Inspektion eines Kraters nach Luftangriff nahe Kiew

Ein Todesopfer bei Angriff auf Einkaufszentrum in Charkiw

Donnerstag, 27. August 2026 | 22:42 Uhr

Von: importer

Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Luftschläge auf Ziele im Hinterland des Gegners fortgesetzt. Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum der ostukrainischen Großstadt Charkiw wurde mindestens ein Mensch getötet, schrieb Regionalgouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram. Attacken mit Drohnen und Raketen gab es unter anderem auch auf Kiew. Bei einer Autoexplosion in Sankt Petersburg wiederum wurde laut Medien ein russischer Offizier getötet.

Vier Menschen seien in Charkiw verletzt worden, so Synjehubow. Sie mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In der Hauptstadt Kiew stürzten Drohnentrümmer herab und verletzten nach Behördenangaben zwei Menschen. Sie richteten auch Schäden an mehreren Gebäuden an. Im Zentrum der Dreimillionenstadt wurde der Militärverwaltung zufolge eine Sportanlage im unmittelbaren Zentrum beschädigt. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten eine Rauchwolke im Bereich des Walerij-Lobanowskyj-Stadions am Rande des Regierungsviertels. Schäden habe es auch nach Attacken im Gebiet der Hafenstadt Odessa gegeben.

“Die Russen haben kritische Infrastruktur in den Gebieten Poltawa, Sumy und Cherson angegriffen”, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken. Fünf Menschen seien unter anderem bei Angriffen in den Gebieten Saporischschja und Dnipropetrowsk verletzt worden, Nach Angaben örtlicher Behörden brannten östlich der Hauptstadt Kiew im Landkreis Boryspil Lagerhallen nach russischen Angriffen. Mindestens zwei Menschen seien verletzt worden. Russland sprach von Angriffen auf Einrichtungen, die der ukrainische Armee dienen. Darunter Lager- und Montageeinrichtungen für Drohnen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit.

Angesichts der zunehmenden russischen Angriffe auf Cherson riefen die Behörden die Einwohner der südukrainischen Stadt zur Evakuierung auf. “Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben (…), bitte verlassen Sie die Stadt”, schrieb der Gouverneur der Region Cherson, Oleksandre Prokudin, am Donnerstag auf Telegram. Es werde ein Ausfall der Strom- und Wärmeversorgung für einen längeren Zeitraum befürchtet.

Abschuss ballistischer Raketen

Die ukrainische Luftwaffe fing indes nach eigenen Angaben erstmals seit längerem sieben ballistische Raketen ab. Zudem sei eine Antischiffsrakete des Typs Oniks abgeschossen worden, hieß es. Selenskyj hatte zuvor am Dienstag über eingetroffene neue Flugabwehrraketen für die Patriot-Systeme informiert.

Ukrainischen Angaben zufolge wurden rund 86 Prozent der vom russischen Militär eingesetzten Drohnen abgefangen. Fünf russische Drohnen verletzten nach Auskunft des moldauischen Verteidigungsministeriums in Chisinau auch kurzzeitig den Luftraum Moldaus.

Neue ukrainische Drohnenangriffe im Uralgebiet

Die Ukraine wiederum setzte ihre Angriffe auf Lager von russischen Internethändlern fort. Im Uralgebiet wurde nach Unternehmensangaben ein Logistikzentrum des zweitgrößten russischen Marktplatzes Ozon in Ufa von ukrainischen Drohnen angegriffen. Demnach musste auch in Orenburg nahe der kasachischen Grenze wegen Raketengefahr ein Verteilzentrum kurzzeitig geräumt werden. Es habe aber weder Opfer noch Schäden gegeben. Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die russische Invasion. Bei seinen Gegenschlägen konzentriert sich Kiew auf russische Internethändler und die Ölindustrie.

Russischer Offizier bei Autoexplosion getötet

Bei der Explosion eines Autos in Sankt Petersburg ist einem Medienbericht zufolge ein russischer Offizier getötet worden. Bei dem Todesopfer handle es sich um einen Oberstleutnant, berichtet die russische Online-Zeitung “Fontanka”. Seine Ehefrau, die sich ebenfalls in dem Fahrzeug befunden habe, sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Das russische Ermittlungskomitee teilt mit, es habe nach dem Brand eines Autos ein Strafverfahren eingeleitet. Die Behörde bestätigt den Tod einer Person und die Verletzung einer weiteren, macht jedoch keine Angaben dazu, ob es sich bei dem Todesopfer um einen Soldaten handelte. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt zunächst nicht vor.

Kiew stellt neue Friedensgespräche im September in Aussicht

Neue Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Vertretern unter Beteiligung der USA könnten nach Angaben aus Kiew womöglich im September stattfinden. Die Ukraine bemühe sich um eine Wiederbelebung der Verhandlungen, sagt der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow dem ukrainischen Nachrichtenportal “Novyny Live”. Mit weiteren Entwicklungen sei im kommenden Monat zu rechnen. Auf die Frage, ob er damit direkte Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern meine, sagte Budanow: “Ich hoffe darauf, ja, und natürlich auch auf amerikanische Vertreter. Ohne sie geht es nicht.” Die von den USA vermittelten Friedensgespräche waren in diesem Jahr ins Stocken geraten.

Die Ukraine hatte russische Forderungen nach Gebietsabtretungen abgelehnt. Zudem waren die USA zunehmend mit dem Krieg gegen den Iran beschäftigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte kürzlich, die Ukraine sehe bis zum Ende des nächsten Sommers ein Zeitfenster für eine US-Vermittlung. Seine Regierung habe zusammen mit US- und europäischen Vertretern ein Dokument mit Vorschlägen erarbeitet, das Moskau vorgelegt werden solle. Die letzte Runde von Gesprächen unter Beteiligung von US-Vertretern fand im Februar statt. Seither führten Vertreter der Ukraine und Russlands getrennte Gespräche mit der US-Seite.

Mehrere EU-Staaten dringen auf Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für Kiew

Mehrere EU-Staaten dringen unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge auf eine Wiederaufnahme der Pläne zur Nutzung eingefrorener russischer Staatsvermögen für die Ukraine. In einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission fordere eine Koalition von Ländern, zu der unter anderem Schweden, die Niederlande, Spanien und Polen gehörten, die Brüsseler Behörde zu entsprechenden Schritten auf, berichtet die “Financial Times” unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Arbeit an Plänen zur Finanzierung der Ukraine mithilfe von eingefrorenen Vermögenswerten der russischen Zentralbank müsse wieder aufgenommen werden, heißt es demnach in dem Schreiben.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen