Von: importer
Der Eröffnungsfilm der Berlinale hat nun auch nach Österreich gefunden. Am Freitagabend war “No Good Men” der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat beim Filmfestival Viennale zu sehen. Das zwischen Drama und Romanze angesiedelte Werk besticht mit einer selbstbewussten Heldin, die in Kabul knapp vor der Machtübernahme der Taliban genug von gewalttätigen, respektlosen Männern hat. “Der Film lädt nicht zum Schwarz-Weiß-Denken ein”, stellte Schauspieler Anwar Hashimi klar.
Hashimi spielt in dem Film den bekannten TV-Journalisten Qodrat, der eines Tages die Kamerafrau Naru an die Seite gestellt bekommt. Vom Nachmittagsprogramm, in dem Frauen höchst fragwürdige Tipps von einem Arzt bekommen – mehr schminken, mit untreuen, prügelnden Männern nachsichtig sein – hat sie die Nase voll. Doch mit der neuen Aufgabe löst sich die patriarchale Gesellschaft nicht in Luft auf. Naru ist aber überzeugt: Nur wenn man dagegenhält, wird sich vielleicht irgendwann etwas ändern. Qodrat erweist sich dabei als einer der wenigen verständnisvollen Männer – was es bald zwischen den beiden knistern lässt.
Männer nicht in “gut oder schlecht” einteilen
Aber auch Qodrat stellt sich nicht als der “gute” Mann schlechthin heraus, ist er doch verheiratet, was er im Umgang mit Naru aber am liebsten vergessen würde. Der Film sei nicht dazu da, Männer in “gut oder schlecht einzuteilen”, sagte Hashimi vor dem Festivalpublikum. Er solle zu differenziertem Denken einladen und sei aus “Solidarität den Frauen Afghanistans gegenüber” entstanden. Diese hätten unter den Taliban keine Rechte mehr.
Der Film erinnert auch eindringlich an den Abzug der US-Truppen 2021 und das anschließende Chaos auf dem Flughafen in Kabul. Sadat wurde selbst 2021 aus Afghanistan evakuiert und lebt mittlerweile in Deutschland. “No Good Men” basiere auf wahren Begebenheiten, erklärte der schon Mitte der 2010er-Jahre nach Deutschland ausgewanderte ehemalige Journalist Hashimi. Sein 800-seitiges autobiografisches Manuskript habe Regisseurin Sadat schon in ihren Filmen “Wolf and Sheep” (2016) und “The Orphanage” (2019) aufgegriffen.
Dreh in Deutschland merkt man Film nicht an
Die Handlung von “No good men” ist in Kabul angesiedelt, gedreht wurde aber ausschließlich in Deutschland, versicherte Hashimi. Dem Film merkt man das nicht an. Das Team habe hervorragende Arbeit geleistet, befand der Mittfünfziger. Manche sommerliche Szenen im Film seien gar im Winter bei minus zehn Grad Celsius realisiert worden. “Kaum war eine Szene gedreht, ist das Team mit Decken angerannt gekommen”, erinnerte sich Hashimi schmunzelnd.
Er will nun im Filmbusiness tätig bleiben. Zwei weitere Filme mit Sadat, die großen Wert auf viele Frauen in ihrem Team legt, seien bereits geplant. Für die nächsten Jahre sei er also gut ausgelastet, freute sich Hashimi.
Kinostart im Dezember
Bis diese ihren Weg ins Kino finden, wird es aber noch etwas dauern. Zuvor gibt es Gelegenheit, “No Good Men” zu sichten. Der Kinostart ist hierzulande für 10. Dezember angesetzt.
(S E R V I C E – www.viennale.at ; https://verleih.polyfilm.at/film/no-good-men/ )




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