Wichtige Bergstraße ist dank 800.000 Euro wieder frei

Was der Gardasee mit dem Feltrinelli-Buchimperium zu tun hat

Mittwoch, 12. August 2026 | 07:08 Uhr

Von: Sophia Molitor

Gargnano – Die Landesstraße SP9 Gargnano-Valvestino-Magasa ist pünktlich vor dem sommerlichen Ferragosto-Reiseverkehr wieder vollständig geöffnet. Seit dem 20. April war die Straße wegen Arbeiten zur Sicherung einer Stützmauer, am Beginn der Straße im Gemeindegebiet von Gargnano, nur einspurig befahrbar.

Eine wechselseitige Ampel- und Baustellenregelung hatte monatelang für Geduldsproben gesorgt – eine spürbare Einschränkung vor allem in den Sommermonaten, wenn der Ausflugs- und Urlaubsverkehr rund um den Gardasee seinen Höhepunkt erreicht. Nach Abschluss der Hauptarbeiten wurde die Baustelle nun geräumt und die Regelung aufgehoben. Damit soll der Verkehr auch auf der nahegelegenen Gardesana Occidentale wieder reibungsloser laufen.

Eine Straße mit Geschichte

Hinter der Baustelle steckt jedoch weit mehr als reine Routine. Die kurvenreiche SP9 gilt heute als wichtigste Verkehrsverbindung für die abgelegenen Ortschaften des Valvestino-Tals. Die historische Straße wurde 1913 von der einflussreichen Familie Feltrinelli finanziert. Die damaligen Unternehmer waren im Holzhandel tätig und benötigten die Verbindung, um Baumstämme aus den Bergwäldern des Valvestino-Tals zu ihren Sägewerken am Hafen von Gargnano zu transportieren. Der wirtschaftliche Erfolg der Familie im Gardasee-Holzhandel legte später den finanziellen Grundstein für einen ganz anderen Geschäftszweig: das Verlags- und Buchhandelsunternehmen „La Feltrinelli“, das heute zu den bekanntesten Buchhandelsketten Italiens zählt. Wer heute in Mailand das moderne Hauptquartier der Fondazione “Giangiacomo Feltrinelli” besucht, findet im Familienarchiv die Geschäftsbücher der Holzfirma Legnami Feltrinelli neben den Gründungsdokumenten des Buchverlages.

Um das von Rissen und Absackungen gezeichnete Bauwerk nun dauerhaft zu sichern, investierte die Region Lombardei rund 800.000 Euro. Spezialfirmen stabilisierten die Straße mit tief im Untergrund verankerten Mikropfählen, einem massiven Betonbordstein und speziellen Felsnägeln, die das Mauerwerk zusätzlich im Berg verankern.

Im September sind noch letzte Arbeiten am Asphalt vorgesehen. Danach soll die Straße wieder uneingeschränkt befahrbar sein und die Verbindung zu den Ortschaften des Valvestino-Tals sowie zum Valvestino-Stausee sicherstellen.

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