Trentiner Bergretter „erstaunt“ über zunehmende „Fake-Einsätze“

“Uns ist kalt, wir sind müde und finden kein Taxi”

Donnerstag, 23. Juli 2026 | 08:04 Uhr

Von: ka

Trient – Einsätze der Bergrettung, die aus nicht notwendigen Gründen erfolgen, gab es zwar schon immer, seit freiwillige Bergretter und medizinisches Personal ausrücken, wenn sie von der Notrufzentrale zu einem entsprechenden Einsatz gerufen werden. Doch seit immer mehr Erholungssuchende aus den heißen Städten in die Berge fliehen, nehmen solche „Fake-Einsätze“ rasant zu. Am Sonntagabend und in der Nacht auf Montag wurden von den Trentiner Bergrettern drei Notrufe aus nicht triftigen Gründen entgegengenommen – von Menschen, die Durst hatten, bis hin zu solchen, die aus Angst vor dem Gewitter ihre Rucksäcke und Zelte zurückgelassen hatten.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Trentino – CNSAS

Meistens fehlt es den „Hilfesuchenden” schlicht an Erfahrung, insbesondere was die zeitliche Planung der Wanderungen betrifft. Unter ihnen befinden sich aber auch nicht wenige „Schlaumeier”, die die Bergrettung mit einem Taxidienst verwechseln. Den Vogel schoss jedoch ein Touristenpaar aus Verona ab, das nach einer Bergwanderung in Verzug geraten war. „Uns ist kalt, wir sind müde und finden kein Taxi“, lautete die Einsatzmeldung. Die Feuerwehr brachte sie schließlich zu ihrem mehrere Kilometer entfernt geparkten Auto. Es ist daher verständlich, dass der Ärger bei den Trentiner Bergrettern groß ist.

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Die Trentiner Bergretter haben im Laufe der Jahre schon einiges erlebt. Sie haben sich auch daran „gewöhnt”, dass sie zwei- oder dreimal pro Woche zu sogenannten „Fake-Einsätzen”, also Einsätzen ohne triftigen Grund, gerufen werden. Doch am Sonntagabend und in der Nacht auf Montag wurden sie innerhalb von etwas mehr als drei Stunden gleich drei Mal von unverletzten Personen alarmiert.

Der erste Notruf kam von zwei ausländischen Wanderern, die „erschöpft und dehydriert“ waren. Anschließend baten zwei ausländische Touristen um Hilfe, die „verängstigt und unterkühlt“ waren. Schließlich riefen zwei 30-Jährige aus Verona an und baten um eine Mitfahrgelegenheit, da sie kein Taxi finden konnten und ihnen kalt war.

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Es ist nichts Neues, dass manche Wanderer wegen der Dunkelheit oder des schlechten Wetters in Panik geraten. Drei Notrufe an einem einzigen Abend wegen Kälte oder Erschöpfung gab es jedoch noch nie. Aus diesem Grund hielt es die Bergrettung für notwendig, erneut darauf hinzuweisen, dass die Nummer 112 nur im Falle einer echten Notlage angerufen werden darf, wenn gefährliche Bedingungen herrschen oder Situationen vorliegen, die eine sichere Rückkehr auf eigene Faust unmöglich machen. Während bei den ersten beiden Anrufen telefonische Beruhigungen ausreichten, wurde den Touristen aus Verona ein Geländewagen der Feuerwehr von Peio zur Verfügung gestellt, um sie zu ihrem etwa vier bis fünf Kilometer entfernten Auto zu bringen.

Die ersten beiden ausländischen Wanderer riefen am Sonntagabend um 20.30 Uhr an. Sie hatten den Klettersteig „Bocchette Centrali“ in den Brenta-Dolomiten bewältigt und waren gerade dabei, von der Brentei-Hütte aus über den ihnen unbekannten Violi-Weg abzusteigen. Da sie „erschöpft und dehydriert“ waren und nicht mehr weitergehen konnten, wählten sie die Notrufnummer 112. Ein Rettungshelfer begleitete sie daraufhin telefonisch während des gesamten Abstiegs bis zur Casinei-Hütte. Dort bot das Personal der Hütte an, ihnen zu helfen. Die beiden wollten jedoch weder anhalten noch etwas essen, sondern setzten ihren Weg bis nach Vallesinella auf eigene Faust fort.

