Tesla-Gigafactory in Berlin-Brandenburg

Tesla benennt nach Kritik Assistenzsystem in Europa um

Samstag, 10. Oktober 2026 | 08:20 Uhr

Von: importer

Der US-Elektroautoproduzenten Tesla benennt sein Fahrerassistenzsystem in Europa um und verabschiedet sich von der Bezeichnung “Full Self-Driving”. Nach jahrelanger Kritik wird der umstrittene Namen des Fahrassistenzsystems nun geändert. Auf Websites des Elektroauto-Herstellers in europäischen Ländern heißt es nun “Tesla Assisted Driving” – was gleich deutlich macht, dass es sich lediglich um ein Assistenzsystem handelt.

Bisher ist das System in acht EU-Ländern (Belgien, Dänemark, Estland, Kroatien, Litauen, Niederlande, Slowenien, Tschechien) zugelassen, eine Erlaubnis in der Slowakei wird binnen weniger Tage erwartet. In großen Mitgliedstaaten wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien befindet sich das System derzeit in der regulatorischen Prüfung. Eine vollständige, EU-weite Zulassung steht noch aus. Damit das System in allen 27 EU-Staaten legalisiert wird, ist eine qualifizierte Mehrheit im zuständigen EU-Ausschuss notwendig. Dafür müssen mindestens 15 von 27 Staaten zustimmen, die gleichzeitig mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Österreich wartet – wie die meisten anderen EU-Länder auf dieses EU-weite Abstimmungsverfahren.

Deutschlands Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erklärte vor wenigen Tagen, er unterstütze eine europaweite Genehmigung nach einer “konstruktiven Einigung” mit Tesla zu technischen Dingen und Fragen der Haftung. Dazu gehöre, dass das Assistenzsystem die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um maximal zehn Prozent überschreiten dürfe und die Menschen am Steuer “zu 100 Prozent verantwortlich für die sichere Fahrzeugführung” blieben. Tesla habe selbst angeboten, den Namen in Assisted Driving zu ändern, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

Zuletzt nannte Tesla das Fahrerassistenzsystem “Full Self-Driving (Supervised)”, auf Deutsch übersetzt als “Voll-Selbstständiges Fahren (Überwacht)”. Seit Jahren gibt es den Vorwurf an Tesla, dass der Name autonomes Fahren verspreche, während in Wirklichkeit der Fahrer die ganze Zeit bereit sein muss, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen und auch die Haftung bei ihm liegt. Den ersten Namen “Autopilot” für Basis-Fahrassistenztechnik ließ Tesla nach Streitigkeiten vor Gericht fallen. Im Heimatmarkt USA hält Tesla bisher weiterhin an “Full Self-Driving (Supervised)” fest, obwohl es auch dort Diskussionen gibt.

Jahrelange Versprechen

Der Name “Full Self-Driving” (FSD) geht auf Versprechen von Tesla-Chef Elon Musk zurück, dass Autos der Firma autonom sein würden. Er stellt das bereits seit einem Jahrzehnt für die nahe Zukunft in Aussicht. Doch erst zuletzt startete Tesla die Produktion eines Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale und hat einige selbstfahrende Fahrzeuge in den USA im Einsatz. Allerdings gibt es Ärger mit der US-Straßenverkehrsaufsicht, weil die Regeln unter anderem ein physisches Bremspedal vorschreiben – und Tesla keine Ausnahmeerlaubnis beantragte.

Zweifel an Musks Ansatz

Nach erster Kritik fügte Tesla zum FSD-Namen den Zusatz “Überwacht” für den aktuellen Stand des Systems hinzu. Die Idee ist, dass er wegfällt, wenn keine menschliche Aufsicht mehr notwendig ist. Zugleich wird Musks Vision für das autonome Fahren von einigen Experten und Wettbewerbern grundsätzlich infrage gestellt. Denn er beharrt darauf, dass selbstfahrende Autos nur auf Kameras zurückgreifen sollen. Rivalen wie etwa die Google-Schwesterfirma Waymo setzen dagegen auch Radarsensoren und Laser-Radare ein, die die Umgebung der Fahrzeuge großflächig abtasten. Kritiker von Teslas Ansatz verweisen darauf, dass Kameras bei schlechter Sicht oder grellem Sonnenlicht nicht genug Sicherheit böten.

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