Von: Matthias Knapp
Bozen – Altlandeshauptmann Luis Durnwalder feiert am heutigen Mittwoch seinen 85. Geburtstag und ist trotzdem kein bisschen leise. Der gebürtige Pfalzner, der 25 Jahre lang die Geschicke Südtirols maßgeblich mitgeprägt hat, nimmt auch heute noch zu aktuellen Themen Stellung – unter anderem zum Vormarsch der AfD in Deutschland.
In einem Interview mit dem Corriere della Sera hatte Italiens Außenminister Antonio Tajani bekanntlich davor gewarnt, dass die AfD Bestrebungen innerhalb Südtirols zur Abspaltung von Italien unterstützen und vorantreiben könnte. Obwohl der AfD-EU-Parlamentarier Marc Jongen den Verdacht zurückweist, hält Durnwalder die Vorstellung durchaus für möglich.
Im Interview mit der Zeitung Alto Adige weist er Einmischungen von rechtsaußen in die Südtiroler Politik entschieden zurück. „Wir brauchen die Ratschläge dieser Partei nicht.“ Zwar sei das Recht auf Selbstbestimmung theoretisch ein Grundrecht für alle Völker, die geschichtlichen Realitäten in Südtirol lägen jedoch anders.
„Die Vereinbarungen zwischen uns, Rom und Wien wurden unterzeichnet und akzeptiert. Sie besagen klar, dass sich unsere Autonomie innerhalb des italienischen Staates entwickeln muss und nicht außerhalb“, betont Durnwalder. Italien habe seine Zusagen eingehalten und Südtirol tue dies ebenfalls: „Wir wollen Frieden und Wohlstand, nicht Grenzen verschieben. Die AfD soll sich um ihre Angelegenheiten kümmern, wir kümmern uns um unsere.“
Blick zurück: Das Paket und die Weggefährten in Rom
Neben der aktuellen Tagespolitik blickt Durnwalder im Interview auch auf historische Schlüsselmomente zurück – etwa auf sein anfängliches „Nein“ zum Autonomiepaket, das ihm sein Vorgänger Silvius Magnago lange Zeit vorgehalten habe. Später habe er seine Haltung zum Paket revidiert, „und Magnago seine Meinung über mich“.
Auf seine Verhandlungen mit der Führungsebene in Rom zurückblickend, hebt Durnwalder zwei prägende Gestalten der italienischen Politik besonders hervor: den mehrmaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti sowie den früheren EU-Kommissionspräsidenten und Premier Romano Prodi. Andreotti habe mit seinem scharfen Verstand die komplexen Südtiroler Anliegen begriffen, noch bevor man sie ihm vollends erklären konnte. Prodi wiederum habe entscheidende Durchführungsbestimmungen für Südtirol auf den Weg gebracht: „Er wusste um deren strategische Bedeutung und hat sie einfach abgesegnet.“




Aktuell sind 16 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen