Von: Sophia Molitor
Bardolino – Während andernorts über überfüllte Urlaubsorte und Massentourismus diskutiert wird, berichtet Fabio Pasqualini vom Handels- und Unternehmerverband in Bardolino von einer deutlich anderen Situation: Straßen und Hotels seien teilweise leer, selbst im traditionell starken Urlaubsmonat August hätte es noch zahlreiche freie Zimmer dieses Jahr gegeben.
Besonders die deutschen Urlauber, die den Gardasee und Südtirol seit Jahrzehnten zu ihren beliebtesten Reisezielen machen, bleiben laut Pasqualini zunehmend aus. Der Grund sei weniger eine nachlassende Begeisterung für die Region als vielmehr die stark gestiegenen Preise. Eine Runde Pizza kostete, vor ein paar Jahren für eine vierköpfige Familie laut Hotelverband rund 50 Euro, mittlerweile seien dafür etwa 100 Euro fällig. Für viele Familien werde der Urlaub damit schlicht zu teuer.
Die Deutschen waren die wirtschaftlich besseren Urlauber
Auch die Zusammensetzung der Gäste und die Art und Weise Urlaub zu erleben verändert sich, laut lokalen Sichtweisen. Statt deutscher und italienischer Urlauber kommen laut Pasqualini zunehmend Gäste aus Nordeuropa, darunter Dänen und Niederländer. Viele würden aber lieber auf Campingplätzen übernachten und weniger Geld in Geschäften, Restaurants oder Bars ausgeben. Die deutschen Urlauber sorgten für deutlich höhere Umsätze als die heutigen Gäste.
Hinzu kommen die Verkehrsprobleme auf der Brennerroute. Die dortigen Baustellen können die Fahrt in Richtung Gardasee um bis zu zwei Stunden verlängern. Das betrifft besonders deutsche Gäste und auch Besitzer von Zweitwohnungen, die laut Pasqualini deshalb seltener für ein Wochenende an den See fahren.
Das Bild vom überlaufenen Gardasee passt damit zumindest nicht für den Sommer 2026. Pasqualini kritisiert, dass ständig von Massentourismus gesprochen werde, obwohl es seiner Wahrnehmung nach gerade keinen flächendeckenden Andrang gebe. Gleichzeitig ist der Tourismus langfristig durchaus gewachsen: Seit 2014 sind die Übernachtungen in den 23 Gemeinden rund um den See um rund 27 Prozent gestiegen.




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