Südkoreas Außenminister Cho Hyun (Archivbild)

Südkorea: Trump nutzt Militärmanöver als Druckmittel

Mittwoch, 19. August 2026 | 18:14 Uhr

Von: importer

Südkoreas Außenminister Cho Hyun bezeichnet die von Präsident Donald Trump veranlassten Einschränkungen gemeinsamer Militärmanöver öffentlich als Druckmittel der USA. Trump hatte eine geringere Beteiligung an einem jährlichen Militärmanöver mit dem Verbündeten angekündigt. Am Mittwoch teilten beide Länder mit, dass die Übungen in diesem Jahr von elf auf fünf Tage verkürzt werden.

Südkoreas Außenminister Cho sagte am Mittwoch, Trumps Vorgehen scheine zumindest teilweise darauf abzuzielen, Druck auf die Regierung in Seoul auszuüben. So solle Südkorea zur Unterstützung der USA im Iran-Krieg gebracht und zur Eile bei Investitionsvorhaben in den USA gedrängt werden. Das Manöver hat am Montag begonnen und sollte ursprünglich bis zum 27. August dauern. Nun soll es bereits am 21. August beendet werden.

US-Unmut über Handelsabkommen?

Laut Cho könnte Unmut der USA über ein 2025 unterzeichnetes Handelsabkommen auch einer der Hintergründe sein. Südkorea hatte darin zugestimmt, 350 Milliarden Dollar (302,35 Mrd. Euro) in den USA zu investieren. Die Regierung in Seoul hat bisher aber keine Details zu dem Vorhaben veröffentlicht. Man habe bei dem Plan nicht schneller vorankommen können, da Faktoren wie die wirtschaftliche Rentabilität und rechtliche Verfahren berücksichtigt werden müssten, sagte Cho. Zudem verwies der Minister auf nicht näher benannte unerwartete Probleme.

Der Außenminister erklärte weiter, Trumps Vorgehen sei auch ein Signal an Nordkorea. Ähnlich ordnete dies auch Vereinigungsminister Chung Dong-young ein: Seiner Einschätzung nach wolle Trump mit der Reduzierung der Manöver den Weg für ein mögliches neues Treffen mit Machthaber Kim Jong-un bereiten. Die gemeinsamen Übungen der USA und Südkoreas sorgen in Pjöngjang seit langem für Verärgerung.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP, obwohl das gemeinsame Manöver “erheblich” gekürzt worden sei, werde dies die US-Ziele nicht spürbar beeinträchtigen. “Die Anpassungen bewahren die wesentlichen Ziele in Bezug auf Einsatzbereitschaft und Ausbildung”, sagte er.

Die Übung sollte zur Vorbereitung auf einen möglichen Angriff Nordkoreas dienen. In der ersten Phase sollte es um die Abwehr des Angriffs gehen, in der zweiten um eine Gegenoffensive. Die zweite Phase wurde nun offenbar gestrichen. Aus südkoreanischen Armeekreisen hieß es, die Entscheidung werde in Seoul als “ungewöhnlich” angesehen.

Trump: Manöver “unangemessen und feindlich” gegenüber Nordkorea

Trump hatte am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social angekündigt, die gemeinsamen Militärübungen “wesentlich” verringern zu wollen. Diese seien “nicht nur kostenintensiv”, sondern auch ein Signal, das “total unangemessen und feindlich” gegenüber Nordkorea sei.

Als weiteren Grund nannte Trump Seouls Weigerung, Washington im Iran-Krieg zu unterstützen. “Ich habe kürzlich den Präsidenten von Südkorea (Lee Jae-myung, Anm.) gefragt, ob sie sich uns bei der Entnuklearisierung der Islamischen Republik Iran anschließen möchten, und sie sagten: ‘Nein, danke!'”, schrieb Trump.

Der US-Präsident betonte weiter, während seiner Präsidentschaft habe sich Nordkorea “nicht bedrohlich” und “respektvoll” verhalten. Angesichts seiner “sehr guten Beziehung” zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sei er “nicht glücklich über die Tatsache, dass die USA vor langer Zeit eingewilligt haben, sich an gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea zu beteiligen”. Am Montag hatte Trump auch neue Kontakte mit Kim angedeutet und gesagt, seine früheren Treffen mit Nordkoreas Machthaber hätten die Spannungen mit Pjöngjang verringert.

Trump will Kim Jong-un noch im Herbst treffen

Einem Bericht des “Wall Street Journal” zufolge dringt Trump auf ein Treffen mit Kim noch in diesem Herbst. Der US-Präsident habe intern mit Beratern über eine persönliche Begegnung mit Kim während seiner nächsten Asien-Reise gesprochen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Diese Reise könnte im November anlässlich des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) im chinesischen Shenzhen stattfinden. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Der chinesische Außenminister Wang Yi, der der am Mittwoch und Donnerstag Südkorea besucht, sprach von einem notwendigen Richtungswechsel der US-Politik. “Die USA müssen ihre seit langem feindselige Politik gegenüber Nordkorea ändern”, sagte Wang laut Südkoreas amtlicher Nachrichtenagentur Yonhap. China ist demnach bereit, eine konstruktive Rolle für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu spielen. Konkrete Maßnahmen nannte der chinesische Spitzendiplomat allerdings nicht.

Kim Jong Uns Schwester weiß nichts über Kommunikation mit Trump

Die einflussreiche Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, weiß nach eigenen Angaben nichts von Gesprächen zwischen ihrem Bruder und US-Präsident Donald Trump. Von einer solchen Kommunikation “ist mir absolut nichts bekannt”, erklärte Kim Yo Jong am Mittwoch. Ihr Bruder habe dennoch “gute Gefühle” gegenüber dem US-Präsidenten. Trump hatte zuvor angedeutet, in Kontakt mit Kim zu stehen.

Zu der Verkürzung der Militärübung erklärte Kim Yo Jong: “Das ist uns keinen Kommentar wert. Wir finden das völlig uninteressant.” Die Dauer des Manövers ändere nichts an seinem “aggressiven Charakter”. Pjöngjang kritisiert die Übungen seit Jahren als Generalprobe für eine Invasion.

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen