Von: Lukas Unterkofler
Bardolino/Torri del Benaco – Der Gardasee zaubert einen neuen Urlaubsmonat aus dem Hut. Immer mehr Gäste nutzen nämlich den Oktober für einen Aufenthalt am beliebten “Lago”. Zwischen Weinverkostungen, Radtouren und Ausflügen bietet der Oktober tatsächlich so Einiges. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage teilweise bereits mit jener im August vergleichbar. Davon profitieren Hotels, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe.
Die Zahlen des Tourismusobservatoriums Venetien bestätigen den Trend: Während die Ankünfte im September zwischen 2023 und 2025 weitgehend stabil blieben, stiegen sie im Oktober kontinuierlich an. Von 217.105 Ankünften im Jahr 2023 erhöhte sich die Zahl auf 235.199 im Jahr 2024 und schließlich auf 253.864 im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs von rund 17 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Mildere Temperaturen, günstigere Preise und Herbstveranstaltungen machen die Nebensaison für viele Gäste offenbar attraktiver.
Besonders starke Zuwächse in mehreren Orten
Deutlich zugelegt hat die Nachfrage unter anderem in Castelnuovo del Garda mit einem Plus von 47 Prozent zwischen 2023 und 2025. In Torri del Benaco betrug der Zuwachs 31 Prozent, in Bardolino 25 Prozent, in Garda 17 Prozent, in Peschiera 14 Prozent und in Malcesine elf Prozent.
Auch die ersten Daten für 2026 deuten auf eine anhaltend gute Nachfrage außerhalb der Sommermonate hin. Während die Auslastung der Beherbergungsbetriebe im August durchschnittlich 84,8 Prozent erreichte, waren es zwischen dem 30. September und dem 4. Oktober, während des Traubenfestes in Bardolino, bereits 73,1 Prozent. Das waren 2,4 Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum 2025.
Weinverkostungen statt Strandurlaub
Mit der Jahreszeit verändert sich aber auch das Publikum. Im Oktober kommen häufiger ältere Urlauber, während Familien wegen des Schulbetriebs seltener vertreten sind. Gefragt sind neben Camping- und Wohnmobilurlauben vor allem sportliche Aktivitäten wie Mountainbiken und Ausflüge ins Hinterland. Auch Wein- und Ölverkostungen, regionale Feste sowie Bootsfahrten nach Sirmione und Limone stehen hoch im Kurs.
Zu den wichtigen Faktoren zählen laut Ivan De Beni, Präsident von “Federalberghi Garda Veneto”, die milderen Herbsttemperaturen, günstigere Übernachtungspreise und das wachsende Angebot rund um Halloween. Auch die Herbstferien in einzelnen Herkunftsländern spielen eine Rolle. Anfang Oktober sorgten etwa die Schulferien in Bayern für eine erhöhte Nachfrage im Freizeitpark Gardaland am Südostufer.
Deutschland bleibt dabei der wichtigste Herkunftsmarkt. Britische Gäste bleiben im Schnitt mehr als sechs Nächte, deutsche Urlauber länger als fünf. Italienische Gäste kommen dagegen häufig nur für ein verlängertes Wochenende und bleiben durchschnittlich rund zweieinhalb Nächte.
Warnung vor zu viel Ehrgeiz
“Wir haben einen Reisemonat dazugewonnen“, schwärmt De Beni. Früher hätten viele Betriebe bereits Ende September oder Anfang Oktober geschlossen. Den positiven Trend gelte es allerdings mit Augenmaß zu fördern. Der Oktober solle ein attraktiver Reisemonat bleiben, ohne das Angebot übermäßig auszuweiten.
Auch Paolo Artelio, Präsident der Destination Verona & Garda Foundation, sieht die Entwicklung als Ergebnis einer gemeinsamen Strategie. Ziel sei es, neue Herkunftsmärkte zu erschließen und den Gardasee über die klassischen Sommermonate hinaus als Urlaubsziel zu etablieren. Ein dichterer Veranstaltungskalender soll dafür zusätzliche Anreize schaffen.




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