Von: Matthias Knapp
Bozen – Eine neue Kampagne des Südtiroler Sanitätsbetriebes rückt anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober die Tiere im Tierheim Sill in den Mittelpunkt. Sie ermutigt Menschen, die sich ein Haustier wünschen, eine Adoption aus dem Tierheim in Betracht zu ziehen. Zugleich macht sie deutlich, dass die Entscheidung für ein Tier mit langjähriger Verantwortung verbunden ist.
Eine Kampagne im Zeichen des Tierschutzes
Ein Haustier bereichert den Alltag – mit Nähe, Vertrauen und gemeinsamen Momenten. Damit daraus eine dauerhafte Beziehung entstehen kann, braucht es aber nicht nur Zuneigung, sondern auch Zeit, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Genau hier setzt die Kampagne an. Sie soll Menschen vor der Anschaffung eines Tieres zu einer bewussten Entscheidung anregen und damit im besten Fall verhindern, dass Tiere später im Tierheim landen.
Der Kampagnenstart kurz vor dem 4. Oktober ist bewusst gewählt: Der Welttierschutztag erinnert daran, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die Schutz, Respekt und verlässliche Fürsorge verdienen. Er bietet damit einen passenden Anlass, den Blick auf jene Tiere zu richten, die im Tierheim Sill auf ein neues Zuhause warten.
Veterinärmedizinische Versorgung, Unterbringung und Vermittlung
Das Tierheim Sill ist mehr als ein Ort, an dem herrenlose oder beschlagnahmte Tiere vorübergehend untergebracht werden. Als Einrichtung des Südtiroler Sanitätsbetriebes übernimmt es auch wichtige veterinärmedizinische Aufgaben: In den Behandlungsräumen und im Operationssaal werden verletzte oder kranke Tiere versorgt und bei Bedarf operiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Geburtenkontrolle bei freilebenden Katzen. Mehr als 1.000 Tiere aus Südtiroler Katzenkolonien werden jährlich untersucht, sterilisiert und anschließend wieder an ihren Herkunftsort zurückgebracht.
Auch die Vermittlung bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe. Derzeit werden im Tierheim unter anderem rund 30 Hunde betreut. Manche finden rasch ein neues Zuhause, andere brauchen aufgrund ihrer Vorgeschichte oder besonderen Bedürfnisse mehr Zeit und erfahrene Halterinnen oder Halter. „Wir arbeiten gezielt am Verhalten der Tiere, um ihre Chancen auf ein neues Zuhause zu verbessern“, erklärt die Tierpflegerin des Tierheims Petra Cadamuro. „Auch ältere Tiere haben es schwer, weil sich viele Menschen eher ein junges Tier wünschen.“ Neben Hunden und Katzen werden auch Kleintiere oder Wasserschildkröten vermittelt sowie immer wieder verletzte oder hilfsbedürftige Wildtiere versorgt oder an geeignete Auffangstellen abgegeben.
Der Umgang im Tierheim ist von der Haltung geprägt, jedem Individuum – ob Mensch oder Tier – mit Respekt zu begegnen. Das Tierpflegepersonal sowie die Tierärztinnen und Tierärzte nehmen jedes Tier als Lebewesen mit eigener Geschichte und individuellen Bedürfnissen wahr.
Anlaufstelle für künftige Tierbesitzer
Dr. Christian Piffer, Direktor des Tierärztlichen Dienstes für den Bereich Tiergesundheit, Hygiene in der Tierzucht und in der Tierproduktion beim Südtiroler Sanitätsbetrieb, unterstreicht die Bedeutung einer verantwortungsvollen Vermittlung: „2025 haben 31 Hunde, 108 Katzen, fünf Hasen, vier Vögel, drei Wasserschildkröten, Hamster, Meerschweinchen und Hennen ein neues Zuhause gefunden. Zudem konnten mehr als zwanzig abgegebene Landschildkröten sowie ein Uhu an Wildtier-Auffangzentren vermittelt werden. Viele Tiere können dank der Zusammenarbeit mit aktiven Tierschutzvereinen direkt an neue Halterinnen und Halter vermittelt werden, ohne vorher im Tierheim aufgenommen zu werden. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind durch ihre jahrelange Erfahrung sehr gut ausgebildet und arbeiten an 365 Tagen im Jahr mit großem Engagement und echter Tierliebe. Dennoch kann kein Tierheim eine richtige Familie ersetzen. Deshalb hoffen wir, dass weiterhin viele Südtirolerinnen und Südtiroler vorbeischauen und einem Tier aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben.“
Auch die Amtstierärztin Dr.in Ingrid Misfatto, die selbst regelmäßig im Tierheim operiert, betont: „Das Tierheim Sill ist unser langjähriges, organisiertes und öffentliches Zentrum für entlaufene oder herrenlose Tiere. Es bietet Schutz und Prävention und ist zugleich eine wichtige Anlaufstelle für künftige, verantwortungsbewusste Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer. Kommt vorbei – viele Nasen warten auf euch!“
Der Landesrat für Gesundheitsvorsorge und Gesundheit, Dr. Hubert Messner, hebt die gesundheitliche Dimension des Tierschutzes hervor: „Tiergesundheit und Tierschutz sind eng miteinander verbunden. Tierheime übernehmen dabei wichtige Aufgaben, die weit über die Versorgung und Unterbringung von Tieren hinausgehen. Dazu gehören auch die medizinische Betreuung sowie die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Erkrankungen. Aus gesundheitlicher Sicht sind Prävention, verantwortungsvolle Tierhaltung und eine konsequente Kontrolle des Tierwohls wesentliche Bausteine, um das Leid von Tieren zu verhindern und ihre Gesundheit nachhaltig zu schützen.“
Die Kampagne „Eine Begegnung kann alles verändern“
Für die Kampagne wurden Hunde und Katzen, die derzeit im Tierheim Sill betreut werden, direkt vor Ort fotografiert und gefilmt. Die Motive werden unter anderem auf Plakaten, in Zeitungsinseraten und in den sozialen Medien zu sehen sein. Außerdem wurden Kurzvideos hergestellt, die auf sympathische Art auf die Tiere aufmerksam machen. Unter dem Motto „Eine Begegnung kann alles verändern“ zeigt die Kampagne, wie aus einem ersten Kennenlernen im Tierheim eine Adoption entstehen kann, die das Leben des Tieres ebenso verändert wie jenes seiner neuen Besitzerinnen und Besitzer.
Dr. Christian Piffer dankt in diesem Zusammenhang auch den Freiwilligen der Tierschutzvereine, die die Kampagne unterstützen und sich mit großem Engagement für die Tiere einsetzen.
Wer ein Tier aufnehmen möchte, kann sich direkt an das Tierheim Sill wenden. Termine zum Kennenlernen der Tiere und für eine Beratung durch das Team können unter 0471 329 800 vereinbart werden. Telefonisch erreichbar ist das Tierheim von Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 16.00 Uhr.




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