Bosnien-Mission: Vier italienische Soldaten kehren tot zurück

Soldaten sterben noch für einen Krieg der 90-er Jahre

Dienstag, 03. November 2026 | 07:04 Uhr

Von: Sophia Molitor

Rom – Vier italienische Soldaten sind bei dem Absturz eines italienischen Militärhubschraubers in Bosnien und Herzegowina am 29. Oktober verstorben. Die Einsatzkräfte sind gestern nach Rom überführt worden, wo Präsident Sergio Mattarella, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Verteidigungsminister Guido Crosetto und Außenminister Antonio Tajani die Särge auf dem Flughafen Ciampino in Rom empfingen. Auch zahlreiche Angehörige waren vor Ort. Die Staatsbegräbnisse finden heute in Rom statt.

Bei den Toten handelt es sich um die Heeresangehörigen Simone Ruggia und Claudio Marchesi sowie um Franco Adriano Zecchillo und Laura Procacci vom Freiwilligen Militärkorps des Italienischen Roten Kreuzes. Elf weitere Personen wurden bei dem Unglück verletzt. Der Unfall ereignete sich am Donnerstag, dem 29. Oktober, nahe Brčko im Norden Bosniens, als sich der Hubschrauber während eines Fluges im Rahmen der EU-Mission EUFOR Althea im Einsatz befand. Ein Video zeigt wie der Hubschrauber plötzlich begann sich ungewöhnlich um die eigene Achse zu drehen und dann auf einem freien Feld aufschlug.

Nach bisherigen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise auf einen Angriff oder eine terroristische Handlung. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf einen möglichen technischen Defekt oder menschliches Versagen. Für die Klärung sollen unter anderem die Wrackteile und die Flugschreiberdaten ausgewertet werden. Eine abschließende Ursache steht bislang nicht fest.

Opfer für ein Abkommen von 1995

Die Mission in Bosnien und Herzegowina besteht seit 2004 und löste damals die NATO-geführte Stabilisierungstruppe ab. Ihr Auftrag ist es, die Einhaltung des Dayton-Friedensabkommens zu unterstützen und ein sicheres Umfeld im Land zu gewährleisten.

Das Abkommen beendete 1995 den Bosnienkrieg, der von ethnischen Spannungen zwischen Bosniaken, Serben und Kroaten geprägt war. Die politischen und gesellschaftlichen Konfliktlinien bestehen bis heute, daher soll eine internationale Präsenz verhindern, dass sich die Spannungen erneut zu einem bewaffneten Konflikt entwickeln. Die EU-Mission unterstützt dabei auch die Streitkräfte Bosnien und Herzegowinas bei der Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten.

Der Tod der vier Einsatzkräfte macht einmal mehr deutlich, welche Risiken mit internationalen Missionen verbunden sind. Sie sollen Frieden sichern, Konflikte eindämmen und staatliche Strukturen stärken, doch können eben auch zu Opfern führen. Die internationale Unterstützung in Bosnien und Herzegowina ist historisch durch den Krieg und das Friedensabkommen begründet, doch wie lange eine solche Präsenz notwendig ist und welche konkreten Ziele sie erreicht ist immer die Frage. Für die Angehörigen der vier Verstorbenen bleibt unabhängig von diesen politischen und strategischen Fragen ein schmerzlicher Verlust.

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