Ukraine feierte zuletzt Erfolge

Perfide Strategie: Putin könnte auf Eskalation setzen

Mittwoch, 03. Juni 2026 | 08:04 Uhr

Von: mk

Moskau – Weil die Ukraine in ihrer Abwehr der russischen Invasion zuletzt mehrere Erfolge feiern konnte und derzeit im Innovationswettlauf vorne liegt, fragen sich viele: Welche Schlüsse zieht Kreml-Despot Wladimir Putin daraus.

Die Ukraine macht bei ihren Deep-Strike-Kapazitäten enorme Fortschritte und verbessert ihre eigene Luftabwehr. Die russische Ölindustrie wird systematisch attackiert, um den angreifenden Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung insgesamt zu erschweren.

Auch an der Front scheint sich das Blatt zu wenden. Obwohl nach Angaben des britischen Geheimdienstes bereits rund 500.000 russische Soldaten getötet worden sein sollen, kommen die Truppen aus Moskau kaum voran. Die Ukraine baut unterdessen den Einsatz von unbemannten Bodensystemen (UGVs) massiv aus, um menschliche Truppen bei Logistik-, Pionier- und Kampfeinsätzen an der Front zu entlasten. Die Palette der Bodendrohnen reicht von kleinen Transportrobotern bis hin zu schwer bewaffneten Plattformen, deren Einsätze teilweise von KI koordiniert werden.

Der estnische Geheimdienstchef Kaupo Rosin glaubt sogar, man sei möglicherweise vier oder fünf Monate davon entfernt, dass die Russen „nicht mehr aus einer Position der Stärke heraus verhandeln können“.

Sorge rund um Ostsee wächst

In Europa wächst deshalb die Sorge vor möglichen Plänen, die Putin schmiedet, um die Ukraine doch noch in die Knie zu zwingen. Nach der alljährlichen Siegesparade am 10. Mai sorgte der Kreml-Despot zwar für Überraschung, indem er erklärte, der Krieg in der Ukraine „nähere sich dem Ende“. Experten warnen allerdings davor, zu glauben, dass Putin nun echte Verhandlungsbereitschaft angesichts der Zwickmühle zeigt, in der er steckt. So zweifelt der estnische EU-Abgeordnete Riho Terras von der konservativen EVP-Fraktion, dass Putin wirklich an Frieden interessiert sei. „Sonst würde Putin die Angriffe auf die Ukraine stoppen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verteidigung Medien gegenüber.

Stattdessen wächst die Sorge rund um die Ostsee. Besonders in Schweden, Estland und anderen Nato-Staaten in der Umgebung werden mögliche Szenarien durchgespielt und offen diskutiert. Demnach könnte Russland bereit sein, größere Risiken einzugehen.

Laut Focus halten Geheimdienstexperten nicht nur hybride Angriffe für denkbar, sondern schließen auch militärische Aktionen gegen die baltischen Staaten Litauen, Lettland oder Estland nicht aus. Zudem werden russische Angriffe auf schwedische oder dänische Inseln in der Ostsee als möglich erachtet.

Auch Verteidigungsexperte Oleksandr Danyljuk hält eine Eskalation für möglich. Putin könne den Konflikt ausweiten und geografisch vergrößern, um mehr Soldaten zu mobilisieren. Ob Putin tatsächlich einen Angriff auf Nato-Gebiet wagt, bleibt offen. Tatsache ist, dass die Risiken enorm wären.

False-Flag-Operation

Unterdessen werden auch andere Szenarien in Betracht gezogen. Laut dem Politikexperten Alexander Demchenko, der auf dem YouTube-Kanal Odesa.liveLIVE sprach, könnte der Kreml eine gefährliche „False-Flag-Operation“ planen, die darauf abzielt, der Ukraine einen gewaltsamen Angriff auf das benachbarte Belarus anzulasten.

Demchenko verglich die aktuelle Situation mit dem berüchtigten Gleiwitz-Zwischenfall – ein inszenierter Angriff, den Nazideutschland 1939 nutzte, um die Invasion Polens zu rechtfertigen.

Moskau würde mit so einer Täuschung zwei Ziele erreichen: Einerseits wären die belarussischen Militär- und Sicherheitsstrukturen zu einer dauerhaften Zusammenarbeit mit der russischen Armee gezwungen und Russland könnte die eigene militärische Präsenz direkt entlang der verwundbaren Nordgrenze der Ukraine drastisch erhöhen. Andererseits würde so ein Manöver letztendlich ganz Belarus unter den politischen und militärischen Einfluss des Kremls stellen.

Wie die Webseite Dialog.ru berichtet, bewegt sich der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko derzeit auf einem schmalen Grat und versucht, sein Land aus direkten Kampfhandlungen herauszuhalten. Ob ihm das weiter gelingt, muss sich erst zeigen.

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