Von: Sophia Molitor
Pontboset – Mitten in den italienischen Alpen liegt ein Ort, an dem wilde Natur und jahrhundertealte Kultur aufeinandertreffen. Pontboset im Aostatal wirkt mit seinen tiefen Schluchten, tosenden Bächen, Wasserfällen und historischen Steinbrücken stellenweise wie eine Filmkulisse aus „Der Herr der Ringe“ oder wie ein Märchen der “Brüder Grimm.” Gleichzeitig vermittelt die Gegend einen Einblick in eine Zeit, in der die Bergbewohner weitgehend von der Landwirtschaft und den natürlichen Ressourcen des Tals lebten.
Steile Berghänge, dichte Wälder und drei Wildbäche verleihen der Landschaft rund um Pontboset etwas mystisches. Die einzelnen Siedlungen sind seit Jahrhunderten durch charakteristische Steinbrücken miteinander verbunden. Viele der noch erhaltenen Brücken stammen aus dem 17. Jahrhundert und führen direkt über die Wasserläufe.

Die kleine Gemeinde liegt auf rund 780 Metern Höhe, etwa 80 Kilometer von Turin und 53 Kilometer von Aosta entfernt. Mit weniger als 200 Einwohnern gehört Pontboset zu den dünn besiedelten Gemeinden des Aostatals. Gerade die Abgeschiedenheit hat dazu beigetragen, dass sich zahlreiche Spuren der historischen Siedlungs- und Lebensweise bis heute erhalten haben.
Zwischen den Wäldern finden sich zahlreiche historische Steinhäuser, Scheunen und Heuschober. Auch ehemalige Roggenfelder und die terrassierten Hänge erinnern an die bäuerliche Vergangenheit der Region. Besonders eindrucksvoll ist das verlassene Dorf “Barmelle”, das hoch über dem Tal an den Hängen der Tête du Mont liegt. Die Siedlung erzählt noch heute vom Leben der Bergbauern und davon, wie die Menschen das karge Gelände über Generationen bewirtschafteten.

Als Hanf noch Wirtschaftsgut war
Auch abseits der Schluchten und Wälder bietet die Umgebung eindrucksvolle Ausblicke. Von der Wallfahrtskirche von Retempio, die nach rund zwei Stunden Fußweg erreicht wird, eröffnet sich ein weiter Blick auf einige der bekanntesten Gipfel der Alpen, darunter Monte Rosa und Matterhorn.
Rund um Pontboset gibt es zudem viel Natur zu entdecken. Das nahe gelegene Champorcher gehört zum Regionalpark Mont Avic und liegt am Übergang zum Gebiet des Nationalparks Gran Paradiso.
Eine weitere Besonderheit der Region ist die traditionelle Verarbeitung von Hanf. Im Ortsteil Chardonney erinnert das Museum „Ecomuseo della Canapa” an eine Handwerkstradition, die über Generationen zum Alltag der Bevölkerung gehörte. Der Hanf wurde gesponnen und anschließend zu Stoffen und verschiedenen Textilien verarbeitet. Die daraus entstandenen Produkte waren Teil des bäuerlichen Lebens und spielten auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle im Tal.
Pontboset vereint auf kleinem Raum, was die abgelegenen Alpentäler so besonders macht: Das Zusammenspiel aus wilder Landschaft und den Spuren vergangener Generationen.




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