Von: Lukas Unterkofler
Molveno/Bondone – Nach Zwischenfällen in Molveno und am Bondone rückt die Einsatzgruppe des Trentiner Forstkorps in den Fokus. Während die Spezialkräfte nicht immer ausrücken, fehlt anderen Rettungskräften weiterhin ein wirksames Mittel zur Selbstverteidigung.
Die Begegnungen mit Bären stellen Einsatzkräfte im Trentino immer wieder vor Herausforderungen. Zwei jüngste Fälle haben dabei Fragen zur Arbeit der sogenannten Bären-Notfallgruppe des Forstkorps aufgeworfen. Während in Molveno zwei Jäger von einem Bären überrascht wurden, sorgte ein Sucheinsatz am Monte Bondone für Diskussionen über die Alarmierung und die Wartezeiten der Spezialeinheit. Gleichzeitig ist die geplante Ausstattung von Freiwilliger Feuerwehr und Bergrettung mit Bärenspray noch immer nicht umgesetzt.
Wann rückt die Bären-Notfallgruppe aus?
Die Spezialeinheit des Trentiner Forstkorps besteht normalerweise aus einem Koordinator und zwei bewaffneten Einsatzkräften. Insgesamt gibt es sieben solcher Teams. Sie sind jedes Jahr vom 1. März bis zum 30. November rund um die Uhr einsatzbereit. Bei besonderen Umständen können sie auch außerhalb dieses Zeitraums aktiviert werden.
Die Alarmierung erfolgt über die Notrufnummer 112. Die Meldungen werden an den diensthabenden Koordinator des Forstkorps weitergeleitet, der über das weitere Vorgehen entscheidet. Je nach Gefahrenlage werden Forstpersonal, die Notfallgruppe und gegebenenfalls auch die Hundeführerstaffel hinzugezogen. Letztere verfügt über sechs speziell ausgebildete Hunde, die unter anderem dazu dienen, problematische Bären zu vertreiben und auf Distanz zu halten.
Dass die Spezialkräfte nicht bei jedem Bärenkontakt ausrücken, zeigte sich am 2. November in Molveno. Dort hatten sich zwei Jäger auf ihren Hochständen vor einem Bären in Sicherheit gebracht, der sich zwischen den beiden Positionen bewegte. Die Freiwillige Feuerwehr von Molveno konnte das Tier schließlich mit Hupen und Sirenen vertreiben. Da der Bär laut Landesverwaltung kein aggressives Verhalten zeigte und die Situation unter Kontrolle gebracht werden konnte, wurde die Notfallgruppe nicht aktiviert.
Diskussion um Sucheinsatz am Bondone
Anders verlief ein Sucheinsatz am 30. September am Monte Bondone. Ein 76-jähriger Pilzsammler war nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Suche wurde am Abend gestartet, musste laut einer Anfrage des Trentiner Landtagsabgeordneten Claudio Cia (Forza Italia) jedoch zeitweise unterbrochen werden, weil die Bären-Notfallgruppe noch nicht eingetroffen war. Sie sei gegen 19.00 Uhr angefordert worden und erst gegen Mitternacht angekommen.
Der Vermisste wurde am nächsten Morgen oberhalb von Lagolo lebend gefunden. Er hatte mehrere Verletzungen erlitten und wurde mit dem Rettungshubschrauber geborgen. Cia fordert von der Landesregierung nun eine genaue Aufarbeitung der Einsatzabläufe und der Alarmierungszeiten.
Bärenspray für freiwillige Helfer noch nicht verfügbar
Ein weiteres Problem betrifft die Sicherheit jener Einsatzkräfte, die häufig als Erste in den Wäldern unterwegs sind: Freiwillige Feuerwehrleute, Bergretter und andere Helfer verfügen bislang nicht über Bärenspray.
Seit dem Tod von Andrea Papi im April 2023 darf das Abwehrspray im Trentino vom Forstkorps zur Selbstverteidigung eingesetzt werden. Eine Ausweitung auf weitere Einsatzorganisationen wurde mit dem staatlichen Berggesetz im September 2025 ermöglicht. Auch Freiwillige Feuerwehren, Berg- und Höhlenrettung sowie weitere Organisationen des Zivilschutzes können demnach unter bestimmten Voraussetzungen damit ausgestattet werden.
In der Praxis ist die Neuerung allerdings noch nicht angekommen. Zwar hat das Trentino die gesetzlichen Voraussetzungen im Dezember 2025 in die Landesgesetzgebung übernommen, doch fehlen weiterhin mehrere Schritte. Dazu gehören eine Vereinbarung mit dem nationalen Zivilschutz, entsprechende Durchführungsbestimmungen der Landesregierung und der einzelnen Organisationen sowie verpflichtende Schulungen. Zudem müssen die rechtlichen Voraussetzungen für das Tragen des Sprays erfüllt sein.
Damit bleibt das Abwehrmittel vorerst dem Forstkorps vorbehalten. Für die übrigen Rettungskräfte bedeutet das, dass sie bei einem möglichen Bärenkontakt weiterhin ohne diese zusätzliche Schutzmöglichkeit auskommen müssen.




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