Christa Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt

Stopp von Hinrichtung in Tennessee kommt vor Höchstgericht

Donnerstag, 01. Oktober 2026 | 00:46 Uhr

Von: importer

Nach dem kurzfristigen Stopp der ersten geplanten Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren in Tennessee soll sich das Oberste Gericht der USA mit dem Fall beschäftigen. Die für die Gefängnisse verantwortliche Behörde des Bundesstaates reichte beim Supreme Court einen Eilantrag ein, um die Aufhebung des von einem Berufungsgericht verfügten Hinrichtungsstopps zu erwirken. Die Antwort der zum Tode verurteilten Christa Pike folgte umgehend.

Die historische Hinrichtung war am Mittwoch kurz vor der Vollstreckung gestoppt worden. Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, entschied das Berufungsgericht. Zentraler Punkt dabei ist die gerichtliche Würdigung der Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitt. Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

Der Staat Tennessee konterte in seinem Eilantrag an das Oberste Gericht, die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte. Der Verteidigung Pikes wirft der Staat eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihn dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.

Streit um Bedeutung von Kindheitstrauma

Pike zufolge stellt die Anerkennung des Kindheitstraumas das Fundament des folgenden Gerichtsverfahrens infrage – und damit auch ihr Strafmaß. Ein Gnadengesuch an den Gouverneur war zuvor erfolglos geblieben, ebenso ein Antrag an das oberste Gericht in Tennessee. Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Die Täterin war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt.

1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI) ist Pike die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt, er erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

UNO-Experten forderten Stopp der Hinrichtung

Mehrere Kampagnen haben versucht, den geplanten Vollzug am 30. September aufzuhalten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betonte, dass Pike während ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt sowie Misshandlung und Vernachlässigung erlitten hatte. Auch Experten der Vereinten Nationen forderten einen Stopp der Hinrichtung.

“Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten”, zitierte die “New York Times” die verurteilte Pike. “Ich gehe diese Hinrichtung jeden Tag in meinem Herzen durch”, sagte sie in einer Audioaufnahme, die ihre Anwälte der Zeitung zur Verfügung stellten. Die Mutter der damals ermordeten 19-Jährigen sagte der “New York Times”, sie sei empört über die Aufmerksamkeit, die Pike im Vorfeld der Hinrichtung erhalte. “Niemand könnte mich jemals, jemals davon überzeugen, dass sie sich geändert hat”, zitierte die Zeitung die Frau. Selbst in Isolationshaft habe Pike Zugang zu Trost und Unterstützung gehabt, die ihrer Tochter verwehrt geblieben sei.

Hinrichtungen von Frauen sehr selten

Die Verurteilte ist nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des US-Bundesstaates eine Strafe verbüßt. Pike wäre laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet wird.

Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend der 50 Bundesstaaten zugelassen, allerdings wird sie vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt. Laut DPI wurden in den USA im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet. Hinrichtungen von Frauen sind dabei sehr selten. Seit 1976 wurden 18 Frauen hingerichtet – etwa ein Prozent aller 1.683 Vollstreckungen.

In den USA ist die Todesstrafe nicht einheitlich geregelt: 27 Bundesstaaten sehen sie vor, 23 haben sie abgeschafft – in vier der 27 Staaten gilt derzeit ein Vollstreckungsstopp. Auch die zugelassenen Hinrichtungsmethoden unterscheiden sich. Seit 1976 wurden laut DPI insgesamt 1.683 Menschen hingerichtet. 1.492 Hinrichtungen erfolgten durch Giftspritze, 163 auf dem elektrischen Stuhl und 19 durch Gas. Sechs Menschen wurden zudem durch ein Erschießungskommando getötet und drei durch Erhängen.

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