NGO sieht Lösung im naturverträglichem Systemwechsel

WWF Living Planet Report ortet schrumpfende Wildtierbestände

Donnerstag, 08. Oktober 2026 | 05:01 Uhr

Von: importer

Der Schrumpfprozess der weltweit erfassten Wildtierpopulationen seit 1970 hält an, der Rückgang lag seither im Durchschnitt bei 73 Prozent. Das geht aus dem neuen Living Planet Report des WWF hervor, der sich auf einen Index der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) beruft, bei dem 35.803 Bestandsentwicklungen von 5.790 Wirbeltierarten ausgewertet wurden. Dieselben Systeme, die das Wirtschaftswachstum vorantreiben, würden demnach den Verlust der Natur beschleunigen.

Drei Systeme seien für den Rückgang verantwortlich: Genannt wurden das Ernährungssystem, das insbesondere den Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen sowie die Übernutzung natürlicher Ressourcen fördere und zugleich erhebliche Treibhausgasemissionen verursache. Das Energiesystem heize mit der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas die Klimakrise an – und das Finanzsystem wirke als dritter, zerstörerischer Faktor.

Die Entscheidungen darüber, welche Branchen Investitionen erhalten und welche nicht, bestimmen wiederum, welche Aktivitäten wachsen oder schrumpfen. Laut WWF flossen im Jahr 2023 rund 7,3 Billionen US-Dollar in Aktivitäten, die der Natur schaden, während nur 220 Milliarden US-Dollar in solche flossen, die sie schützen oder wiederherstellen. “Wir finanzieren die Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen. Politik, Banken und Investoren müssen diese Geldflüsse umlenken und den Schutz der Natur zur Bedingung für Finanzierungen machen”, forderte Artenschutz-Experte Georg Scattolin vom WWF Österreich in einer Aussendung am Donnerstag.

Rund die Hälfte der Bestände im Abwärtstrend

Der weltweite Abwärtstrend betrifft nicht alle erfassten Tierbestände, denn rund die Hälfte der im Living Planet Index erfassten Populationen ist stabil oder wächst. Erfolge bei Grünen Meeresschildkröten, Blauflossen-Thunfischen, Tigern und einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika zeigen im WWF-Bericht, der die Entwicklung von 1970 bis 2022 betrachtet, dass gezielte Schutzmaßnahmen eine Erholung ermöglichen können.

So wachse der Tigerbestand etwa durch neue Schutzgebiete, und die Zahl der wildlebenden Tiger sei seit 2010 weltweit von 3.200 auf rund 5.700 gestiegen – ein Zuwachs von mehr als 70 Prozent. “Entscheidend war die langfristige Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der Bevölkerung vor Ort”, stellte der WWF dazu fest. Fangbeschränkungen ermöglichten indes die Erholung von Thunfischen. “Verbindliche Regeln wirken, wenn sie konsequent durchgesetzt werden”, sagte Scattolin dazu.

Schutzprojekte allein keine Lösung

Als weiteres positives Beispiel wurde die Grüne Meeresschildkröte genannt, die auf der weltweiten Roten Liste von “stark gefährdet” auf “nicht gefährdet” herabgestuft werden konnte. Dahinter stehen laut WWF rund 50 Jahre koordinierter Schutzarbeit in etwa 80 Ländern mit Nistvorkommen. Mitentscheidend für den Erfolg waren Maßnahmen an Niststränden, der Schutz von Eiern und die Verringerung des Beifangs in der Fischerei. Und im südlichen Afrika wachsen laut den Angaben einzelne Bestände des Afrikanischen Savannenelefanten – auch dank Schutzprogrammen, die lokale Gemeinschaften einbinden und ihnen Vorteile bringen würden.

Schutzprojekte allein können den weltweiten Abwärtstrend laut dem Report jedoch nicht umkehren, hielt der WWF fest. Dafür müssten eben Lebensmittelproduktion, Energieversorgung und Finanzströme naturverträglich gestaltet werden. Der Bericht zeige, wie sich Veränderungen in diesen Bereichen selbst verstärken könnten, denn wenn bestimmte Schwellen überschritten würden, könne der Wandel schneller und günstiger werden.

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