Von: Lukas Unterkofler
Dorf Tirol – Den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr erleichtern, Bahn und Bus ausbauen, die Verkehrssicherheit erhöhen und bessere Anbindungen für Radfahrer schaffen: Darauf zielen die Mobilitäts- und Infrastrukturprojekte im Burggrafenamt ab, die am 20. Oktober in der Sondersitzung der Landesregierung auf Schloss Tirol gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Bezirks erörtert wurden.
Eine zentrale Rolle komme dabei dem Mobilitätszentrum Meran zu, für das die Landesregierung Ende 2024 grünes Licht gegeben hatte. Die Investition in Höhe von 28,4 Millionen diene dazu, Busse, Züge und Fahrräder an einem intermodalen Knotenpunkt zu vereinen, mit rund 760 überdachten Fahrradstellplätzen, berichtete Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider. “Wir wollen ein Mobilitätszentrum schaffen, das die tägliche Fortbewegung einfacher und bequemer macht und die verschiedenen Verkehrsmittel miteinander verbindet. Nun beginnt die Projektprüfung, auf die die Genehmigungsphase folgen wird. In den kommenden Monaten werden wir Infoveranstaltungen für die Bevölkerung organisieren, um das Projekt vorzustellen. Ziel ist es, die Arbeiten 2028 aufzunehmen”, erklärte er.
Die Eröffnung der Nordwestumfahrung von Meran, die voraussichtlich Ende November erfolgen wird, die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sowie auf die Bürgerinnen und Bürger abgestimmte Mobilitätsservices stünden im Bereich der Mobilität im Burggrafenamt als nächste Schritte an, so der Landesrat.
“Das bedeutendste Straßenprojekt ist der zweite Bauabschnitt der Nordwestumfahrung von Meran, die die Stadt entlasten und die Anbindung des Passeiertals und von Dorf Tirol an die MeBo verbessern wird. Die Eröffnung ist für den 26. November vorgesehen”, kündigte Alfreider an. Gesprochen wurde auch über weitere Ausbauprojekte des Landes wie die fertiggestellte Brücke Eschenlohe bei St. Pankraz oder den laufenden Ausbau der Passeirerstraße bei Riffian. Bereits seit längerem ist zudem eine Sanierung des dritten Tunnels vor Hafling in Planung.
Parallel dazu schreiten die Planungsarbeiten für den zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie Bozen-Meran voran: Im vergangenen Juni trafen sich Techniker, Vertretungen von Land und Gemeinden und Grundstückseigentümer entlang der Trasse, um die Planungslösungen zu vertiefen. “Der zweigleisige Ausbau ist unerlässlich, um den Zugverkehr pünktlicher und zuverlässiger zu gestalten und um die Kapazität des Schienenverkehrs im Westen Südtirols zu steigern”, berichtete Mobilitätslandesrat Alfreider. Derzeit müssten Züge aus Meran oft warten, bevor sie in Bozen einfahren können, da den Zügen auf der Brenner-Achse Vorrang eingeräumt werde. Dies führe zu Verspätungen, die sich auf die gesamte Strecke auswirken würden. “Wir wollen diese Situation durch eine effizientere Infrastruktur verbessern und dabei eng mit den Gemeinden und der Bevölkerung zusammenarbeiten”, betonte Alfreider. Bis es soweit ist, sollen kurzfristige Maßnahmen dazu beitragen, die Verspätungen zu verringern.
Vor dem Abschluss steht die Elektrifizierung der Vinschger Bahn: Ziel sei es, bis Ende 2026 den elektrifizierten Betrieb auf der gesamten Strecke zwischen Mals und Meran in Betrieb zu nehmen. Damit könnten den Nutzerinnen und Nutzern Züge mit größerer Kapazität und kürzere Fahrzeiten angeboten werden, sagte Alfreider.
Auch der Ausbau der Radwege und der Integration von Rad und öffentlichem Nahverkehr schreiten voran. Im Burggrafenamt stehen derzeit insgesamt 182 Radboxen zur Verfügung, weitere sind bereits in Planung.
