In Uttendorf trat der Tobersbach über die Ufer

Überflutungen nach schweren Unwettern im Bundesland Salzburg

Freitag, 07. August 2026 | 14:22 Uhr

Von: importer

Gewitter mit Starkregen und Murenabgängen haben am Donnerstagabend im Bundesland Salzburg die Feuerwehren gefordert. Am stärksten betroffen waren der Pinzgau und Pongau. In Uttendorf trat der Tobersbach über die Ufer, das Wasser schoss durch einen Teil der Ortschaft und verlegte Straßen. In Stuhlfelden wurden Bewohner in Sicherheit gebracht. Bisher haben 675 Einsatzkräfte von 32 Feuerwehren 98 Einsatzstellen bearbeitet, informierte am Freitag der Landesfeuerwehrverband.

Am Freitag wurden die Einsatz- und Aufräumarbeiten fortgesetzt. Verletzt wurde nach bisherigen Informationen niemand. Man sei vor allem mit über die Ufer getretenen Bächen und Becken konfrontiert gewesen, hieß es beim Landesfeuerwehrverband. Die Haupttätigkeiten der Einsatzkräfte umfassten vor allem das Auspumpen von überfluteten Kellern, Entfernen von umgestürzten Bäumen, Freimachen von Verkehrswegen, Beseitigung von Murenabgängen, Lösen von Verklausungen und die Bekämpfung eines Waldbrandes.

“An vorderster Stelle steht auch das Ausbaggern der Wildbachsperren”, informierte das Land Salzburg am Freitag in einer Aussendung. Wie groß das Ausmaß der Unwetterschäden ist, war vorerst noch nicht abschätzbar. Aufgrund der hohen Intensität und Trockenheit haben einzelne lokale Ereignisse “eine sehr verheerende Wirkung”, sagte in der Aussendung auch Barbara Staudinger vom Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg.

Nachdem in Stuhlfelden im Pinzgau der Pirtendorferbach über die Ufer getreten war, wurden aus Sicherheitsgründen mehrere Häuser evakuiert und rund ein Dutzend Bewohner vorübergehend bei Angehörigen oder Bekannten untergebracht. Fünf Brücken wurden zerstört und fünf Häuser beschädigt. Eine Behelfsbrücke wird errichtet. “Zu 13 Objekten ist derzeit keine Zufahrt möglich. Bei zwei Gebäuden sind die Keller mit Wasser und Schlamm komplett gefüllt”, schilderte Stefan Herbst, Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. Die Feuerwehr stehe mit einem Katastrophenzug mit mehr als 100 Leuten im Einsatz.

Tobersbach zog in Uttendorf Schneise der Verwüstung

In Uttendorf zog der Tobersbach eine Schneise der Verwüstung durch den gleichnamigen Ortsteil. “Die gute Nachricht ist, dass es keine Personenschäden gibt”, sagte Bürgermeister Hannes Lerchbaumer. Laut Aussendung des Landes wurde ein Haus am Rande betroffen, es wurden aber großflächig Flurschäden verzeichnet. Ohne die bestehenden Verbauungen wäre es in Uttendorf zu einer Katastrophe gekommen, erklärte Gebhard Neumayr von der Wildbach- und Lawinenverbauung. Beim Tobersbach wird nun ein zeitgemäßer Hochwasserschutz errichtet.

Im Gasteinertal kam es durch die Gewitter zu zwei Murenabgängen in Dorfgastein und in Bad Gastein. Im Kötschachtal in Bad Gastein wurden durch einen Murenabgang Brücken weggerissen und die Forststraße zum Teil verlegt. Wanderer, die sich in der bewirtschafteten Hütte “Alpenhaus Prossau” aufhielten und seit dem Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten waren, wurden noch am Donnerstagabend von einem Polizeihubschrauber ausgeflogen.

Pongau “mit blauem Auge davongekommen”

Katastrophenschutzreferent Michael Rachensperger von der Bezirkshauptmannschaft St. Johann berichtete am Freitag, dass jene betroffenen Personen, die noch im Gasteiner Kötschachtal eingeschlossen waren, in der Früh mithilfe des Polizeihubschraubers ausgeflogen worden sind. Die Straße ins Kötschachtal sei seit Donnerstagabend zu weiten Teilen unpassierbar. Insgesamt sei man im Pongau mit einem blauen Auge davongekommen, sagte Rachensperger. “Die Wildbachsperren haben ihren Zweck erfüllt, aber mehr hätte es nicht gebraucht.” Schweres Gerät sei im Einsatz, um den Schutzzweck der Bauten wieder herzustellen und die Infrastruktur wie Wasserleitung, Stromleitung und Kanal zu sichern.

Die Ursache der Mure im Kötschachtal sei eine eindeutige Auswirkung des Klimawandels, erklärte Landesgeologe Gerald Valentin. Beim Tischlerkar-Kees habe es ursprünglich einen Gletscher gegeben, der die Niederschläge ähnlich einem Schwamm zurückgehalten hat. “Das Eis ist in den vergangenen 20 Jahren jedoch bis auf einen kleinen Rest abgeschmolzen. Übrig geblieben sind polierte Felsoberflächen, die kein Wasser mehr aufnehmen können.” Der Niederschlag rinnt jetzt eins zu eins ins Tal ab und nimmt dabei Geröll und Schutt mit. “Ich fürchte, dass uns dieser Bereich auch in der Zukunft Probleme bereiten wird. Die vorhandenen Schutzverbauungen haben gestern ein Unglück verhindert. Ohne diese wären die Folgen der Mure katastrophal gewesen und hätten bis in den Bad Gasteiner Ortsteil Remsach gereicht.”

Kleiner Waldbrand im Lungau rasch gelöscht

In Thomatal im Lungau wurde die Landesstraße im Schilchergraben und Pichlgraben nach Murenabgängen verlegt. In Göriach musste die Feuerwehr zu einem Waldbrand ausrücken, der vermutlich durch einen Blitzschlag ausgelöst worden war. “Brand aus” konnte um 22.30 Uhr gegeben werden. Die Feuerwehr wird im Laufe des Freitags noch den Brandbereich kontrollieren, um sicherzustellen, dass sich nicht erneut ein Feuer entfacht hat.

Am Donnerstagabend zogen die Unwetter über die Stadt Salzburg und den nördlichen Flachgau. In der Stadt Salzburg wurden 13 Einsätze, im Flachgau 14 Einsätze registriert.

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