"Die Zeichen der Zeit verlangen mehr Weitsicht"

Grüne Bruneck kritisieren neue Tourismusprojekte in Reischach

Montag, 07. September 2026 | 08:28 Uhr

Von: Redaktion Südtirol News

Bruneck – Die Grünen in Bruneck hinterfragen die touristische Wachstumsstrategie in Reischach. Anlass sind zwei geplante Fünf-Sterne-Hotels sowie der neue Campingplatz „Korer“ mit 280 Stellplätzen und mehreren Chalets. Die Durchführungspläne für die beiden Hotels seien bereits genehmigt, die Baukonzessionen würden laut jüngsten Berichten bevorstehen.

Die Grünen bezweifeln, dass weitere große Beherbergungsprojekte angesichts von Klimawandel, Flächenverbrauch und steigenden Belastungen für die Bevölkerung noch zeitgemäß sind. Der geltende Bettenstopp müsse sich daran messen lassen, welche tatsächliche Wirkung er entfalte. Es sei widersprüchlich, wenn gleichzeitig weitere Großprojekte vorangetrieben würden.

Besonders kritisch sehen die Grünen das geplante Golfhotel, das unmittelbar an ein Biotop grenzt. Zwar seien die Übergangsbereiche fachlich geprüft und positiv bewertet worden. Auch bestehende Geh- und Wanderwege, darunter der Reischacher Rundweg, müssten erhalten bleiben. Aus Sicht der Grünen beantworten diese Auflagen jedoch nicht die grundsätzliche Frage nach der Größe und Angemessenheit des Projekts an diesem Standort.

Forderung nach mehr Transparenz

Auch die politischen Verflechtungen rund um die Projekte sorgen für Kritik. Sowohl das Golfhotel als auch das Vorhaben der Familie des amtierenden Bürgermeisters gemeinsam mit der Kronplatz-Seilbahngesellschaft seien vom ehemaligen Bürgermeister Roland Griessmair geplant worden. Die Grünen fordern deshalb besondere Transparenz und eine klare Trennung zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen. „Wenn der ehemalige Bürgermeister beide Großprojekte plant und die Familie des amtierenden Bürgermeisters an einem davon beteiligt ist, müssen öffentliche Verantwortung und private wirtschaftliche Interessen klar getrennt werden. Die Bevölkerung muss nachvollziehen können, wie mögliche Interessenkonflikte vermieden, Einwände abgewogen und Entscheidungen im Interesse der gesamten Gemeinde getroffen werden.“

Mehrere angekündigte beziehungsweise bereits eingebrachte Rekurse zeigen nach Ansicht der Grünen, dass die Projekte umstritten sind. Über deren rechtliche Zulässigkeit werde das Verwaltungsgericht entscheiden. Die grundsätzliche politische Frage nach der gewünschten Entwicklung Brunecks könne jedoch nicht an die Gerichte ausgelagert werden.

Die Grünen fordern die Stadtregierung auf, die genehmigten Projektgrößen und Auflagen offenzulegen und darzulegen, wie die Vorhaben mit den Zielen beim Landschaftsschutz, Ressourcenverbrauch, Verkehr und der Lebensqualität vereinbar seien. Tourismus müsse sich aus ihrer Sicht stärker an der langfristigen Verträglichkeit für Landschaft und Bevölkerung orientieren. Wörtlich heißt es: “Tourismus braucht eine intakte Landschaft und die Akzeptanz der Menschen, die hier leben. Wer diese Grundlagen bewahren will, darf Erfolg nicht allein an neuen Betten und zusätzlichen Sternen messen. Die Zeichen der Zeit verlangen eine Politik, die auch das Maßhalten als Stärke begreift. Bruneck und Reischach sind Lebensräume – nicht bloß Standorte für das nächste Großprojekt.”

Bezirk: Pustertal

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