Von: Matthias Knapp
St. Ulrich – Die Kontroverse um das kostenpflichtige Drehkreuz auf der Seceda in Gröden beschäftigt weiterhin die Südtiroler Landespolitik. Obwohl der Sommer vorbei ist, blieb die umstrittene Absperrung im Naturpark Puez-Geisler bis Saisonende an Ort und Stelle. Einen Rekurs hat die Landesregierung bislang noch nicht eingereicht. Offenbar will man sich in Bozen die Zeit nehmen, um eine rechtssichere Lösung zu erarbeiten, denn die Entscheidung könnte Signalwirkung für ganz Südtirol haben.
Bereits im vergangenen Jahr hatte das Land den Abbau eines fest installierten Drehkreuzes verfügt. In der abgelaufenen Sommersaison überraschte der Betreiber jedoch mit einer mobilen Variante: Das auf Rädern montierte Drehkreuz war an den Wegzaun gekoppelt und mit Photovoltaik-Panel, Überwachungskamera sowie Zahlungsterminal ausgestattet. Wer dem berühmten Fotohotspot in den Dolomiten nahekommen wollte, musste fünf Euro entrichten. Einheimische blieben von der Gebühr verschont.
Da der Weg über Privatgrund führt, aber innerhalb des geschützten Naturparks liegt und vom Land als öffentlich betrachtet wird, gestalten sich die Rechtsfragen äußerst vielschichtig.
Ein vorschnelles Vorgehen will das Land vermeiden. Wird das mobile Drehkreuz im Naturpark Puez-Geisler zähneknirschend geduldet oder als rechtmäßig eingestuft, könnte dies einen Domino-Effekt an weiteren Südtiroler Tourismus-Hotspots nach sich ziehen.
Alexander Gruber, Direktor des Ressorts für Umweltschutz, erklärte gegenüber der Zeitung Alto Adige: „Ein klassischer Bauverstoß scheint nach aktuellem Verhandlungsstand nicht der richtige Weg zu sein. Es handelt sich um eine neuartige Fragestellung, die kein Standardverfahren erlaubt. Bevor wir konkrete Initiativen ergreifen, werden wir das Gespräch mit den Grundeigentümern und den Gemeinden suchen.“ Bislang seien keine Nachahmer-Projekte an anderen Brennpunkten bekannt, so Gruber.
Der Fall schlägt auch im Südtiroler Landtag Wellen. In einer Anfrage erkundigte sich der Team K-Fraktionssprecher Paul Köllensperger nach den konkreten Plänen der Landesregierung gegen den sogenannten Übertourismus.
Tourismuslandesrat Luis Walcher stellte klar, dass für stark frequentierte Ziele wie die Seceda, die Drei Zinnen, den Karersee, die Seiser Alm oder das Villnößtal individuell angepasste Konzepte zur Besucherlenkung entwickelt würden. Während am Pragser Wildsee bereits ein funktionierendes Zugangsmanagement etabliert sei, befänden sich die Instrumente an anderen Hotspots – von Online-Reservierungssystemen bis hin zu Obergrenzen – in unterschiedlichen Umsetzungsphasen.




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