Mann muss zwei Jahre hinter Gitter

Betrüger spielte Notlage vor und prellte 134 Opfer

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 13:05 Uhr

Von: importer

Ein Serienbetrüger, der innerhalb kürzester Zeit einen Schaden von mehr als 33.000 Euro verursacht hat, ist am Dienstag am Wiener Straflandesgericht zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der stets gut gekleidete Mann täuschte den Opfern eine Notlage vor und ergaunerte so hohe Geldbeträge von mehreren 100 Euro. Am Ende gab es 134 Menschen, deren Hilfsbereitschaft er ausgenützt und die ihm mit Geld ausgeholfen haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der 42-jährige Kroate, der seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart in Deutschland hat, hielt sich seit dem diesjährigen Frühjahr berufsbedingt in Wien auf. Er arbeitete als Bauingenieur für eine kroatische Firma, pendelte zwischen Kroatien und Deutschland hin und her und hätte in der österreichischen Bundeshauptstadt für einen Kunden eine Unternehmens-Location suchen sollen. In seinem Job, den er seinen Angaben immer noch inne hat, verdiente er knapp unter 2.000 Euro.

Angeblich aus Auto ausgesperrt

Seit dem 22. April sprach er offensichtlich gut situierte Menschen in Tiefgaragen, aber auch in und vor Geschäftslokalen an und behauptete in einer Notlage zu sein und dringend Geld zu benötigen. In den meisten Fällen erzählte er die Geschichte, dass er sich aus seinem Auto ausgesperrt habe und er nun nicht mehr zu Handy, Geldbörse und Ausweisdokumenten komme. Dabei verwies er stets auf hochpreisige Modelle wie Porsche, Maserati, Tesla oder Mercedes, die ihm gar nicht gehörten, sondern zufällig in der Garage standen. Er bat die gutgläubigen Opfer darum, seinen Bruder in Hamburg anrufen zu dürfen, dieser könnte ihm den Ersatzschlüssel nach Salzburg bringen, gab er an. Um die Reise mit dem Zug nach Salzburg zu finanzieren, bat er die Opfer um Geld. Er würde seine Schulden bei seiner nächsten Reise nach Wien oder per Überweisung zurückzahlen, was er jedoch nie tat. 100 bis 600 Euro erschnorrte er sich jedes Mal dabei. In einem Fall waren es sogar 800 Euro, weil er behauptete, er könne die Mietwagenkaution nicht bezahlen. Er habe die Hilfsbereitschaft “schamlos ausgenutzt”, sagte die Staatsanwältin in ihrem Eröffnungsplädoyer.

Der Angeklagte bekannte sich zu den Betrügereien vollinhaltlich geständig. “Ich schäme mich zutiefst dafür”, sagte er der Richterin. Auf die Frage nach dem Warum behauptete der 42-Jährige, der vor zehn Jahren bereits wegen ähnlicher Delikte in Deutschland in Haft saß, dass ihn familiäre Schwierigkeiten wieder in seine Kokain- und Spielsucht getrieben hätten. Sein brutaler Vater sei vor vier Jahren an seinem Geburtstag verstorben, und als ihn seine demenzkranke Mutter anrief, die sich um die schwerstbehinderte Schwester kümmert, und sagte, dass es ihr gesundheitlich schlechter gehe, hätte ihn das aus der Bahn geworfen. “Ich wollte mir nur noch die nächste Line holen. Und wenn ich kokse, dann zocke ich auch.” Seinen Angaben zufolge habe er zwei Gramm pro Tag konsumiert. Allerdings sind bei seiner Festnahme weder bei ihm, noch in der Pension, noch in seinem Blut Drogen gefunden worden. Auch die Staatsanwältin zeigte sich überrascht: “Bei Ihren Einvernahmen haben Sie das kein einziges Mal erwähnt.”

Polizisten in Zivil nahmen ihn fest

Aufgrund der Anzeigenflut von den Opfern kam ihm rasch die Polizei auf die Schliche. Beamte in Zivil observierten die Plätze, wo der Mann des Öfteren aufgetaucht war. Am 16. Juli war es dann soweit. Drei Polizisten fanden den Mann in der Wiener Innenstadt, während er gerade dabei war, sein nächstes Opfer zu prellen. “Er war sehr glaubwürdig und sehr überzeugend”, sagte der Pensionist über den Täter. Der 69-Jährige, der sich gerade mit einem Freund in der Garage beim Konzerthaus getroffen hatte, wollte schon Geld abheben, als der Zugriff erfolgte.

Die Polizisten nutzten den Überraschungsmoment und stürmten auf den damals 41-Jährigen zu, riefen laut “Polizei” und brachten ihn auf den Boden. Weil er sich bei der Festnahme gewehrt haben soll und ein Polizist Abschürfungen erlitt, wurden dem 42-Jährigen auch Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung angekreidet. Davon wurde er jedoch freigesprochen, weil es sich hier um eine “höchst dynamische Situation” gehandelt habe und der Beschuldigte – wie er auch selber angab – von der Festnahme überrascht war und er versuchte, nicht zu Boden zu fallen.

Urteil nicht rechtskräftig

Der Angeklagte und die Staatsanwältin nahmen das Urteil von 24 Monaten an, die Privatbeteiligtenvertreterin des Polizisten gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. “Ich werde versuchen, den Schaden wieder gut zu machen”, meinte der 42-Jährige.

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