Appell: „Tage werden kürzer: Touren besser planen!”

Belluneser Dolomiten: Flut von Rettungseinsätzen an den großen Wänden

Dienstag, 08. September 2026 | 08:09 Uhr

Von: Martin Geier

Pieve di Cadore/Belluno – Die noch sommerlichen Temperaturen Anfang September locken zahlreiche Bergsteiger an die bekanntesten Wände der Belluneser Dolomiten. Dies führte jedoch zu einer Häufung von Einsätzen für die Bergrettung – auch nachts. Das gesamte Wochenende über waren die Einsatzkräfte der verschiedenen Bergrettungen Venetiens nahezu ununterbrochen gefordert, um eine Welle von Notfällen an den großen Wänden zu bewältigen. An den Drei Zinnen, der Tofana und der Civetta gerieten gleich mehrere Seilschaften in Bedrängnis. Einige der Rettungseinsätze gestalteten sich äußerst komplex. In einem Fall musste sogar Verstärkung aus dem Trentino angefordert werden.

Wie die Bergretter betonen, sollten sich einheimische wie ausländische Bergsteiger keinesfalls vom schönen Wetter täuschen lassen und ihre Touren sorgfältig planen. Die Tage sind Anfang September bereits spürbar kürzer als im Hochsommer und in höheren Lagen kühlt es abends rasch ab. Dies sind zwei entscheidende Risikofaktoren auf langen Routen. Hier können ungeplante Verzögerungen, eine falsche Routenwahl oder ein unvorhergesehenes Ereignis einen normalen Bergsteigertag blitzschnell in einen Notfall verwandeln.

Daher der Appell der Bergretter: „Die Tage werden kürzer, daher sollten Touren besser geplant werden!”

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Veneto – CNSAS

Der jüngste Einsatz begann am Samstagabend gegen 19.00 Uhr, als die Notrufleitstelle des Suem fast zeitgleich wegen zweier in Not geratener Seilschaften an der Großen Zinne alarmiert wurde. Zwei Bergsteiger saßen auf dem 2.999 Meter hohen Gipfel fest, nachdem sie beim Aufstieg wertvolle Zeit verloren hatten. Da sie sich den Abstieg über den Normalweg in der Dunkelheit nicht zutrauten und für die rapide sinkenden Temperaturen nicht ausreichend ausgerüstet waren, setzten sie einen Notruf ab. Eine zweite Seilschaft befand sich derweil in einer misslichen Lage: Sie hatten sich in einer Höhe von etwa 2.700 Metern auf einem Felsvorsprung verstiegen, nachdem sie von der Normalroute abgekommen waren.

Dank der übermittelten Koordinaten gelang es dem Rettungshubschrauber des Suem aus Pieve di Cadore, die beiden weiter unten blockierten Kletterer – zwei Österreicher im Alter von 44 und 52 Jahren – rasch zu lokalisieren. Ein Windenrettungsspezialist barg sie mit einer kurzen Winde, woraufhin sie zur Lavaredo-Hütte ausgeflogen wurden.

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Der Anflug auf den Gipfel musste jedoch abgebrochen werden, damit der Hubschrauber die Auronzo-Hütte noch vor Einbruch der Nacht und dem Ende der zulässigen Flugzeit erreichen konnte. In der Zwischenzeit bereitete sich die Bergrettung Auronzo auf einen Bodeneinsatz vor. Da der nachtflugtaugliche Hubschrauber aus Treviso in einem anderen Einsatz gebunden war und die beiden auf dem Gipfel verbliebenen jungen Männer über zunehmende Kälte klagten, sprang schließlich der Rettungshubschrauber aus Trient ein.

Das Trentiner Bergrettungsteam erreichte den Gipfel der Großen Zinne, barg die beiden 23 und 24 Jahre alten italienischen Bergsteiger aus Viterbo und Maniago und flog sie zum Stützpunkt. Gegen 23.15 Uhr konnten sie schlussendlich der Bergrettung übergeben werden.

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Unterdessen wurde der Rettungshubschrauber des Suem aus Pieve di Cadore am Samstag an die Nordwestwand der Civetta gerufen. In der fünften Seillänge der Route „Capitan Sky – Hook” war ein 55-jähriger Kletterer aus Montecchio Maggiore in der Provinz Vicenza ins Seil gestürzt und heftig mit einem Fuß gegen den Fels geprallt.

