Archivbild vom Inneren des Tunnels nach der Katastrophe

Vor 25 Jahren wurde Schweizer Gotthardtunnel zur Todesfalle

Samstag, 24. Oktober 2026 | 10:16 Uhr

Von: importer

Heute vor 25 Jahren hat im Gotthardtunnel in der Schweiz die Kollision zweier Lastwagen in einem Brandinferno geendet. Elf Menschen erstickten oder verbrannten. Es war die vierte Tunnelbrandkatastrophe in den Alpen binnen weniger Jahre. Darauf wurde in die Sicherheit der Tunnel investiert.

Am 24. Oktober 2001 fuhr kurz nach 9.30 Uhr ein von Italien kommender belgischer Lastwagen in den 17 Kilometer langen Gotthardstraßentunnel. Am Steuer saß ein Türke, der in Belgien mit einem Touristenvisum arbeitete. Er hatte Alkohol getrunken. Der Chauffeur hatte Mühe, den Lkw auf Kurs zu halten. Einen Kilometer nach der Einfahrt touchierte er die Tunnelwand und geriet auf die Gegenfahrbahn.

Seitliche Kollision führte blitzschnell zur Katastrophe

Ein entgegenkommender italienischer Chauffeur bremste seinen Lastwagen ab und wich aus. Er verhinderte so eine Frontalkollision, die Fahrzeuge prallten aber seitlich aufeinander. Der türkische Lenker war zum Zeitpunkt des Crashs noch mit 40 km/h unterwegs, der italienische mit zehn km/h.

Die Kollision entwickelte sich blitzschnell zur Brandkatastrophe: Ein Treibstofftank barst, Diesel floss auf die Fahrbahn, ein Kurzschluss bei einem Kabel entzündete das Diesel-Luft-Gemisch. Bald brannten die Lastwagen und deren Ladungen, unter anderem hunderte Autoreifen.

Schutzräume im Rauch unerreichbar

Rauch breitete sich aus, bald konnte man die Hand nicht mehr vor seinen Augen sehen. Der Tunnel erhitzte sich auf bis zu 1.200 Grad. Nicht alle Autoinsassen konnten in die Schutzräume flüchten. Zehn Menschen erstickten, ein elftes Opfer verbrannte.

Unter den Toten war auch der Unfallverursacher – sein Leichnam wurde 300 Meter von seinem Lkw entfernt aufgefunden. Der italienische Chauffeur überlebte und wurde später ausgezeichnet, weil er zahlreichen Menschen das Leben gerettet hatte.

Das Feuer beschädigte die Infrastruktur. Die Tunneldecke stürzte unter der Hitze teilweise ein. Wegen der Reparaturarbeiten war die Verbindung zwischen Airolo und Göschenen rund zwei Monate gesperrt.

Katastrophen führten zu höheren Sicherheitsstandards

Kurz vor dem Brand hatten sich noch andere Katastrophen in Tunneln ereignet. 1999 starben im Mont-Blanc-Tunnel in Frankreich und im Tauerntunnel, der Salzburg mit Kärnten verbindet, insgesamt 51 Menschen, nachdem Lastwagen in Brand geraten waren. Im Jahr 2000 kamen bei einem Feuer in einem Tunnel der Standseilbahn im Salzburger Kaprun 150 Menschen ums Leben. Die Brandserie in den Alpen führte dazu, dass die Sicherheitsstandards für Tunnel erhöht wurden.

Der Gotthardtunnel erhielt neben einer neuen Lüftung und neuem Verkehrsregime unter anderem auch eine bessere Beleuchtung und Beschilderung. Um zu verhindern, dass gefährliche Laster durch den Tunnel fahren, wurden in Uri und im Tessin Schwerverkehrskontrollzentren und Thermoportale, die überhitzte Lkw erkennen, in Betrieb genommen. In Zukunft soll die Autofahrt durch den Gotthardtunnel noch sicherer werden. Derzeit wird eine zweite Röhre gebaut, danach wird die erste saniert. Ab 2033 soll der Straßenverkehr dann nicht mehr im Gegenverkehr durch den Gotthardtunnel rollen.

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