Offizielle Übergabe des neuen provisorischen Sitzes des Landesgerichts

77 Tage nach der Katastrophe: Prozesse laufen wieder an

Freitag, 02. Oktober 2026 | 09:16 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – 77 Tage nach dem teilweisen Einsturz des Bozner Gerichtsgebäudes wurde am Donnerstag, 1. Oktober, der neue provisorische Sitz des Landesgerichts Bozen in der Südtiroler Straße 50 offiziell übergeben. Dies markiert die vollständige Wiederaufnahme der Tätigkeit der Gerichtsämter. Bereits am Vormittag gab es die ersten Verhandlungen.

Am provisorischen Standort wurden auf 4.400 Quadratmetern die fünf Gerichtssäle des Landesgerichts nachgebildet. Die Eröffnung erfolgte planmäßig. Der Präsident der Region Trentino-Südtirol und Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi sowie die Präsidentin des Landesgerichts Bozen Francesca Bortolotti haben die Räume den Nutzern übergeben. Vor Ort waren auch Quästor Giuseppe Ferrari,Regierungskommissärin Maddalena Travaglini, der Generalsekretär des Landes Eros Magnago sowie Ressortdirektor Daniel Bedin.

“Ich danke allen, die in den vergangenen Monaten mit vollem Einsatz daran gearbeitet haben, konkrete Lösungen zu finden. Mein Dank gilt den operativen Strukturen des Landes, der Region und des Landesgerichts unter der Leitung von Präsidentin Bortolotti und ihrem gesamten Team. Durch die enge Zusammenarbeit und des Engagements aller ist es jetzt möglich, nach dieser schwierigen Zeit die Tätigkeit wieder aufzunehmen. Mittel- und langfristig werden wir zudem am Projekt für das Gerichtsgebäude weiterarbeiten”, sagte Kompatscher.

“Vom Zeitpunkt des Einsturzes an wurde eine wirklich beachtliche organisatorische Maschinerie in Gang gesetzt. Noch am selben Tag haben wir am Nachmittag die erste Ausschreibung veröffentlicht. Innerhalb von drei Tagen gingen 20 Vorschläge von Unternehmen ein”, berichtete Landesrat Bianchi. “Die Regierung hatte uns eine einmonatige Fristverlängerung für die Tätigkeit eingeräumt, die heute am späten Vormittag auslief. Und heute Vormittag haben die Prozesse wieder begonnen”, fügte Bianchi hinzu und dankte den Mitarbeitern des Landesgerichts, die aktiv am Umzug beteiligt waren.

“Inmitten dieses Unglücks war es ein großes Glück, eine außergewöhnliche Erfahrung institutioneller Zusammenarbeit, gemeinsamer Verantwortung des Verwaltungspersonals und des Einsatzes sämtlicher Kompetenzen meiner Kolleginnen und Kollegen aus Anwaltschaft und Richterschaft erleben zu dürfen”, sagte Gerichtspräsidentin Bortolotti. Sie dankte dem Verwaltungspersonal für seine Widerstandskraft und seinen Einsatz in dieser Not- und Krisensituation. Dieses Engagement habe es ermöglicht, den Justizdienst auch während der vom Ministerium gewährten Unterbrechung aufrechtzuerhalten. “Als mich das Ministerium am 16. Juli fragte, bis wann die gerichtlichen Fristen ausgesetzt werden sollten, habe ich geantwortet: bis zum 30. September, weil ich überzeugt war, dass wir es gemeinsam schaffen würden, am 1. Oktober wieder zu starten”, so die Präsidentin.

Gedankt wurde auch der Region, die den Umzug und die Einrichtungsbeschaffung koordiniert hat.

Bezirk: Bozen

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