Von: Lukas Unterkofler
Marmolata – Der Gletscher der Marmolata zieht sich weiter dramatisch zurück.
Allein im Sommer 2026 ist er im Durchschnitt um 23 Meter zurückgewichen – dreimal so stark wie im Vorjahr.
Gleichzeitig verlor die Eisfläche innerhalb eines Jahres neun Hektar und schrumpfte von 92 auf 83 Hektar.
Eine derart starke Abnahme wurde bislang nur einmal dokumentiert: im Sommer 2022, dem Jahr des verheerenden Gletscherabbruchs an der Marmolata.
Die aktuellen Zahlen stammen aus der mittlerweile achten Ausgabe der „Campagna Glaciologica Partecipata“, die vom Geografischen Museum der Universität Padua durchgeführt wird. Beteiligt sind unter anderem die regionale Umweltagentur Venetien (Arpav), die Italienische Glaziologische Stiftung sowie zahlreiche Freiwillige.
Gletscher könnte nur noch zehn Jahre haben
Für den wissenschaftlichen Leiter der Kampagne, Mauro Varotto von der Universität Padua, sind die neuen Daten ein weiterer Beleg für die zunehmende Beschleunigung des Gletscherschwunds. „Die Daten verschärfen den bereits seit Jahrzehnten sichtbaren Trend“, erklärt Varotto.

Sollten sich Sommer wie jener 2026 wiederholen, könnte der Marmolata-Gletscher nach Einschätzung des Forschers nur noch rund zehn Jahre bestehen.
Besonders dramatisch ist die Entwicklung an der Westfront des Gletschers. Dort hat sich die Eisfront innerhalb von nur zwei Jahren um 120 Meter zurückgezogen. Sie liegt inzwischen auf einer Höhe von mehr als 2.900 Metern.
Wärmster Sommer seit mindestens 1991
Eine wichtige Rolle spielte dabei der außergewöhnlich warme Sommer. Laut Gianni Marigo von Arpav war es auf den Dolomiten der wärmste Sommer seit Beginn der entsprechenden Messreihe im Jahr 1991.
Selbst in den höchsten Lagen fiel kein Schnee. Gleichzeitig setzte sich der Abbau des Permafrosts fort. Auf der Messstation am Piz Boè, dem höchsten Gipfel der Sellagruppe, wurde laut Arpav in keiner Tiefe mehr gefrorener Boden festgestellt.
Die Entwicklung an der Marmolata zeigt damit besonders deutlich, wie stark sich die Erwärmung inzwischen auch auf die hochalpinen Regionen der Dolomiten auswirkt.




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