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Gegen 23.00 Uhr forderten zwei weitere ausländische Touristen im Gebiet des Passo San Nicolò oberhalb von Pozza di Fassa Hilfe an. Das Paar hatte trotz der Unwetterwarnung in einem Zelt übernachtet. Über die Notrufnummer 112 berichteten die beiden, dass sie das Lager in aller Eile verlassen hätten, ohne auch nur ihre Rucksäcke mitzunehmen, da sie vor dem Gewitter Angst hatten und froren. Die Rettungskräfte beruhigten die Touristen und teilten ihnen mit, dass eine Wetterbesserung zu erwarten sei. Kurz darauf kehrten sie zu ihrem Zelt zurück und verbrachten dort die Nacht.

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Gegen Mitternacht riefen zwei etwa 30-jährige Touristen aus Verona, die eine Wanderung in Peio unternommen hatten, die einheitliche Notrufnummer 112 an. „Wir sind müde und finden kein Taxi“, sagten sie dem Mitarbeiter der Notfallleitstelle, „und wir haben keine geeignete Kleidung, um die Nacht im Freien zu verbringen.“ Daraufhin begleiteten Wehrleute der Freiwilligen Feuerwehr von Peio die beiden vom Staudamm Pian Palù aus mit einem Geländewagen zu ihrem in der Ortschaft San Rocco geparkten Auto. Die Feuerwehrleute waren bis 1.00 Uhr nachts mit der Bewältigung dieser vier bis fünf Kilometer langen Strecke beschäftigt. Die Touristen berichteten, dass sie sich verspätet hätten, da sie gegen 20.00 Uhr von einem heftigen Gewitter überrascht und aufgehalten worden seien.

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Die Trentiner Bergretter sind, freundlich formuliert, „erstaunt“ über die zunehmenden „Fake-Einsätze“ und verweisen daher erneut auf die geltenden Bestimmungen und Empfehlungen. Die Berg- und Höhlenrettung CNSAS Trentino weist darauf hin, dass die einheitliche Notrufnummer 112 ausschließlich bei tatsächlichem Rettungsbedarf angerufen werden darf, also nur, wenn gefährliche Bedingungen oder Situationen vorliegen, die eine sichere Rückkehr auf eigene Faust unmöglich machen. Jeder Notruf führt zum Einsatz von Personal und Fahrzeugen, die möglicherweise für Einsätze bei Verletzten oder in Lebensgefahr schwebenden Personen benötigt werden.

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Vor Antritt einer Wanderung ist es daher unerlässlich, die Route sorgfältig zu planen, die Wettervorhersage zu konsultieren, sicherzustellen, dass man über geeignete Kleidung und Ausrüstung sowie ausreichend Wasser und Verpflegung verfügt, und die eigene körperliche Verfassung sowie die für die Bewältigung der Strecke benötigte Zeit realistisch einzuschätzen.

„Manche Wanderer wenden sich an uns, um ins Tal zu gelangen, weil sie die Schließzeiten der Seilbahn nicht überprüfen“, so Walter Cainelli, Vorsitzender der Trentiner Bergrettung, gegenüber dem Corriere del Trentino. „Aber wir können die Rettungsmittel, die für dringendere Einsätze benötigt werden, nicht auf diese Weise binden“, fährt er fort. Seine Mahnung lautet daher: „Planen, organisieren, informieren und ausrüsten, bevor man in die Berge aufbricht.“ Auch weil die Rechnung sonst hoch ausfallen könnte: „Unser Einsatz ist kostenlos, der des Hubschrauberrettungsdienstes jedoch nicht. Er muss zu Recht an die Asuit bezahlt werden.“

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