48 Millionen Euro Mehrkosten

Teurer Strom belastet Südtirols Kleinbetriebe

Freitag, 25. September 2026 | 15:02 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Hohe Energiepreise bleiben für Südtirols Handwerks- und Kleinbetriebe eine erhebliche Belastung. Eine aktuelle Analyse des italienischen Handwerkerverbandes Confartigianato zeigt: Kleine Unternehmen in Italien zahlen für Strom weiterhin deutlich mehr als ihre europäischen Mitbewerber. Der lvh.apa Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister sieht darin einen erheblichen Wettbewerbsnachteil und fordert strukturelle Entlastungen.

Für Südtirol sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Allein in der Provinz Bozen entstanden kleinen Unternehmen 2025 aufgrund des höheren italienischen Strompreisniveaus gegenüber dem EU-Durchschnitt Mehrkosten von rund 48 Millionen Euro. Für die gesamte Region Trentino-Südtirol belaufen sich diese auf 92 Millionen Euro.

Italienweit mussten kleine Unternehmen 3,674 Milliarden Euro mehr für Strom aufbringen als bei einem Preisniveau entsprechend dem EU-Durchschnitt. Der Strompreis für kleine Betriebe lag bei 25,99 Cent pro Kilowattstunde und damit 17,9 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 22,04 Cent.

„Die hohen Energiekosten treffen das Handwerk besonders stark, denn sie wirken sich unmittelbar auf die Produktionskosten aus. Wenn ein Südtiroler Kleinbetrieb für dieselbe Energie deutlich mehr bezahlen muss als ein vergleichbarer Betrieb in anderen europäischen Ländern, entsteht ein struktureller Wettbewerbsnachteil. Unsere Unternehmen brauchen faire und verlässliche Rahmenbedingungen sowie Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen”, betont lvh-Präsident Martin Haller.

Klein- und Kleinstunternehmen immer noch im Rennen

Eine wesentliche Ursache liege auch bei Steuern und allgemeinen Systemkosten. Die entsprechenden Belastungen auf den Stromrechnungen kleiner italienischer Betriebe betragen 47,4 Prozent mehr als der europäische Durchschnitt. Gerade für Südtirol ist dies relevant: Die lokale Wirtschaftsstruktur ist stark von Klein- und Kleinstunternehmen geprägt, die Kostensteigerungen oftmals nur begrenzt weitergeben können.

Auch lvh-Direktor Walter Pöhl sieht Handlungsbedarf: „Es kann nicht sein, dass ausgerechnet kleine Unternehmen beim Energiebezug überproportional belastet werden. Viele unserer Mitgliedsbetriebe investieren bereits in Energieeffizienz, Photovoltaik und moderne Technologien. Notwendig sind eine gerechtere Verteilung von Steuern und Systemkosten sowie langfristige Maßnahmen, die den Betrieben Planungssicherheit geben.”

Der lvh appelliert an die politischen Entscheidungsträger auf Landes-, Staats- und europäischer Ebene, die besondere Situation kleinstrukturierter Wirtschaftsstandorte stärker zu berücksichtigen. Bezahlbare Energie ist eine wesentliche Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen in Südtirol.

Bezirk: Bozen

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