Gemeinden als Schlüssel für Erreichung der Klimaziele
Mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Burggrafenamts hat sich Landesrat Peter Brunner bei der Sondersitzung der Landesregierung am 20. Oktober auf Schloss Tirol über die Gemeinde-Klimapläne ausgetauscht. Das Burggrafenamt war südtirolweit der erste Bezirk, der die Klimapläne seiner Gemeinden übergemeindlich koordiniert hat. Der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Raumentwicklung und Energie verwies auf die wichtige Rolle der Gemeinden bei der Erreichung der Klimaplan-Ziele: “Zahlreiche Maßnahmen – von der Energieeffizienz öffentlicher Gebäude über eine nachhaltige Wärmeversorgung bis hin zur Mobilität – sind direkt vor Ort umzusetzen. Ziel ist es, die Gemeinden dabei zu unterstützen. Sie sollen selbst Verantwortung übernehmen und dabei stehen wir ihnen zur Seite”, erklärte der Landesrat.
Was die Aktualisierung der Klimapläne anbelangt, informierten sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister über eine Unterstützung des Landes, etwa im Bereich der Datenerfassung. “Eine wirksame Klimapolitik muss messbar und transparent sein, deshalb braucht es eine solide Datengrundlage. Wir stellen den Gemeinden die auf Landesebene verfügbaren Daten zur Entwicklung des Energieverbrauchs und der Energieerzeugung auf ihrem Gemeindegebiet zur Verfügung“, sicherte Landesrat Brunner zu. “Mithilfe dieser Daten können sie selbst dann am besten beurteilen, welche Klimaschutzmaßnahmen zu setzen sind. Für das Monitoring und die Aktualisierung der Klimapläne sieht das Land Förderungen von bis zu 80 Prozent vor“, betonte Brunner.
In diesem Zusammenhang war auch die Versorgungssicherheit ein Thema bei der Sondersitzung der Landesregierung auf Schloss Tirol. “Es gilt, den bestehenden Energieverbrauch zu senken und die fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien zu ersetzen”, betonte Landesrat Brunner. Besonders viel Potential gebe es hierfür im Wärmesektor, wo der Anteil der fossilen Energieträger noch bei 60 Prozent liege. “Hier setzen wir im Rahmen der Dekarbonisierung auf die Fernwärme – insbesondere auf Biomasse und auf Abwärme aus der Müllverbrennung, und weiter auch verstärkt auf Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik”, berichtete der Landesrat. Je nach örtlichen Voraussetzungen müssten lokal die besten Lösungen gefunden werden. Deshalb sei es wichtig, dass die Gemeinden Wärmepläne erarbeiteten.
Bei der Stromversorgung ist laut Brunner vorgesehen, die bestehende Wasserkraft weiter zu verbessern und den Ausbau der Photovoltaik voranzutreiben. “Gleichzeitig müssen wir prüfen, wo Speicherkapazitäten notwendig sind”, sagte Brunner. Speicherbecken für mehrere Zwecke – Trinkwasser, Energie, Landwirtschaft, Zivilschutz – würden künftig unerlässlich und müssten vorangebracht werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Dekarbonisierung sei nicht zuletzt die Elektromobilität, deren Neuzulassungen aktuell in Südtirol noch bei 17 Prozent liegen: Ein Förderpaket gemeinsam mit Mobilitätslandesrat Alfreider soll hier Abhilfe schaffen, kündigte Landesrat Brunner an.
Sozialdienste im Bezirk nachhaltig stärken
Bei der Sondersitzung der Landesregierung im Bezirk Burggrafenamt am 20. Oktober auf Schloss Tirol ist auch die Bedeutung der Sozialdienste angesprochen worden. Bei steigendem Pflegebedarf vieler Menschen und gleichzeitigem Personalmangel seien die Herausforderungen groß, waren sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die Mitglieder des Bezirksrates sowie die Regierungsmitglieder einig.
“Wenn wir auch in Zukunft eine gute und wohnortnahe Betreuung gewährleisten wollen, müssen wir den Sozialbereich nachhaltig stärken. Und das bedeutet vor allem, in die Menschen zu investieren, die tagtäglich wertvolle Arbeit für andere leisten”, hob Soziallandesrätin Rosmarie Pamer dabei hervor.
