Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Mit den anhaltenden Hitzewellen zieht es immer mehr Menschen an Seen, Flüsse und ans Meer. Gleichzeitig steigt die Zahl tödlicher Badeunfälle. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb warnt: Viele dieser Tragödien ließen sich durch richtiges Verhalten vermeiden.
Hitze und Schwimmen passen perfekt zusammen. Denn was gibt es Schöneres, als bei den zurzeit herrschenden Temperaturen weit über 30 Grad in kühles Wasser einzutauchen – sei es im Schwimmbad, am See oder am Meer. Aber bekanntlich hat Wasser keine Balken und so lässt die Hitze auch die Anzahl der Badeunfälle mit tödlichem Ausgang ansteigen, wie eine erst kürzlich erschienene Datenanalyse des Statistikportals Statista aus Deutschland zeigt. Während im Juni 2025 in ganz Deutschland 69 Personen ertrunken sind, waren es im Juni 2026 ganze dreißig Personen mehr, nämlich 99. Auffallend dabei: Im Juni 2025 lag die durchschnittliche Anzahl der Tage mit mindestens 30 Grad Celsius in Deutschland bei 4,0. Im Juni 2026 waren es dann mehr als doppelt so viele, nämlich 8,5 Tage.
Das italienische Istituto Superiore di Sanità (ISS) hat bereits in der Vergangenheit warnend darauf hingewiesen, dass in Italien jährlich 300 Menschen ertrinken. Für die Jahre 2024 und 2025 wurden in Italien insgesamt 604 tödliche Badeunfälle erfasst.
Betroffen sind dabei vor allem Männer, sie machen mehr als 80 Prozent der Opfer aus. Auch das Alter spielt eine Rolle: Fast jedes dritte Todesopfer war älter als 65 Jahre. Dabei bleiben auch Prominente nicht verschont. Erst kürzlich konnte die Leiche des 84-jährigen Luigi Cavallari erst nach wochenlanger Suche aus dem nordwestlich von Rom gelegenen Vico-See geborgen werden. Der Ehemann der italienischen Familienministerin Eugenia Roccella war im Juni zur Abkühlung in den See gesprungen und nicht mehr aufgetaucht.
Ältere Personen sollten beim Baden im Sommer besonders achtsam sein, unterstreicht Dr.in Sibylle Mair, stellvertretende Primarin der Abteilung Innere Medizin im Krankenhaus Bruneck: „Das Herz-Kreislauf-System ist im Alter weniger anpassungsfähig und kann auf plötzliche Kältereize nicht so gut reagieren, wie dies bei jüngeren Menschen der Fall ist. Größeres Risiko besteht auch für Menschen mit Bluthochdruck, Herzproblemen oder Diabetes. Der plötzliche Kältereiz kann bei diesen Personen Blutdruckspitzen und Herzinfarkte auslösen oder auch Herzrhythmusstörungen provozieren“.
Die meisten Unglücke ereigneten sich laut Istituto Superiore di Sanità im Meer sowie in Seen, Flüssen und Kanälen. Zusammen machen diese Gewässer rund 93 Prozent aller registrierten Badeunfälle aus. In Schwimmbädern werden im Vergleich weniger Todesfälle verzeichnet. Dort sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. Insgesamt entfällt knapp ein Viertel der Badeunfälle auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre.
Besonders auf Kinder sollte verstärkt geachtet werden, so das ISS, im Schnitt sterben in Italien jedes Jahr 16 Kinder unter 14 Jahren durch Ertrinken. „Kinder sollen in erster Linie schwimmen können“ betont Vize-Primarin Mair, sie sollten nie unbeaufsichtigt bleiben und bevor sie ins Wasser gehen, sollten sie sich zuerst langsam an das Wasser gewöhnen. Wichtig ist auch Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr.“
Grundsätzlich, so das Istituto Superiore di Sanità, wären viele Badeunfälle vermeidbar. Aber auf was sollte man besonders achten? Direkt nach dem Sonnenbaden ins kalte Wasser springen, ist jedenfalls keine gute Idee, sagt Mair: „Durch ein rasches Zusammenziehen der Blutgefäße wird das Herz und der Kreislauf extrem belastet und kann zum Kollaps führen. Auch gesunde Menschen können durch eine derartig abrupte Abkühlung Beschwerden wie Schnappatmung oder Herzrhythmusstörungen erleiden.“ Auch sollte man vorher auf Warnsignale achten wie etwa Symptome von Überhitzung mit Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder allgemeines Unwohlsein.
Nach Alkoholgenuss sollte überhaupt nicht geschwommen werden, denn Alkohol erweitere die Gefäße und es könne zu Ohnmachtsanfällen kommen. Außerdem verzerre Alkohol die Selbsteinschätzung.
Nach einer üppigen Mahlzeit rät die Medizinerin zu einer Wartezeit von 30 bis 60 Minuten, bevor man wieder ins Wasser geht, denn während dieser Zeit sei der Körper mit der Verdauung beschäftigt. Und welche Risiken werden von Badegästen am häufigsten unterschätzt? Vize-Primarin Mair: „Selbstüberschätzung der eigenen Kraft, Strömungen und die Kälte des Wasser unterhalb der Oberfläche.“
Die Botschaft der Experten und Expertinnen ist also eindeutig: Viele tödliche Badeunfälle wären vermeidbar. Wer sich über die Bedingungen am Badeort informiert, Warnhinweise beachtet und umsichtig handelt, kann das Risiko deutlich verringern.




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