Ein Netzwerk für Familien in tiefer Trauer

Wenn Eltern ihr Kind verlieren: Hilfe, die trägt

Donnerstag, 15. Oktober 2026 | 17:17 Uhr

Von: Sophia Molitor

Ritten – Wie können Eltern nach dem Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach einfühlsam und professionell begleitet werden? Dieser Frage widmete sich am Internationalen Gedenktag für Sternenkinder (15.10.2026) die Fachtagung „Sternenkinder – Multiprofessionelle Begleitung bei perinataler Trauer“ im Haus der Familie am Ritten.

Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen kamen zusammen, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen und die Begleitung betroffener Familien weiterzuentwickeln. Mit dabei waren unter anderem Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte, Psychologinnen und Psychologen, Mitarbeitende der Seelsorge sowie Fachpersonen aus Diensten und Einrichtungen, die Familien bei perinatalem Verlust begleiten.

Im Mittelpunkt standen die Mitteilung schwieriger Diagnosen, die Begleitung der Eltern sowie bioethische und rechtliche Aspekte. Ein besonderes Augenmerk galt der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und Diensten. Ziel war es, aktuelles Wissen und zeitgemäße Betreuungskonzepte zu teilen und damit eine fachlich fundierte und an den Bedürfnissen der Familien orientierte Begleitung zu stärken.

„Wenn Eltern ihr Kind während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt verlieren, braucht es neben fachlicher Kompetenz vor allem Sensibilität, Empathie und eine gute Zusammenarbeit. Mit der Fachtagung wollten wir unterschiedliche Berufsgruppen zusammenbringen, Erfahrungen und Wissen teilen und gemeinsam dazu beitragen, die Begleitung betroffener Familien in Südtirol weiterzuentwickeln“, betont Manuela Brioschi, Präsidentin Berufskammer Hebammen Bozen.

Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt kann das emotionale, körperliche und soziale Leben der Betroffenen tiefgreifend beeinflussen. Dabei hängt die Trauer nicht davon ab, wie früh oder spät ein Verlust eintritt. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise und in seinem eigenen Tempo. Auch innerhalb einer Partnerschaft können die Bedürfnisse unterschiedlich sein. Diese Unterschiede anzuerkennen und der Trauer den notwendigen Raum zu geben, ist ein wesentlicher Bestandteil einer einfühlsamen Begleitung.

Eine gute Vernetzung macht den Unterschied

Für betroffene Eltern bedeutet eine gute Betreuung, bereits ab dem Zeitpunkt der Diagnose verständliche Informationen zu erhalten, gehört und in ihren Entscheidungen respektiert zu werden. Ebenso wichtig ist die Begleitung nach der Entlassung. Gerade die Rückkehr nach Hause kann die Abwesenheit des Kindes besonders spürbar machen. Eine gute Vernetzung zwischen Krankenhaus, Beratungsstellen und wohnortnahen Diensten ist deshalb von besonderer Bedeutung.

„Die Begleitung darf nicht mit dem Krankenhausaufenthalt enden. Eltern brauchen auch danach verlässliche Anlaufstellen und das Wissen, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine bleiben. Genau hier liegt die Stärke unseres Netzwerks: unterschiedliche Kompetenzen und Angebote miteinander zu verbinden und gemeinsam dafür zu sorgen, dass betroffene Familien die Unterstützung finden, die sie in ihrer jeweiligen Situation brauchen“, erklärt Silvia Di Panfilo, Pädagogische Leitung des KFS und Koordinatorin des Netzwerkes, stellvertretend für die Mitglieder des Netzwerks „Sternenkinder – Bimbi stella“.

Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach versterben. Für manche Eltern fällt die erste Begegnung mit ihrem Kind mit dem Augenblick des Abschieds zusammen, andere verlieren es bereits während der Schwangerschaft. Auch wenn ein Kind nur sehr kurze Zeit gelebt hat, sollte es einen festen Platz in der Geschichte seiner Familie haben.

Der 15. Oktober macht als internationaler Gedenk- und Aktionstag auf diese Verluste aufmerksam und gibt der Trauer betroffener Familien Sichtbarkeit.

Organisiert wurde die Fachtagung vom Haus der Familie in Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus dem Netzwerk „Sternenkinder – Bimbi stella“. Das Netzwerk setzt sich dafür ein, betroffene Familien zu begleiten, Unterstützungsangebote sichtbar zu machen und das Bewusstsein für perinatale Verluste in der Gesellschaft zu stärken. Der Katholische Familienverband Südtirol (KFS) ist Träger des Netzwerks und koordiniert dessen inhaltliche Arbeit gemeinsam mit den Netzwerkpartnern.

Bezirk: Salten/Schlern

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