Thematisiert wurden dabei die erweiterten Ausbildungsmöglichkeiten an den beiden Landesschulen für Sozialberufe Hannah Arendt und Emmanuel Levinas: Derzeit absolvieren 164 Frauen und Männer eine Ausbildung im Bereich Sozialbetreuung und Pflegehilfe. Es gelte zudem die Berufsbilder weiterzuentwicklen: “Mit der neuen sozialen Hilfskraft wollen wir zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um unsere Einrichtungen im Alltag zu unterstützen und das bestehende Fachpersonal zu entlasten. Die vertraglichen Rahmenbedingungen dafür werden derzeit ausgearbeitet”, informierte Landesrätin Pamer. Auch die neue Ausbildung zur Krankenpflegeassistenz sei ein wichtiger und nötiger Schritt. Gleichzeitig werde daran gearbeitet, den Zugang zu bestehenden und künftigen Ausbildungen möglichst einfach und unkompliziert abzuwickeln.
“Eines ist klar: Gute soziale Dienstleistungen gibt es nur mit gut ausgebildeten, motivierten und ausreichend vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern”, hob die Soziallandesrätin hervor.
Moderne Infrastrukturen und Entwicklung für Meran
Am Rande der Sondersitzung der Landesregierung im Burggrafenamt am 20. Oktober auf Schloss Tirol hat Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi über die von seinem Ressort geplanten und gestarteten Projekte in Meran informiert.
Bianchi hob dabei die Zusammenarbeit zwischen Land und Gemeinde Meran hervor, um wichtige Zukunftsprojekte für die Stadt und das Burggrafenamt umzusetzen: “Vom neuen Pflegeheim über die Aufwertung des Pferderennplatzes bis zu Investitionen in Schulen und öffentliches Vermögen setzen wir konkrete Projekte um, die die Lebensqualität verbessern, die Dienstleistungen stärken und das Gebiet aufwerten. Diese Investitionen fördern die Entwicklung und schaffen moderne Infrastrukturen für die Menschen.”
Neben dem Krankenhaus Meran soll das Seniorenwohnheim Cura Resort Meran mit über 100 Betten entstehen. Landesrat Christian Bianchi verwies darauf, dass das Projekt als Projektfinanzierung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) umgesetzt wird und insgesamt Investitionen in Höhe von 69,2 Millionen Euro vorgesehen sind. Davon übernehme das Land 31,5 Millionen Euro (37 Prozent). Den Rest trage der Konzessionsnehmer, der die Einrichtung 25 Jahre lang betreiben könne. Voraussichtlich Anfang Herbst 2027 sollen die Bauarbeiten starten, Ende 2029 sollen sie beendet sein.
Ein weiteres Projekt soll den Pferderennplatz Meran zu einem offenen, multifunktionalen Zentrum für die Menschen, für Sport und Kultur weiterentwickeln. Geplant sind laut Landesrat Bianchi auch Kongresse und touristische Events, ein Pferdemuseum, ein Kompetenzzentrum für die Haflingerzucht sowie der Ausbau der tiermedizinischen Einrichtungen. Zudem soll das Gelände besser an die Stadt angebunden und leichter zugänglich und nutzbar werden. Der Entwicklungsplan sieht Investitionen von 21 Millionen Euro vor und umfasst ein rund 40 Hektar großes Gebiet mit dem Pferderennplatz und die Wohnanlage Borgo Andreina. Hinzu kommen eine Tiefgarage und gastronomische Angebote. 2027 soll die Planung laut Bianchi mit der Ausschreibung des Planungswettbewerbs weitergehen, damit 2029 das erste Baulos starten kann.
Wie Landesrat Christian Bianchi berichtete, wird in Meran auch weiter in den Schulbau investiert. Die Landeshotelfachschule Cesare Ritz soll für rund 60 Millionen Euro erweitert und saniert werden. Nach Abschluss der Planung soll die Umsetzung Ende 2028 beginnen.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen