Königliche Zollstation erscheint plötzlich aus dem Wasser

Trockenheit bringt Wunder am Gardasee hervor

Dienstag, 28. Juli 2026 | 08:08 Uhr

Von: som

Gargnano – Zwischen den Sorgen, die die klimakrisenbedingte Trockenheit mit sich bringt, geschehen manchmal auch kleine Wunder. In Gargnano, einer kleinen Stadt am Westufer des Gardasees, wo sich der kleinere Valvestinosee befindet, ist nach über 60 Jahren die alte königliche Zollstation von Lignago wieder aus dem Wasser aufgetaucht.

Die Ruine, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, befindet sich an der Grenze zum Trentino und ist heute vor allem ein beliebter Ort für Wanderer. Einst war es aber eine Zollstation, die den Personen- und Warenverkehr entlang der Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Österreichisch-Ungarischen Reich kontrollierte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, als die Grenze nach Norden verlegt wurde, verlor sie diese Funktion.

Trockenheit macht ein Teil der Geschichte sichtbar

Anfang der 1960-er Jahre verschwand das Zollhaus im Wasser des neu entstandenen Valvestino-Stausees. Ursache dafür war der Bau des Ponte-Cola-Staudamms am Toscolano-Bach, der zur Erzeugung von Wasserkraft errichtet wurde. Seitdem sind die Steinmauern nur noch sichtbar, wenn der Pegel des Stausees deutlich sinkt – entweder aufgrund von Trockenperioden oder einer kontrollierten Absenkung des Wasserspiegels zur Bewirtschaftung des Stausees.

An die Bedeutung dieses Ortes erinnert bis heute ein altes Sprichwort im westlombardischen Dialekt: „Te pasaré da Lignàc“, was übersetzt „Du wirst durch Lignago kommen“ heißt. Der Ausdruck entstand zu einer Zeit, als dieser Übergang für Reisende zwischen dem Gardasee und dem Vestinotal nahezu unvermeidlich war.

Heute, wenn die alten Steinmauern gelegentlich aus dem Wasser hervortreten, erinnern sie an ein kleines, aber bedeutendes Kapitel der Regionalgeschichte – ein kleines Wunder in einer Zeit, in der Trockenheit zunehmend Anlass zur Sorge gibt.

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