Kinder und Jugendliche werden gezielt angesprochen

Bundeskriminalamt beriet über Online-Netzwerk “The Com”

Donnerstag, 08. Oktober 2026 | 10:32 Uhr

Von: importer

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gewaltorientierten Online-Gemeinschaften ist im Mittelpunkt eines internationalen Arbeitsgipfels des Bundeskriminalamts (BK) am 7. und 8. Oktober in Wien gestanden. Unter dem Titel “Risks to children in the digital space” berieten Expertinnen und Experten aus Österreich mit jenen von Europol, dem FBI und deutschen Sicherheitsbehörden über das gewaltbereite Online-Netzwerk “The Com”, das gezielt Kinder und Jugendliche anspricht.

Thema waren mögliche Gefährdungen sowie Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen und die internationale Zusammenarbeit, informierte das BK in einer Aussendung am Donnerstag. An dem zweitägigen Treffen nahmen unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Europol, des US-amerikanischen Federal Bureau of Investigation (FBI), deutscher Sicherheitsbehörden, des Bundeskriminalamts und weiterer österreichischer Partnerinstitutionen teil.

Unter “The Com” – abgeleitet vom englischen Begriff “The Community” – verstehen Sicherheitsbehörden ein internationales und dezentral organisiertes Netzwerk verschiedener gewaltorientierter Online-Gruppierungen. Anders als klassische kriminelle Organisationen verfügen diese über keine einheitliche Führung oder feste Hierarchie. Die Vernetzung erfolgt vor allem über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Gaming-Plattformen und Online-Communitys.

Weitreichende Form der Kriminalität

Das Spektrum der damit verbundenen Kriminalität reicht laut Bundeskriminalamt von Cyberkriminalität und Erpressung bis zu sexueller Ausbeutung, gezielter Manipulation sowie der Verherrlichung von Gewalt und Selbstverletzungen. Besonders gefährdet seien Kinder und Jugendliche, die gezielt angesprochen und etwa durch vermeintliche Freundschaften, Anerkennung oder ein Gefühl der Zugehörigkeit an entsprechende Gruppierungen gebunden werden könnten. Daraus könnten Abhängigkeiten, Erpressung und massive Gewalt entstehen.

Das BK hat im Frühjahr 2026 die Arbeitsgruppe “The COM” eingerichtet. Gemeinsam mit der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sollen Erkenntnisse gebündelt, Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Deliktsbereichen frühzeitig erkannt und die bundesweite Bekämpfung des Phänomens unterstützt werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist die Erstellung eines österreichweiten Lagebildes. Dafür werden mögliche Verdachtsfälle systematisch analysiert, vorhandene Informationen zusammengeführt und internationale Erkenntnisse ausgewertet. Ziel sei es, Entwicklungen möglichst früh zu erkennen und darauf aufbauend gezielte Maßnahmen zu setzen, so das Bundeskriminalamt. Auch Prävention und Sensibilisierung spielen eine zentrale Rolle. Dazu laufe auch die Zusammenarbeit mit Partnern aus den Bereichen Kinder- und Jugendschutz, Familie und Gewaltprävention. Eltern, Kinder und Jugendliche sowie die Bevölkerung sollen über das Phänomen, mögliche Gefahren und Warnsignale informiert werden.

Schulungen für Polizisten

Parallel werden Polizistinnen und Polizisten bundesweit durch Schulungen, Webinare und interne Informationsangebote sensibilisiert. Bestehende Präventionsprogramme sollen weiterentwickelt werden, damit mögliche Hinweise auf Com-Netzwerke im polizeilichen Alltag frühzeitig erkannt und richtig eingeordnet werden können.

Da die Netzwerke grenzüberschreitend agieren, setzt das Bundeskriminalamt auf internationale Zusammenarbeit. Österreich beteiligt sich unter anderem am von Europol koordinierten Projekt “Compass”, das den Austausch operativer Erkenntnisse und die Kooperation zwischen Strafverfolgungsbehörden stärken soll. Beim Arbeitsgipfel wurden unter anderem Gefährdungsbewertung, Prävention, Deradikalisierung, Resozialisierung und der praktische Umgang mit Verdachtsfällen thematisiert. Die Veranstaltung soll internationale und nationale Erfahrungen zusammenführen und gemeinsame Handlungsansätze weiterentwickeln.

“The COM zeigt, wie rasch sich kriminelle Netzwerke im digitalen Raum entwickeln und wie gezielt dabei insbesondere junge Menschen angesprochen werden”, erklärte BK-Direktor Andreas Holzer. Ziel sei es, “diese Strukturen frühzeitig zu erkennen, Täter konsequent zu verfolgen und vor allem Kinder und Jugendliche zu schützen”. Dafür brauche es nationale und internationale Zusammenarbeit, umfassende Aufklärung und gezielte Prävention.

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