„Südtirol darf nicht zur Bühne für rechtsextreme Netzwerke werden"

SVP kritisiert STF wegen AfD-Gast

Montag, 07. September 2026 | 15:31 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Der Vorstand der Sozialen Mitte der SVP kritisiert die Einladung des AfD-Jugendsprechers durch die Süd-Tiroler Freiheit: „Der zunehmende Rechtsruck und die Annäherung an die AfD sind das falsche Signal für Südtirols Jugend”

Die Süd-Tiroler Freiheit hat den Jugendsprecher der AfD, Jean-Pascal Hohm, zu ihrem Treffen am kommenden Samstag in Tramin eingeladen. Für den Vorstand der Sozialen Mitte der SVP ist diese Einladung mehr als ein gewöhnlicher politischer Austausch. Sie steht aus unserer Sicht für eine zunehmende Annäherung der Süd-Tiroler Freiheit an politische Kräfte am äußersten rechten Rand und für einen Rechtsruck, den wir mit Sorge beobachten.

„Soeben haben wir 80 Jahre Pariser Vertrag gefeiert. Wir haben daran erinnert, wie aus einem historischen Konflikt durch Diplomatie, politischen Dialog und gegenseitigen Respekt ein Modell des friedlichen Zusammenlebens entstehen konnte”, betont die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell. „Wenn gleichzeitig rechtsextreme politische Positionen immer stärker salonfähig gemacht werden, ist das für uns ein extremer Widerspruch zu dem Südtirol, das wir aufgebaut haben.”

Für die Soziale Mitte der SVP ist klar: Heimatliebe, Südtiroler Identität und das Eintreten für die Autonomie dürfen nicht zum Vehikel für einen politischen Rechtsruck werden.

„Wer Südtirol liebt, muss nicht ständig nach außen zeigen, wer nicht dazugehört. Unsere Stärke liegt darin, dass wir unsere Identität selbstbewusst leben und gleichzeitig offen für andere bleiben”, sagt der stellvertretende Vorsitzende Andreas Pramstraller. „Was wir jetzt beobachten, ist aus unserer Sicht eine gefährliche Verschiebung: Aus berechtigtem Stolz auf die eigene Heimat darf kein politisches Konzept der Abgrenzung werden. Patriotismus bedeutet Verantwortung für die eigene Heimat und nicht die Abwertung anderer.”

Die Jungend braucht politische Vorbilder

Besonders kritisch sieht der Vorstand die Signalwirkung gegenüber jungen Menschen. „Junge Menschen brauchen politische Orientierung, aber keine Politik, die mit Feindbildern arbeitet und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielt”, unterstreicht Hannes Unterhofer. „Wenn die Süd-Tiroler Freiheit einen Vertreter der AfD-Jugend als Gast nach Südtirol holt, müssen wir uns fragen, welche politischen Vorbilder damit bewusst präsentiert werden.”

„Natürlich muss man sich mit unterschiedlichen politischen Positionen auseinandersetzen können”, so Unterhofer. „Aber zwischen einer kritischen Auseinandersetzung mit der AfD und einer politischen Annäherung besteht ein wesentlicher Unterschied. Diesen Unterschied darf man nicht verwischen.”

Kunhilde von Marsoner verweist auf die besondere historische Verantwortung Südtirols: „Unsere Autonomie ist das Ergebnis eines langen und schwierigen Weges. Sie wurde nicht durch Abschottung erreicht, sondern durch Verhandlungen, internationale Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Konflikte friedlich zu lösen. Gerade deshalb sollte Südtirol nicht jenen politischen Kräften eine Bühne bieten, deren Politik von Polarisierung und Abgrenzung geprägt ist.”

„Wir sehen einen deutlichen Rechtsruck in der politischen Ausrichtung der Süd Tiroler Freiheit und eine zunehmende Nähe zu Kräften, die mit einem völkischen, ausgrenzenden und nationalistischen Politikverständnis auftreten”, so Morandell. „Das dürfen wir nicht einfach als neue Form des Patriotismus verkaufen.”

„Südtirol muss seine Identität nicht gegen andere verteidigen. Wir können als deutsche Minderheit unsere Geschichte bewahren, unsere Autonomie weiterentwickeln und gleichzeitig überzeugte Europäerinnen und Europäer sein”, so Morandell. „Unsere Identität ist stark genug, um offen zu bleiben.”

Der Vorstand der Sozialen Mitte der SVP erinnert daran, dass Staatspräsident Sergio Mattarella bei den gestrigen Feierlichkeiten die Entwicklung Südtirols ausdrücklich als Sieg der Diplomatie über die Konfrontation und der demokratischen Werte über die Gewalt bezeichnete.

„Das ist die Botschaft, die wir aus 80 Jahren Pariser Vertrag mitnehmen sollten”, so der Vorstand der Sozialen Mitte der SVP abschließend. „Südtirol ist stark, weil es gelernt hat, aus Gegensätzen Brücken zu bauen. Wir wollen kein Südtirol der politischen Abschottung und der rechtsextremen Vernetzung. Wir wollen ein Südtirol, das selbstbewusst zu seiner Identität steht, demokratisch bleibt und Brücken baut, anstatt neue Gräben aufzureißen.”

Bezirk: Bozen

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