Von: Matthias Knapp
Bozen – Ob zum besseren Sehen oder als Schutz vor der Sonne – nahezu jeder besitzt eine Brille. Dass die Produktion dieses Alltagsgegenstands jedoch außerordentlich viel Plastikmüll kleinster Dimension verursacht, wissen die Wenigsten. Anschaulich vor Augen geführt wurde dies den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Informationstags in der Bozner Kläranlage. Dort wurden die Forschungsergebnisse der EU-Projekte “Micro-Alps” (Interreg Italien-Österreich) und “PlasticFree” (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, EFRE) vorgestellt.
„Die beiden Projekte zeigen sehr konkret, welchen Mehrwert europäische Zusammenarbeit schafft: Forschungseinrichtungen und Unternehmen entwickeln gemeinsam Lösungen für Umweltprobleme, die nicht an Grenzen haltmachen. EU-Fördermittel ermöglichen es dabei, neue Ansätze zu erproben und wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen, die der Natur und Umwelt genauso wie der Gesundheit der Menschen vor Ort zugutekommen“, betont Europa-Landesrätin Magdalena Amhof.
Michelangelo Lamonaca und Hannah Profanter vom Ökoinstitut Südtirol erklärten auf sehr anschauliche Art und Weise, wie bei der Brillenproduktion täglich hohe Mengen an Mikroplastik als Abfallprodukt anfallen. Durch das Schleifen und Präparieren der Gläser, die heute meist nicht mehr aus Glas, sondern eben aus Plastik bestehen, entsteht Plastikmüll. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Micro-Alps”, das vom Ökoinstitut mit den Partnern Certottica, Università Ca’ Foscari Venezia und Fachhochschule Kärnten vorangetrieben wird, wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Abfälle aus der Brillenproduktion wiederzuverwerten. “Wir haben eine Möglichkeit entwickelt, dieses Plastik als Rohprodukt für 3-D-Drucker wiederzuverwerten”, berichtete Lamonaca. Die Gesamtkosten für “MicroAlps” belaufen sich auf rund 822.000 Euro.
Abseits der Brillenproduktion gibt es jedoch noch unzählige weitere Quellen, die Mikropastik verursachen, wie Helga Bonacquisti von Eco Research betonte. “Von synthetischer Kleidung über Reifen und Plastikspielzeug bis hin zu allen Arten von Kunststoffverpackung – im Alltag sind wir von Plastikgegenständen umgeben, doch es gibt viele Möglichkeiten, den Plastikverbrauch zu reduzieren oder die Freisetzung von Mikroplastik einzudämmen”, erklärte Bonacquisti.
Wie verbreitet Mikro- und Nanoplastikpartikel auch in den Gewässern der Alpen sind, untersucht hingegen das Projekt “PlasticFree” (EFRE 2021-2027). Die Analysen, die im Rahmen des Projekts erfolgen, umfassen Bäche, Flüsse und Seen ebenso wie Sedimente, Niederschläge, Grundwasser und Trinkwasser. Darüber hinaus werden verschiedene Wasserorganismen untersucht, um festzustellen, ob und in welchem Ausmaß sich Kunststoffpartikel in Wirbellosen und Fischen anreichern.
Maddalena Casera vom Biologischen Landeslabor berichtete von den Ergebnissen der Untersuchungen, die gemeinsam mit den Projektpartnern EcoResearch, Eurac Research, eco center, Atzwanger, Ara Pustertal und Obrist vorangetrieben werden. Im Rahmen einer Führung durch die Kläranlage erhielten die Teilnehmerinnen spannende Einblicke darüber, was mit unserem Abwasser passiert und welche Möglichkeiten es gibt, Plastikpartikel herauszufiltern. “Im Moment wird in den Kläranlagen der Großteil der Partikel entfernt. Wir haben im Rahmen des Projekts einen Prototyp entwickelt, der unter bestimmten Bedingungen bis zu 96 Prozent der Partikel entfernen kann”, schilderte Casera. Die Gesamtkosten für das EFRE-Projekt belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro und werden zum Großteil über EU-Gelder finanziert.




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