Polizei warnt Eltern vor dem Verzehr

In vier Bundesländern manipulierte Halloween-Süßigkeiten

Dienstag, 03. November 2026 | 12:47 Uhr

Von: importer

In vier Bundesländern sind Metallgegenstände in zu Halloween gesammelten Süßigkeiten gefunden worden. Insgesamt acht Fälle wurden aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und nun auch aus Salzburg gemeldet. Im Bezirk Amstetten wurde eine Zehnjährige am Montag durch einen Biss in eine Minischokolade, in der eine Nadel versteckt war, leicht im Mund verletzt, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag.

Es erging der Aufruf, keine gesammelten Süßigkeiten ohne vorherige Kontrolle zu essen. Derzeit sind österreichweit der Fall in Niederösterreich bekannt, zwei Fälle in Oberösterreich (Bezirke Linz und Vöcklabruck), vier Fälle in der Steiermark (Bezirke Leibnitz und Weiz) und ein Fall in Salzburg (Salzburg Stadt). In den Bundesländern Wien, Burgenland, Kärnten, Tirol und Vorarlberg gab es bisher keine derartigen Anzeigen bei den Polizeidienststellen.

Bundeskriminalamt koordiniert Ermittlungen

Ermittlungen waren im Laufen und werden durch das Bundeskriminalamt (BK) koordiniert. Dort wird eine Ermittlergruppe mit dem Namen “Treat” angesiedelt, die sich mit diesen Fällen auseinandersetzt, gaben Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität im BK, am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt. Karner nannte die Taten “feig und hinterhältig und zum Teil lebensbedrohlich”. Der Innenminister appellierte erneut an Kinder, Eltern und andere Erziehungsberechtigte, Halloween-Süßigkeiten genau zu kontrollieren, bevor sie verzehrt werden.

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zeigte sich auch fassungslos. “Wer so etwas tut, gefährdet das Wertvollste, das unsere Gesellschaft hat: das Wohl unserer Kinder”, erklärte sie in einer schriftlichen Stellungnahme. “Die Täter müssen die volle Härte des Gesetzes spüren. Unsere Kinder verdienen eine unbeschwerte Kindheit.”

Ermittlergruppe “Treat” soll Muster erkennen

Die Ermittlergruppe wird federführend im BK koordiniert. “Diese perfiden Taten erfordern entschlossenes Vorgehen. Wir bündeln unsere Kräfte über die Landesgrenzen hinweg und gehen gemeinsam mit unseren Partnern konsequent gegen die Verantwortlichen vor”, betonte BK-Direktor Andreas Holzer. Zu Größe und Zusammensetzung, allenfalls auch internationaler Beteiligung etwa mit deutschen Beamten oder mit Europol, wollte sich Tatzgern nicht näher äußern. Dass es eine enge Zusammenarbeit gibt, liegt auf der Hand. Sobald neue gesicherte Erkenntnisse vorliegen, werde die Öffentlichkeit informiert. “Entscheidend ist jetzt, die einzelnen Vorfälle kriminalistisch zusammenzuführen und mögliche Muster zu erkennen. Mit der Ermittlungsgruppe ‘Treat’ schaffen wir dafür die notwendige zentrale Koordination”, sagte Tatzgern.

Zum Modus Operandi: Die Ermittler gehen offenbar nicht davon aus, dass den Kindern die Naschsachen an Haustüren in die Hand gedrückt wurden. Vielmehr dürften die präparierten Süßigkeiten in größere Schüsseln mit Naschereien gelegt worden sein, welche Bewohner vor ihre Haus- oder Wohnungseingänge gestellt hatten, damit sich die Kinder daraus bedienen konnten.

