Von: Martin Geier
Dogna/Chiusaforte – Die über den gesamten Alpenbogen verteilten Bivaks sind fast so alt wie die Alpingeschichte. Ursprünglich dienten sie dazu, Alpinisten, die in Bergnot geraten waren, eine sichere Bleibe für die Nacht zu bieten und das Netz der Schutzhütten zu ergänzen.
In den letzten Jahren erfreuen sie sich jedoch immer größerer Beliebtheit, da Selbstversorger sie als günstige Unterkunftsmöglichkeit in den Bergen nutzen. Schade nur, dass sich unter den Nutzern offenbar einige befinden, die nicht dazu in der Lage sind, sich an die grundlegenden Gepflogenheiten des Zusammenlebens zu halten, und in manchen Fällen sogar Diebstähle begehen.

Die Bergsteigervereine und Bergfreunde, die in der Regel die Betreuung und Pflege der Hütten übernehmen, wollen diesem Treiben nicht länger zusehen und treffen drastische Maßnahmen. Zu ihnen gehören auch Luciano und Elvira, die die Bivakhütte Luca Vuerich am Jôf di Montasio in den Julischen Alpen betreuen. Nachdem dort Müll hinterlassen, Decken mit Kot verschmutzt, ein Gästebuch gestohlen und eine Spendenbox aufgebrochen worden waren, beschlossen sie, die Tür zu sperren und den Schlüssel nur noch nach Vormerkung durch Übermittlung eines Zahlencodes auszuhändigen. „Angesichts solcher Rücksichtslosigkeit können wir nicht länger so tun, als wäre nichts geschehen!”, betont Elvira. Diese einschneidende Entscheidung löste heftige Diskussionen aus. Angesichts der mangelnden Rücksichtnahme vieler Nutzer stieß sie aber auch auf Verständnis.

Das Bivacco Luca Vuerich ist ein modernes Holzbivak in den Julischen Alpen auf dem Kamm des Foronon del Buinz in der Montasio-Gruppe. Es befindet sich auf dem Hauptkamm der Montasio-Gruppe in über 2500 Metern Höhe und ermöglicht nun die Begehung einer alpinen Höhenroute, bei der alle Gipfel des Montasio und des Jôf Fuârt hintereinander bestiegen werden können, ohne dass man dabei an Höhe verliert. Die zu Ehren des bekannten Bergsteigers Luca Vuerich erbaute, schöne und geräumige Hütte bietet Platz für rund acht bis neun Personen. Seit Jahren kümmern sich Luciano und Elvira hingebungsvoll um sie. Um ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, haben sie sie mit maßgefertigten Matratzen und eigens gekauften Decken ausgestattet.

Umso größer war ihr Ärger, als sie bei einem Kontrollgang feststellen mussten, dass Unbekannte mehrere der Decken mit Kot beschmiert hatten. Offensichtlich hatte jemand die Decken, die sorgfältig in die Höhe gebracht worden waren, um die Bergsteiger zu wärmen, genommen, um sich nach dem Toilettengang den Hintern abzuwischen.
Dies ist jedoch nur einer der zahlreichen bedauerlichen Vorfälle, mit denen Luciano und Elvira, die seit 15 Jahren das Biwak betreuen, konfrontiert waren. Tatsächlich war das Biwak, das für Menschen gedacht ist, die die Berge lieben und respektieren, in den letzten Jahren leider allzu oft Schauplatz schwerwiegender Vorfälle. „Sie haben uns sogar das Gästebuch gestohlen. Ein anderes Mal haben sie sogar den Spendenkasten aufgebrochen. So kann es nicht weitergehen!”, so Luciano gegenüber Il Dolomiti, einem Onlinemedium der Region Trentino-Südtirol.

In der Vergangenheit, so erzählen die beiden, wurde die Schutzhütte von zwanzig Personen belegt, die zum Feiern heraufgekommen waren. „Pro Bett schliefen zwei Personen, andere schliefen direkt auf dem Boden. Die Schutzhütte ist für Bergsteiger da, nicht für Leute, die Krawall machen wollen und nur heraufkommen, um Fotos von Sonnenuntergängen zu machen“, erklärt Luciano.
Um den kleinen Tisch im Innenraum vor Beschädigungen zu schützen, hatten Luciano und Elvira eine Plastiktischdecke daraufgelegt. Doch auch diese wurde Opfer der Nachlässigkeit: Sie wurde zerschnitten und beschädigt, bis schließlich jemand einen kochend heißen Topf darauf abstellte und sie damit vollständig ruinierte. Es versteht sich von selbst, dass sie oft hinterlassenen Müll in und nahe der Hütte entdecken mussten.

In all den Jahren – insbesondere in den letzten – gab es nicht nur einen Vorfall von Respektlosigkeit, sondern viele. Nach reiflicher Überlegung kamen Luciano und Elvira zu einer drastischen Entscheidung. Wer das Biwak betreten und nutzen möchte, muss sich telefonisch bei ihnen melden. Sie geben dann den Code für das Schließfach bekannt, in dem sich die Schlüssel befinden. Es ist eine bittere Lösung, die jedoch aufgrund von Schäden und Verhaltensweisen getroffen wurde, die mit Respekt vor den Bergen und Allgemeingut wenig zu tun haben.

„Wir werden sehen, wie dieser Versuch verläuft“, sagt Luciano. Das Biwak ist nicht geschlossen, aber um hineinzukommen, muss man sich nun erst den Code erfragen, um den Schlüssel zu erhalten. „Sollte aber auch diese Lösung scheitern, sind wir bereit, drastischere Maßnahmen zu ergreifen!“

Die einschneidende Maßnahme löste heftige Diskussionen aus, doch die Mehrheit unterstützt diese Entscheidung, zu der sich Luciano und Elvira gezwungen sahen. Zu häufig kam es zu solchen Respektlosigkeiten. Die Alternative ist, dass sich niemand mehr findet, der die Betreuung der Biwaks übernehmen will.










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