Von: Sophia Molitor
Bozen – Die sogenannte “Sharm-Woche“ bezeichnet die Herbstferien in Südtirol, die jährlich rund um Allerheiligen und Allerseelen stattfinden. Während Schülerinnen und Schüler in anderen italienischen Regionen meist nur ein bis zwei Tage frei haben, bleiben die Schulen in Südtirol eine ganze Woche geschlossen. Heuer dauert die Pause vom 31. Oktober bis zum 8. November. Die Herbstferien berühren gleichermaßen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, pädagogische Vorstellungen von Erholung und die wirtschaftlichen Besonderheiten Südtirols. Viele sind daher mit der Regelung einverstanden, andere hingegen sehen sie kritisch.
Eingeführt wurde die Herbstpause 2012 unter der damaligen Landesregierung von Luis Durnwalder. Im Zuge einer Reform des Schulkalenders wurde die Fünf-Tage-Woche von Montag bis Freitag eingeführt und der Schulbeginn im September vorverlegt. Als Ausgleich erhielten die Schülerinnen und Schüler eine zusätzliche Woche Herbstferien. Zusammen mit den verlängerten Faschingsferien sollte der Schulalltag in regelmäßigen Abständen unterbrochen werden.
Der Name “Sharm-Woche“ bezieht sich auf Sharm el-Sheikh, den bekannten ägyptischen Urlaubsort. Die ironische Bezeichnung spielte auf die Vorstellung an, dass Südtiroler Familien die schulfreie Zeit für einen Urlaub nutzen könnten – insbesondere Menschen, die im Tourismus arbeiten und zwischen der Sommer- und Wintersaison eine ruhigere Phase haben. Kritiker vermuten deshalb, dass die Einführung der Ferien auch den Interessen der Hoteliers und Gastronomiebetriebe entgegenkam. Familien, die im Tourismus beschäftigt sind, könnten die ruhigere Zeit nutzen, um selbst Urlaub zu machen.
Wer ist dafür und wer dagegen?
Die Diskussion spaltet die Bevölkerung bis heute. Dabei stehen unterschiedliche Interessen und Lebensrealitäten gegenüber. Ein Teil des Schulpersonals, der Schülerinnen und Schüler sowie Familien begrüßt die zusätzliche Erholungspause. Regelmäßuge Unterbrechungen des Schulalltags seien wichtig. Für manche Familien bietet die Woche zudem die Gelegenheit, gemeinsam Zeit zu verbringen oder Urlaub zu machen. Es gibt aber auch einen Teil der Bevölkerung, die in Schwierigkeiten gerät sobald die Kinder nicht mehr in den Schulen aufgeräumt sind. Vor allem berufstätige Eltern, die nicht selbst Urlaub nehmen können, sehen die lange Schließung kritisch. Sie müssen jedesmal alternative Betreuungsmöglichkeiten organisieren, dies sei nicht immer einfach.
Ein von Landesrat Marco Galateo im Jahr 2024 angestoßenes Umfrageergebnis verdeutlichte die unterschiedliche Wahrnehmung: 71 Prozent des Schulpersonals und 62 Prozent der Schülerinnen und Schüler befürworteten die Herbstpause, bei den Familien waren es hingegen nur 40 Prozent.
Gleichzeitig hat sich rund um die Herbstferien ein Angebot an Sport-, Freizeit- und Bildungsprogrammen entwickelt. Vereine und Jugendzentren organisieren Aktivitäten, um berufstätige Eltern zu entlasten. Allerdings sind diese Angebote häufig kostenpflichtig und nicht für alle Familien gleichermaßen zugänglich.




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