Unterstützung von Menschen mit Behinderungen

Inklusion durch Arbeit und Beschäftigung stärken

Dienstag, 18. August 2026 | 14:19 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – An einem Ort, in dem Inklusion in der Praxis gelingt, stellten die Landesrätinnen Rosmarie Pamer und Magdalena Amhof am 18. August Maßnahmen vor, mit denen Menschen mit Behinderungen im Bereich Arbeit und Beschäftigung unterstützt werden. Das Biofachgeschäft “GianniBio” setze auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit, sagte Landesrätin Amhof und Landesrätin Pamer ergänzte dazu: “GianniBio arbeitet eng mit den sozialen Diensten und jenen der Arbeitsintegration zusammen, um Menschen mit Behinderungen Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten.” Arbeitgeber Andrea Paiarola hat insgesamt drei Mitarbeitende, die über diesen Weg in den Betrieb gekommen sind und seine Erfahrung beschrieb er als durchwegs positiv, auch weil sich seine Mitarbeiter ständig weiterentwickeln und sehr gut in das Arbeitsteam einleben.

Land Südtirol setzt auf dreistufiges Fördermodell

Seit geraumer Zeit setzt das Land Südtirol zur Integration durch Arbeit und Beschäftigung auf ein Dreistufenmodell, das auf Werkstätten und geschützten Diensten, der Arbeitsbeschäftigung und der Arbeitsintegration basiert.

Eingliederung in ersten Arbeitsmarkt durch Anreize und individuelle Vermittlung

Was die Arbeitsintegration angeht, erinnerte Landesrätin Amhof an das Prämiensystem “Pro Ability”, das Anreize für Unternehmen schafft, die Menschen mit Behinderung einzustellen. 2025 wurde dieses Fördersystem des Arbeitsmarktservice Südtirol (AMS) stark vereinfacht und digitalisiert. “Wir wollen damit Unternehmen belohnen, die soziale Verantwortung übernehmen”, sagte Amhof. Die Prämie für Verträge mit einer Laufzeit von mindestens 180 Tagen betrage 4000 Euro, für bestehende, langfristige Arbeitsverhältnisse 9000 Euro. Durch die Aufstockung der Fördermittel fließen nun jährlich drei Millionen Euro in diese Initiative.

Um Menschen mit Behinderungen gezielt vermitteln zu können, setzt das Land auf eine maßgeschneiderte Arbeitseingliederung: “Durch gezielte Vermittlung gelingt es, jährlich etwa 200 Personen in Beschäftigung zu bringen, ein Drittel davon findet den Weg in den Arbeitsmarkt mit einer individuellen Vereinbarung”, berichtete Amhof. Darunter versteht man praktikumsähnliche Projekte zur Orientierung und Qualifizierung der Arbeitssuchenden am Arbeitsplatz, mit dem Ziel einer späteren Festanstellung. Wie beständig diese Arbeitsverhältnisse sind, zeige die Statistik: “70 Prozent der vermittelten Personen sind nach zehn Jahren noch beim selben Arbeitgeber beschäftigt. Das ist der große Mehrwert dieser Maßnahme.” Um die Integration in den Arbeitsalltag zu erleichtern, organisiert das Landesamt für Arbeitsmarktintegration im Herbst erstmals Fortbildungsangebote für Bezugspersonen im Betrieb.

Um die Tätigkeit von Menschen mit Behinderung stärker anzuerkennen und ihre finanzielle Eigenständigkeit zu stärken, wird das Entgelt für Projekte der Arbeitsbeschäftigung und der -integration ab dem 1. Jänner 2027 erhöht. Zusätzlich werden 1,8 Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt, wodurch der Höchstbetrag von 492 auf 650 Euro für Eingliederungs- und Beschäftigungsprojekte sowie von 410 auf 585 Euro für Tätigkeiten in Werkstätten und anderen sozialpädagogischen Dienste ansteigt. “Leistung verdient Anerkennung”, sagte Landesrätin Pamer in Übereinstimmung mit Landesrätin Amhof.

Arbeitsbeschäftigung als wichtige Säule des Unterstützungssystems

Die Arbeitsbeschäftigung sei eine wichtige Säule des Unterstützungssystems, denn nicht jede oder jeder könne oder müsse in den regulären Arbeitsmarkt kommen, hob Landesrätin Pamer hervor: “Es geht darum, zu schauen, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Möglichkeiten die Person hat und dann die ideale Unterstützungsmaßnahme zu finden.” Derzeit nutzen 983 Menschen die 57 Werkstätten und sozialpädagogischen Tagesstätten. Eine weitere Möglichkeit, auch als Alternative zu den Werkstätten, ist der Abschluss von individuellen Vereinbarungen, um Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zu sammeln und die Selbstständigkeit zu stärken. Dabei übernehmen vor allem Sozialgenossenschaften des Typs B eine wichtige Rolle. Der Abschluss einer individuellen Vereinbarung ist keine direkte Vorstufe zu einer regulären Anstellung, schließt diesen Weg aber nicht aus. 2025 wurden insgesamt 466 Vereinbarungen zur Arbeitsbeschäftigung abgeschlossen, 2020 waren es 301.

Landesrätin Pamer ging zudem auf das Projekt “Plus +35” ein, mit dem öffentliche Körperschaften bei der Anstellung von Menschen mit Behinderungen unterstützt werden: 74 Südtiroler Körperschaften beteiligten sich im Vorjahr daran und boten 276 Menschen mit Behinderungen eine Arbeitsmöglichkeit.

Zusammenspiel Arbeitsmarktpolitik und Sozialwesen ermöglicht Perspektiven

„Alle diese Maßnahmen folgen einem übergeordneten Ziel: Menschen mit Behinderungen sollen ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten und gleichberechtigt an unserer Gesellschaft teilhaben können“, fasste Landesrätin Pamer zusammen. “Wenn Menschen mit Behinderungen im Arbeitsmarkt oder in Beschäftigungsprojekten mitwirken, erbringen sie wertvolle Leistungen und können sich weiterentwickeln. Gleichzeitig entsteht dadurch auch ein Mehrwert für die Betriebe und den Arbeitsmarkt insgesamt”, ergänzte dazu Landesrätin Amhof.

Bezirk: Bozen

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