Unabhängigkeit und Risikoanalyse in Sachen Digitalisierung

Digitale Souveränität: Land Südtirol lotet Spielräume aus

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 16:28 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die Chancen der Digitalisierung bestmöglich nutzen und trotzdem nicht in gefährliche Abhängigkeiten geraten: Dieses Ziel verfolgt auch das Land Südtirol immer intensiver. Am 20. Oktober hat die Agentur für ein digitales Südtirol (ADAS) das Thema Souveränität im Digitalen im Rahmen einer Tagung der Reihe Forum Digital in der Eurac beleuchtet. Dabei zeigten Expertinnen und Experten auf, wie die öffentliche Verwaltung in Südtirol resilienter und unabhängiger von den großen Playern im Digitalen werden kann.

“Digitalisierung ermöglicht eine Steigerung der Lebensqualität, jedoch ist die Abhängigkeit von Systemen auch mit Risiken verbunden”, ordnete Landeshauptmann Arno Kompatscher, in dessen Zuständigkeit die Digitalisierung fällt, im Rahmen seiner Grußbotschaft ein. “Durch eine tiefgehende Analyse und Ermittlung der Handlungsspielräume im Bereich der digitalen Souveränität schaffen wir die Voraussetzung, damit unsere Gesellschaft und Demokratie geschützt bleiben und wir dennoch die Vorteile der Digitalisierung genießen können”, betonte Kompatscher.

Josef T. Hofer, der Direktor der ADAS und der Abteilung Informatik, berichtete über den Weg, den das Land Südtirol eingeschlagen hat, um Spielräume für mehr Autonomie in digitalen Belangen auszuloten. “Die Notwendigkeit, das Thema Souveränität im Digitalen zu vertiefen, hat sich bereits vor geraumer Zeit gezeigt und wir haben nun mit unseren Partnern Eurac, Uni Innsbruck und Fraunhofer-Institut Studien empirischer rechtlicher und technischer Natur vorgenommen”, erläuterte Hofer die Strategie.

Als einen Balanceakt zwischen Funktionalität und Risikobewertung bezeichnete IT-Experte Alessio Meloni die Aufgabe, die alle öffentlichen Verwaltungen in Sachen digitaler Abhängigkeit in nächster Zukunft zu bewältigen haben. Diese Abwägung und Risikoanalyse seien unumgänglich, um die Möglichkeiten, in den drei Bereichen Datenhoheit, Operativität und IT-Technologie unabhängiger zu werden, zu prüfen.

Konkrete Handlungsfelder haben Expertinnen des Fraunhofer-Instituts im Rahmen der Studie “Souveränität im Digitalen” herausgearbeitet. „Digitale Souveränität bedeutet, frei entscheiden zu können, wie und nach welchen Prioritäten die digitale Transformation gestaltet werden soll“, erläutern Stefanie Hecht und Jana Plomin.

Die rechtliche Dimension beleuchteten Carolin Zwilling von Eurac Research und Philipp Rossi (Südtiroler Sanitätsbetrieb). Zwar liege die informationstechnische Koordinierung weitgehend beim Staat, in den eigenen Sachgebieten könne Südtirol jedoch durchaus Maßnahmen zur Digitalisierung und zur Erreichung von mehr Autonomie im Digitalen setzen. Möglichkeiten sehen die beiden Experten etwa in einem eigenen Landesgesetz zur Digitalisierung.

Peter Decarli, Koordination am Institut für Public Management der Eurac, sprach abschließend im Detail über das Risiko in gewissen Bereichen, wie etwa der Datensouveränität in Bezug auf die Cloud-Systeme. Bei kommerziellen Modellen (etwa US-Anbietern) sei das Risiko vor allem rechtlich und technisch als relativ hoch zu bewerten. “Betrachten wir den Arbeitsplatz in der digitalen Verwaltung, ist dieser ein Microsoft-Arbeitsplatz mit entsprechenden Risiken. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir Microsoft so souverän wie möglich nutzen können und über einen Ersatz gewisser Komponenten nachdenken”, betonte Decarli.

Bezirk: Bozen

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