Von: Lukas Unterkofler
Gadertal/Dolomiten – Immer mehr Urlauber aus China und Südkorea entdecken die einzigartigen Gebiete der Dolomiten. Der Zuwachs bietet wirtschaftliche Chancen, sorgt aber auch für Diskussionen über Overtourism und die Konkurrenz um Hotelbetten.
Die japanische Reiseleiterin Keiko Sawayama sieht darin im Interview mit dem Corriere della Sera vor allem eine Chance, sofern die Gäste länger bleiben und mehr vom Land kennenlernen.
Große Veränderungen in den letzten fünf Jahren
Sawayama lebt seit 2004 in Bozen und begleitet seit Jahren vor allem japanische, chinesische und südkoreanische Urlauber durch Südtirol. Während früher hauptsächlich Japaner in die Dolomiten kamen, habe sich das Bild in den vergangenen fünf Jahren deutlich verändert. Vor allem chinesische und südkoreanische Gäste seien hinzugekommen, nicht zuletzt durch die Präsenz der Dolomiten in den sozialen Netzwerken. Viele wollten vor allem vor bekannten Bergkulissen fotografiert werden. Japanische Gäste seien dagegen stärker mit der Bergwelt vertraut und schätzten auch längere Wanderungen.
Zu den beliebtesten Zielen zählen der Karersee, die Pässe Pordoi und Grödner Joch, St. Ulrich, die Drei Zinnen und die Seiser Alm. Wer länger bleibt, nutzt häufig das Gadertal als Ausgangspunkt für Ausflüge. Neben Hüttenübernachtungen und Klettersteigen interessieren sich manche Gäste auch für Paragleiten und Südtiroler Küche. Besonders gefragt seien Spätzle, Knödel und Schlutzkrapfen.
Verdrängungskampf zwischen Urlaubern: “Kritik nur teilweise berechtigt”
Kritik, wonach asiatische Urlauber der traditionellen deutschen und österreichischen Stammkundschaft Hotelbetten wegnähmen, kann Sawayama nur teilweise nachvollziehen. Asiatische Gäste planten ihre Reisen häufig sehr früh. Bereits jetzt gebe es Anfragen für September 2027. In Alta Badia betrachteten viele Tourismusbetriebe diese Gästegruppe ausdrücklich als Bereicherung.
Sawayama will Gästen mehr zeigen
Ein Problem sei allerdings der oft kurze Aufenthalt, bei dem sich viele Besucher auf wenige, über soziale Medien bekannte Fotomotive beschränkten. Sawayama versucht deshalb, auch weniger überlaufene Gebiete wie die Plose und die Fanesgruppe bekannt zu machen. Der schnelle Fototourismus sei zudem kein rein asiatisches Phänomen: Auch am japanischen Mount Fuji seien westliche Urlauber mit Jeans und Badeschlappen unterwegs.
“Mindestaufenthaltsdauer könnte helfen”
Für die Zukunft wünscht sich die Reiseleiterin längere Aufenthalte und ein stärkeres Interesse an den vielfältigen Angeboten der Region. Eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei Nächten könnte ihrer Ansicht nach helfen. Gerade in Bozen und Brixen gebe es Unterkünfte, die auch von Gästen genutzt würden, die die Dolomiten lediglich im Rahmen eines Tagesausflugs besuchen.




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