Nachdem an der Tissi-Hütte ein Zwischenlager eingerichtet worden war, barg die Rettungscrew den Verletzten und seinen Seilpartner in zwei Anflügen mit einer 50-Meter-Winde. Anschließend wurde der Verunglückte zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus nach Agordo geflogen.

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Auch am Freitag hatten die Rettungskräfte an der Tofana di Rozes alle Hände voll zu tun. Am Nachmittag gegen 17.20 Uhr ging bei der Notrufleitstelle 118 ein Notruf ein: Ein Schweizer Kletterpaar um die 30 hatte sich in der „Eötvös-Dimai“-Route verstiegen. An der Stelle, an der die Route nach links in die ausgesetzten Schlussseillängen abzweigt, waren die beiden geradeaus weitergeklettert und in einen überhängenden Wandteil geraten.

Laut ihren Angaben befanden sie sich etwa 200 Meter oberhalb des sogenannten zweiten Amphitheaters auf knapp 3.000 Metern Höhe. Der Suem-Rettungshubschrauber aus Pieve di Cadore lokalisierte die Alpinisten bei einem Suchflug. Nachdem das medizinische Team und überschüssige Ausrüstung an der Dibona-Hütte abgesetzt worden waren, flog der Rettungshubschrauber zurück in die Wand. Über eine 90-Meter-Winde nahm der Flugretter die beiden unverletzten Bergsteiger nacheinander auf und flog sie sicher zur Dibona-Hütte.

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Nur wenige Stunden zuvor hatte sich an der Tofana di Rozes bereits ein weitaus schwererer Unfall ereignet. Kurz nach Freitagmittag schlug ein Bergführer Alarm, nachdem es am Erstpfeiler der Route „Spigolo Zero“ zu einem Absturz gekommen war. Gleichzeitig meldete ein Bergwanderer auf dem darunterliegenden Geröllfeld Hilferufe aus der Wand.

Der Vorsteiger, ein 68-jähriger Kletterer aus Occhieppo Inferiore im Piemont, war rund 20 Meter tief gestürzt und ungebremst auf die Felswand aufgeschlagen. Sein Helm zerbrach bei dem Aufprall und der Mann hing anschließend bewusstlos und kopfüber im Seil. Glücklicherweise konnte ein rasch herbeigeeilter Bergführer den Verunglückten erreichen und wieder aufrichten.

Der umgehend ausgerückte Rettungshubschrauber „Falco 1“ des Suem setzte den Flugretter an der Wand ab, der dort einen Standplatz errichtete. Anschließend wurde der Notarzt zum Verletzten abgeseilt. Nach der medizinischen Erstversorgung und Stabilisierung vor Ort holte das Rettungsteam den 68-Jährigen mit einer 60-Meter-Winde aus der Wand. Seine Seilpartnerin wurde kurz darauf ebenfalls per Winde gerettet. Der Schwerverletzte wurde mit Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma direkt ins Krankenhaus nach Treviso geflogen.

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Viele dieser Rettungseinsätze ähneln anderen Vorfällen dieses Sommers: Hinter nicht wenigen Notrufen von Bergsteigern stecken dieselben Ursachen – mangelhafte Zeit- und Routenplanung, unzureichende Ausrüstung (vor allem beim Schuhwerk und der Kleidung) sowie eine Überschätzung der eigenen Kräfte, gepaart mit fehlender Erfahrung und Vorbereitung. Da Appelle allein nicht zu fruchten scheinen, denkt die Regionalregierung darüber nach, die bestehenden Gesetze weiter zu verschärfen. Tatsächlich unterliegen Bergrettung und Hubschraubereinsätze in Venetien bereits jetzt strengen regionalen Vorgaben. Der Sanitätsdienst übernimmt die Kosten nur dann, wenn ein echter medizinischer Notfall vorliegt, der eine Krankenhausaufnahme oder diagnostische Untersuchungen erfordert. Rückt die Rettung hingegen grundlos aus oder bleibt die geborgene Person unverletzt, werden teils sehr hohe Gebühren fällig.

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