Talk im Turm Kränzelstein

Tourismus 2030 – zu viel, zu wenig oder anders?

Freitag, 31. Juli 2026 | 11:01 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Sarnthein – Die Auswüchse des Tourismus mit all ihren Herausforderungen, aber auch Chancen und Visionen dafür waren vor Kurzem Gegensand einer spannenden Veranstaltung im beeindruckenden Ambiente des Ansitz Kränzelstein in Sarnthein. Bereits zum zweiten Mal fand nach der äußerst gut besuchten ersten Veranstaltung im Juli 2025, nun die Auflage der Podiumsdiskussion statt, und wieder war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Gemeindereferentin Flora Brugger und die Vizebürgermeisterin von Sarntal Lisa Reichsigl begrüßten die vielen Interessierten und betonen, wie wichtig es ist, die Frage nach mehr Tourismus für das Sarntal aufzugreifen. Denn während immer mehr Gemeinden vor allem im Pustertal, in Gröden oder auch in Villnöss über den so genannten Overtourismus und die damit zusammenhängende, nicht mehr ausgeglichene Inangriffnahme des Phänomens, stöhnen, wünschen sich Gebiete wie das Sarntal, das zu den unterentwickelten Zonen im Fremdenverkehr in Südtirol zählt, eindeutig mehr Resonanz und vor allem Urlauberaufkommen.

Was man hierfür tun und berücksichtigen muss, um einen angemessenen sanften Erfolgstourismus für die Zukunft aufzubauen, wurde intensiv am Podium diskutiert. Geladen waren dabei: die Landtagsabgeordnete der Grünen, Madeleine Rohrer, die in ihrer beruflichen Laufbahn auch Geschäftsführerin des Dachverbandes für Natur und Umweltschutz, sowie Stadträtin für Umwelt und Mobilität in der Gemeinde Meran war, die angehende Jung-Hotelierin Tanja Heiss, die in den nächsten Jahren an der Talstation in Reinswald mit ihrer Familie, ein Hotel eröffnen möchte, der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Hotelier aus dem Passeiertal, Heinrich Dorfter, sowie der international agierende und mehrfach ausgezeichnete Filmregisseur Andreas Pichler, der unter anderem den vielbeachteten Film „Das Venedig Prinzip“ über den Massentourismus und seine Folgen drehte. Die Moderation übernahm wie bereits im Jahre 2025, auch heuer wieder, der Direktor des Dienstleistungszentrums für das Ehrenamt Südtirol, Ulrich Seitz.

Der Tenor des Abends war und ist vor allem dieser: Das Sarntal möchte mehr Tourismus, jedoch mit einem klaren Konzept, das darauf abzielt, die negativen Auswirkungen des Tourismus auf Umwelt, Kultur und lokale Gemeinschaften zu minimieren. Dabei werden sowohl ökologische, soziale als auch ökonomische Aspekte berücksichtigt, um einen harmonischen und langfristig tragfähigen Tourismus zu fördern. Der Grundgedanke ist, dass der Tourismus in einer Weise erfolgen sollte, die für zukünftige Generationen nachhaltig ist, ohne die natürlichen und kulturellen Ressourcen einer Region zu erschöpfen.

Es geht in erster Linie um die Förderung der lokalen Wirtschaft: Langlebigkeit statt Schnelllebigkeit: Im Gegensatz zum stressigen Tagestourismus, der oft, wenn überhaupt nur kurzfristige Gewinne über langfristige Nachhaltigkeit stellt, zielt der nachhaltige Tourismus auf ein langfristig tragfähiges Wirtschaftsmodell ab.

Der Abend behandelte auch gemeinsam mit dem anwesenden Publikum die Fragestellung, inwieweit Touristen die lokale Bevölkerung positiv unterstützen können. Dabei wurden verschiedene Wege erläutert, wie Touristen die lokale Bevölkerung direkt oder indirekt unterstützen können, etwa durch die Nutzung lokaler Dienstleister und Förderung des lokalen Handels: Einkaufen bei lokalen Geschäften oder Märkten unterstützt die lokale Wirtschaft und fördert die traditionelle Handwerkskunst.

Auch soziale Projekte und Initiativen ließen sich gut unterstützen. Auch ein respektvoller Umgang mit der lokalen Bevölkerung, der auf einem Verständnis für die lokale Kultur basiert, ist für beide Seiten bereichernd.

Der ethische und kulturelle Respekt ist entscheidend, um den Tourismus für alle Beteiligten – sowohl Touristen als auch Einheimische – positiv und bereichernd zu gestalten. Dies beinhaltet auch, sensibel mit Themen wie historischen Ereignissen, politischen Situationen und sozialen Normen umzugehen. Nur wenn Reisende den Mut und die Bereitschaft zeigen, die Welt aus der Perspektive ihrer Gastgeber zu sehen, kann der Tourismus zu einem Mittel der Völkerverständigung und des sozialen Ausgleichs werden.

Bezirk: Salten/Schlern

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen