Ermittelt wird wegen einer terroristischen Straftat

Niederösterreicherin bei Anschlag in Krakau getötet

Sonntag, 08. November 2026 | 14:35 Uhr

Von: importer

Bei dem Anschlag in Krakau mit sechs Toten ist eine Niederösterreicherin ums Leben gekommen. Das teilte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Sonntagnachmittag der APA mit. “Besonders nahe geht uns diese abscheuliche Tat, weil auch einer Niederösterreicherin das Leben genommen und ihr Ehemann verletzt wurde. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie und allen Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt mein tief empfundenes Mitgefühl”, sagte Mikl-Leitner.

Den Verletzten wünsche sie eine rasche und vollständige Genesung, betonte Mikl-Leitner: “Terror und Gewalt dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Gerade in diesen schweren Stunden müssen wir zusammenstehen. Denn Hass und Extremismus dürfen niemals stärker sein als unser Zusammenhalt.”

Zuvor hatte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) auf X (vormals Twitter) “mit großer Bestürzung” über das Schicksal des österreichischen Ehepaars informiert. “Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei ihrem Mann, ihrer Familie und allen Menschen, die ihr nahestanden. Ihnen gilt mein aufrichtiges Mitgefühl”, schrieb Meinl-Reisinger. Das Außenministerium stehe in engem Austausch mit den polnischen Behörden und setze “alles daran, die Angehörigen in dieser schwierigen Situation bestmöglich zu unterstützen.” Die Minister dankte den Kolleginnen und Kollegen des Generalkonsulats in Krakau und der österreichischen Botschaft in Warschau für ihren raschen und engagierten Einsatz vor Ort.

Stocker “tief schockiert”

“Tief schockiert” zeigte sich auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Er sprach auf X von einem “brutalen Terroranschlag” und ortete “einen feigen Überfall auf unschuldige Menschen”. Er sei “zutiefst erschüttert”, hielt Stocker fest: “Mein herzliches Mitgefühl und meine Gebete gelten der Familie sowie allen Opfern und ihren Angehörigen.” An den polnischen Regierungschef Donald Tusk gerichtet, hielt Stocker fest: “Wir stehen in fester Solidarität an der Seite des polnischen Volkes. Wir werden Hass und Gewalt niemals gestatten, uns einzuschüchtern oder Spaltung in unseren freien und pluralistischen Gesellschaften zu säen.”

Ein Sprecher des Außenministeriums wollte sich auf APA-Anfrage vorerst nicht zum Gesundheitszustand des verletzten Österreichers äußern: “Dazu gibt es im Hinblick auf die betroffene Familie keine Angaben.” Ob sich der Mann außer Lebensgefahr befindet, ist damit vorerst unklar.

Zweitägige Staatstrauer in Polen

Indes begann in Polen eine zweitägige Staatstrauer. Die Tat war nach Einschätzung der Behörden mutmaßlich rechtsextrem motiviert. Die Staatsanwaltschaft stufte die tödlichen Schüsse auf dem Marktplatz von Krakau als terroristische Straftat ein. Unter den zahlreichen Verletzten ist auch eine Person aus Österreich.

Ermittelt werde wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte, “wobei diese Tat einen terroristischen Charakter aufwies”, teilte die Staatsanwaltschaft des Landes auf der Plattform X mit. Die Ermittler sprachen nicht ausdrücklich von einem politischen Motiv.

Zugleich werde wegen der Tötung von drei weiteren Personen in der Stadt Ostrowiec Swietokrzyski ermittelt. “Das Beweismaterial deutet darauf hin, dass diese Taten von derselben Person begangen wurden”, hieß es. In der Stadt zwei Fahrtstunden nordöstlich von Krakau waren im Wohnhaus der Familie Vater, Mutter und Schwester des mutmaßlichen Todesschützen tot mit Schussverletzungen aufgefunden worden. Der polnische Innenminister, Marcin Kierwinski, teilte bereits am Samstag mit, der Täter sei angeschossen und festgenommen worden.

Wahllose Schüsse auf dem Marktplatz

Der 24-jährige Mann hatte am Samstag aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten auf dem Marktplatz der zweitgrößten Stadt Polens geschossen. Zu seinem Motiv gibt es keine Klarheit. Er soll nach ersten Erkenntnissen “sehr radikale Ansichten” vertreten haben, wie Polens Innenminister Marcin Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.

Auch Ministerpräsident Donald Tusk sprach angesichts der Schwere des Verbrechens von Terrorismus. “Bis jetzt hatten wir in Polen noch keinen so drastischen Fall von Terrorismus, denn so muss man diesen brutalen Angriff auf lebende Menschen in Krakau nennen”, sagte er in Krakau.

Ausländer unter den Opfern

Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Von den sechs Todesopfern stammten vier aus Polen, eins aus Großbritannien, eine Frau sei Ausländerin, teilte die Polizei PAP zufolge mit. Das Alter der Toten lag nach Angaben der Woiwodschaft Kleinpolen zwischen 32 und 61 Jahren.

Fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal, Österreich und Russland seien verletzt worden. Zudem wurden mehrere Droschkenkutscher schwer verletzt. “Viele unserer Kolleginnen und Kollegen sind zu Schaden gekommen. Zwei kämpfen um ihr Leben, mehrere haben schwere Verletzungen erlitten”, teilte die Vorsitzende des Vereins Krakauer Kutscher, Dorota Litwicka, mit. Mehrere Kutschpferde hätten oberflächliche Verletzungen davongetragen, meldete die Nachrichtenagentur PAP nach diesen Angaben.

Der Erzbischof von Krakau rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. “Wir wollen nicht, wir können nicht, wir sind nicht fähig, in einem solchen Augenblick gleichgültig zu sein”, teilte der römisch-katholische Geistliche Grzegorz Rys mit. Man müsse zusammenstehen, betonte der 62-Jährige. Seine Gedanken seien bei den Toten und Verletzten. Polen ist stark katholisch geprägt.

Erzbischof: Es hätte jeden treffen können

“Gewalt, Aggression und Hass haben uns auf eine Weise getroffen, die alle Grenzen überschreitet”, führte der Erzbischof aus. Die Kugeln des Angreifers hätten unschuldige, nichtsahnende Menschen getroffen. Jeder hätte zu diesem Zeitpunkt auf dem Großen Ring, dem Hauptmarktplatz von Krakau (Krakow), sein können. Rys rief die Gläubigen auf, ihren Widerstand auf christliche Weise gegen Hass und Gewalt zu bekunden.

Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum UNESCO-Welterbe.

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