Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Eine der Varianten für den geplanten Hörtenberg-Tunnel könnte weitreichende Folgen für den Stadtteil Bozner-Boden haben. Im Raum steht dabei auch der mögliche Abriss der denkmalgeschützten Pfarrkirche zum Hl. Josef.
Die geplante Umfahrung soll den Verkehr aus dem Sarntal und aus Jenesien aus dem Stadtgebiet von Bozen fernhalten. Doch eine der beiden derzeit diskutierten Varianten für den Tunnel-Ausgang könnte ausgerechnet die Kirche am Bozner Boden treffen.
Die beiden Projektvorschläge wurden kürzlich von den Technikern des Landes der Bozner Stadtregierung vorgestellt. Eine Variante würde den Stadtteil erheblich verändern und sieht laut dem vorliegenden Entwurf unter anderem den Abriss mehrerer Gebäude vor – darunter, zumindest theoretisch, auch die Kirche, berichtet die Zeitung Alto Adige.

Pfarrer Gioele Salvaterra versucht die Sorgen der Gläubigen zu zerstreuen. “Einige Pfarrmitglieder kamen alarmiert mit der Zeitung in der Hand in die Sakristei”, berichtet er. Er halte einen Abriss für äußerst unwahrscheinlich. Sicher könne man das derzeit allerdings nicht sagen.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Kirche steht seit einem Beschluss der Landesregierung aus dem Jahr 2013 unter Denkmalschutz. Der Schutz umfasst laut Salvaterra neben der Kirche auch das Pfarrzentrum, einen Versammlungsraum und die Bibliothek. “Für dieses Projekt müsste man die Genehmigung erhalten, ein geschütztes Bauwerk abzureißen”, gibt der Pfarrer zu bedenken.

Die Kirche wurde 1955 nach Plänen des Architekten Marcello Piacentini errichtet und 1961 geweiht. Der Bau orientiert sich an einer frühchristlichen Basilika und verfügt unter anderem über eine Kassettendecke aus Holz, ein Marmorportal und Kunstwerke von Idelbene Lisimberti, Claudio Trevi und Carlo Bonacina.
Für die Pfarrei hat das Gebäude zudem eine besondere Bedeutung für den Stadtteil. Der Bozner-Boden sei lange Zeit ein Viertel am Rand der Stadt gewesen, sagt Salvaterra. Die Pfarrei habe dabei eine wichtige Rolle als Mittelpunkt des Gemeinschaftslebens gespielt. Auch heute sei sie vor allem für die ältere Bevölkerung ein wichtiger Treffpunkt.
Ob die Kirche tatsächlich der geplanten Verkehrslösung weichen müsste, ist damit noch offen. Salvaterra hofft jedenfalls auf eine andere Variante: “Es wäre eine gute Idee, eine andere Lösung zu finden.” Mit Tunnelbau kenne er sich allerdings nicht aus.




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