Von: importer
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu muss bei seinem Besuch in New York mit Protesten und demonstrativer Ablehnung bei den Vereinten Nationen rechnen. Am Rande der UNO-Woche werden großangelegte Demonstrationen gegen den israelischen Politiker erwartet. Dazu hatte auch der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani aufgerufen. Netanyahu will seine Ansprache bei den Vereinten Nationen auch für eine Abrechnung mit dem Demokraten nutzen.
Die Rede fällt zugleich in eine Phase wachsenden innenpolitischen Drucks auf Netanyahu vor den Wahlen in Israel. Netanyahu landete in der Früh in den USA – laut israelischen Medien aber nicht an einem New Yorker Flughafen, sondern auf einem Militärflugplatz in New Jersey. Hintergrund seien Abstimmungsschwierigkeiten und die Sorge, Mamdani könne versuchen, ein längeres Abstellen der israelischen Regierungsmaschine am Flughafen JFK zu verhindern, schrieb “ynet”.
Netanyahu steht international vor allem wegen des israelischen Vorgehens im Gazastreifen in der Kritik. Der Internationale Strafgerichtshof hat wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einen Haftbefehl gegen den Regierungschef erlassen. Zugleich hat der Gazakrieg Israels internationale Beziehungen schwer belastet. Mehrere Länder haben inzwischen einen Staat Palästina anerkannt – Österreich ist nicht darunter.
Mamdani zählt zu den prominentesten propalästinensischen Politikern in den USA und ist ein starker Kritiker Netanyahus. Der seit Jänner amtierende Bürgermeister hatte im Wahlkampf damit gedroht, Netanyahu festnehmen lassen zu wollen, sollte dieser zur alljährlichen Vollversammlung zu den Vereinten Nationen anreisen.
Israelischer UNO-Botschafter überzieht Mamdani mit Kritik
Mit einer Festnahme durch die New Yorker Polizei muss Netanyahu aber nicht rechnen. Mamdani erklärte im Juli, man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Bürgermeister nicht dazu befugt sei, einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanyahu vollstrecken zu lassen.
Besonders diese Drohungen des Bürgermeisters hätten es unmöglich gemacht, nicht zu kommen, sagte Israels UNO-Botschafter Danny Danon. Er wirft Mamdani, selbst Muslim, vor, Antisemitismus in New York zu schüren. Er werde “die Wahrheit” über Mamdani sagen, hatte Netanyahu über seine anstehende Rede bei den Vereinten Nationen in einer Videobotschaft angekündigt. Er warf Mamdani vor, die islamistische Terrororganisation Hamas zu unterstützen und zu Ausschreitungen gegen New Yorker Juden aufgehetzt zu haben.
Aber nicht nur das Verhältnis zu Mamdani ist angespannt. Israels Beziehungen zu den Vereinten Nationen sind seit dem Gazakrieg auf einem Tiefpunkt. UNO-Vertreter und von den Vereinten Nationen eingesetzte Untersuchungskommissionen werfen Israel schwere Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Ein UNO-Bericht kam zu dem Schluss, das Land begehe im Gazastreifen und im Westjordanland Völkermord und Kriegsverbrechen. Israel weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt die Weltorganisation seit Jahren der Voreingenommenheit.
Der israelische Ministerpräsident wird sich nur einige Stunden und damit ungewöhnlich kurz in den USA aufhalten. Am Rande der UN-Vollversammlung sind nur wenige Treffen mit hochrangigen Politikern anderer Länder geplant – darunter Argentinien, Bolivien, Panama und Griechenland, wie die UNO-Mission mitteilte. Netanyahus Rede wird sich laut israelischen Medien aber auch an das heimische Publikum richten. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Laut Umfragen könnte es für Netanyahus Lager schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.
Protest bei Rede vor Weltparlament
Im vergangenen Jahr stand die Generalversammlung stark im Zeichen des Gaza-Konflikts. Im Umfeld der Generaldebatte hatten mehrere Staaten die Zusammenkunft in New York genutzt, um die Anerkennung eines Staates Palästina zu verkünden. Zu Beginn der Rede Netanyahus hatten Dutzende Diplomaten aus Protest den Sitzungssaal verlassen. Netanyahu sprach vor teilweise leeren Rängen.
Auch in diesem Jahr hat die palästinensische Delegation Berichten zufolge dazu aufgerufen, ein Zeichen gegen Netanyahu zu setzen und den Raum zu verlassen. Sie wäre eigentlich von Mahmoud Abbas vertreten worden. Dem Palästinenserpräsidenten haben die USA aber das Visum verweigert – bereits zum zweiten Mal in Folge. Abbas wurde darum per voraufgezeichnetem Video zugeschaltet. Er warf Israel darin unter anderem einen “Völkermordkrieg” vor und sprach von “Siedlerterrorismus” im Westjordanland. Nicht nur die Zweistaatenlösung, sondern das “Leben und die Existenz des palästinensischen Volkes in seiner Heimat” sei bedroht.
Sorge vor Ukraine-Eskalation war Thema am Vortag
Der Vortag hatte bei den Vereinten Nationen vor allem im Zeichen des Ukraine-Kriegs gestanden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wie auch US-Außenminister Marco Rubio äußerten ihre Sorge vor einer weiteren Ausweitung des Krieges auf andere Länder. Gleichzeitig hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow klargemacht, dass sein Land einer Energiewaffenruhe nicht zustimmen werde.




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