Fälle auch in Deutschland, Ungarn und Kanada

In Deutschland gebe es “Fälle in praktisch allen Bundesländern, auch in Ungarn gibt es einen Fall”, sagte der BK-Abteilungsleiter. Übrigens wurden auch in Kanada ähnlich gelagerte Fälle bekannt. So wurden in zwei Gemeinden in der Provinz Ontario Süßigkeiten mit Metallgegenständen gefunden. Auch aus der Provinz Quebec wurden Fälle gemeldet. Nicht zuletzt aufgrund der Vorgangsweise und der Streuung der Fälle wird auch in Richtung einer Vernetzung der Täter über das Internet bzw. soziale Netzwerke ermittelt. “The COM”, ein internationales gewaltbereites Online-Netzwerk, das auch hierzulande gezielt Kinder und Jugendliche kontaktiert und manipuliert, wurde nicht ausdrücklich genannt.

“Die Polizei nimmt diese Vorfälle sehr ernst”, hieß es in einer Stellungnahme des BK. Es sei insbesondere darauf zu achten, “ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Süßigkeiten befinden”. Bei verdächtigen Feststellungen sollte sofort die Polizei verständigt werden. Karner und Tatzgern erneuerten diesen Appell. Hinweise auf einen direkten Zusammenhang zwischen den angezeigten Fällen gebe es bisher nicht.

Süßigkeiten wurden offenbar händisch präpariert

In Linz haben Unbekannte Halloween-Süßigkeiten mit Nägeln präpariert. Ein 28-jähriger Vater hat die ein Zentimeter langen Metallgegenstände in Schokoriegeln und Kaubonbons, die seine Kinder gesammelt hatten, gefunden. Teils wurden die Nägel laut Polizei offenbar von außen hineingedrückt und waren gut sichtbar, teils waren sie in den Süßigkeiten versenkt und nicht zu erkennen. Die Polizei geht davon aus, dass die Naschereien händisch präpariert wurden. Die Exekutive warnte vorsorglich vor dem Verzehr von Halloween-Süßigkeiten, die im Stadtteil Linz-Oed gesammelt wurden.

Im Bezirk Vöcklabruck erstattete eine Mutter Anzeige, nachdem sie eine dickere Nadel in einem Kaubonbon und in einem Schokoriegel entdeckt hatte, die ihre elfjährige Tochter am Freitagabend in Vöcklamarkt gesammelt hatte. Das Mädchen biss laut Polizei in eine der Süßigkeiten, wurde dabei aber nicht verletzt.

Vier Fälle in der Steiermark

In der Steiermark sprach die Landespolizeidirektion von vier Fällen in den Bezirken Weiz und Leibnitz. Bei den metallischen Gegenständen in den – unterschiedlichen – Süßigkeiten handelte es sich um eine Nähnadel, je zweimal um einen Metallstift und einmal um eine Heftklammer, sagte ein Polizeisprecher zur APA. Nach bisherigen Erkenntnissen stünden die vier Fälle nicht in Zusammenhang, aber man könne dies auch nicht völlig ausschließen. Weitere Fälle seien bisher nicht gemeldet worden. Laut ORF Steiermark online sei eine Familie im Bezirk Leibnitz durch die Medienberichte auf die möglicherweise präparierten Süßigkeiten aufmerksam geworden und habe das Naschwerk mit einem Magnet geprüft. Dieser habe leicht angeschlagen, so sei das Metallstück entdeckt worden.

Polizei warnt und bittet um Mithilfe

Die österreichische Polizei warnte Eltern und Erziehungsberechtigte, gemeinsam mit ihren Kindern die in der Halloween-Nacht gesammelten Süßigkeiten vor dem Verzehr sorgfältig zu kontrollieren. Insbesondere ist darauf zu achten, ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Süßigkeiten befinden. Gleichzeitig wird zur Besonnenheit aufgerufen. Gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Unwohlsein können unterschiedliche Ursachen haben und stehen nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit dem Verzehr möglicherweise manipulierter Süßigkeiten. Beim Auffinden von offensichtlich manipulierten Süßigkeiten sollten diese samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Um mögliche Spuren für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu sichern, sollen entdeckte Fremdkörper nicht aus den Süßigkeiten entfernt oder anderweitig manipuliert werden.

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