"Ein Dach über dem Kopf für alle"

Grüne fordern mehr Schutz für Obdachlose im Winter

Freitag, 02. Oktober 2026 | 11:50 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Mit dem bevorstehenden Winter wächst auch die Sorge um Menschen, die in Südtirol ohne festen Wohnsitz leben und bei eisigen Temperaturen keinen sicheren Schlafplatz haben. Die Grünen fordern deshalb einen umfassenden Kälteplan des Landes, mehr flexibel verfügbare Unterbringungsplätze sowie ein rund um die Uhr erreichbares Kältetelefon.

„Im Winter auf der Straße schlafen zu müssen ist lebensgefährlich. Es ist nicht so, dass der Wintereinbruch ein seltenes Phänomen wäre, er ‘passiert’ jedes Jahr. Und trotzdem sprechen wir jedes Mal von einem ‚Kältenotstand‘, als würde uns der Winter regelmäßig überraschen. Stattdessen müssen wir vorbeugen: Wir brauchen ausreichend Schlafplätze für Obdachlose und einen echten Kälteplan“, erklärt Brigitte Foppa.

Erstunterzeichnerin Foppa fordert angesichts des bevorstehenden Winters die Maßnahmen des Landes zur Bewältigung der schwierigen Situation obdachloser Menschen zu verstärken. Der Beschlussantrag wurde am 2. Oktober in Bozen im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt, gemeinsam mit den drei ehrenamtlich Tätigen Rosina Ruatti, Inge Mahlknecht und Gerda Gius.

Grüne

In Südtirol gebe es bereits Unterbringungseinrichtungen, doch die Zahl der verfügbaren Plätze müsse bei steigender Nachfrage oder besonders strengen Wetterbedingungen rasch angepasst werden können, so die Grünen. Der Antrag fordert außerdem die Einrichtung eines rund um die Uhr erreichbaren Kältetelefons. Über diese Nummer könne die Bevölkerung auf Menschen aufmerksam machen, die bei Minustemperaturen im Freien schlafen müssen, damit rasch Hilfe geleistet werden kann. Schließlich wird eine Stärkung des „Housing First“-Ansatzes gefordert: “Man kann als Gesellschaft das Problem der Obdachlosigkeit nicht dauerhaft mit Notschlafplätzen regeln. Menschen ohne festen Wohnsitz sollen hingegen direkt Zugang zu dauerhaftem und leistbarem Wohnraum erhalten und dabei begleitet werden.”

Rosina Ruatti, Gerda Gius und Inge Mahlknecht sind ehrenamtlich bei Dormizil und VinziShower tätig und berichteten in der Pressekonfernz von ihren Erfahrungen: „Wir begleiten obdachlose Menschen seit Jahren und sehen ihre Probleme aus nächster Nähe. Es tut im Herzen weh, wenn Menschen, die sich eh schon am Rande der Gesellschaft befinden immer vergessen werden. Sie verdienen es sich, dass ihre Probleme prioritär behandelt werden. Als Freiwillige können wir nur so viel machen. Doch es braucht konkrete politische Maßnahmen, um den Menschen langfristig zu helfen. Wie kann sich ein Mensch sonst integrieren, wenn er keinen Ort hat, den er sein Zuhause nennen kann?“ Und weiter: „Wir wenden uns auch an die Menschen, denen wir auf der Straße begegnen, denn Würde entsteht durch Zuhören und Aufmerksamkeit. Sich um Menschen zu kümmern bedeutet, die Augen offen zu halten und Bedürfnisse zu erkennen – auch jenseits der bestehenden sozialen Einrichtungen und Organisationen.”

„Eine wirksame Wohnungspolitik muss bei der Lebensrealität der Menschen ansetzen. Bei jenen, die sich eine Miete nicht mehr leisten können, bis hin zu jenen, die keinen sicheren Schlafplatz haben. Es braucht neue Instrumente, eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Akteuren sowie eine landesweite Strategie, die das Recht auf Wohnen und die Würde der Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Würde aller Menschen“, schließen die Grünen Landtagsabgeordneten Brigitte Foppa, Madeleine Rohrer und Zeno Oberkofler.

Bezirk: Bozen

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