Von: importer
Nach dem Tod einer Mitarbeiterin eines Pest-Forschungszentrums in Sibirien blühen die Spekulationen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, darüber mit Russlands Präsident Wladimir Putin sprechen zu wollen. Am Mittwochabend hatte er gemeint, dass die USA nicht glauben, dass der Tod der Frau im Zusammenhang mit einer Biowaffe stünde. Man werde dies aber bald herausfinden, kündigte Trump an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte indes mehr Informationen von Russland.
Moskau und Washington hätten sich noch nicht auf ein Telefongespräch geeinigt, es sei unklar, wann es stattfinden werde, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Zuvor hatte Trump angekündigt, dass er einen Termin für ein Telefonat habe und dieses sehr bald stattfinden werde. Seit Jahresbeginn gab es laut Kreml-Angaben fünf Telefonate der beiden Präsidenten, das bisher letzte am 8. September. Ein Gespräch könne schnell arrangiert werden, sollte eine entsprechende Initiative vorliegen.
Die 28 Jahre alte Wissenschafterin, die am Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten arbeitete, war am Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien gestorben. Nach Angaben der für Seuchenbekämpfung zuständigen russischen Behörde ist der Tod der Frau nicht auf einen Pesterreger zurückzuführen. Als Todesursache nannte sie eine “Lungenentzündung unbekannter Herkunft”.
In Irkutsk und Schelechow wurde Berichten zufolge wegen des Falls der Betrieb einzelner Kliniken und anderer Einrichtungen eingeschränkt, rund 200 mögliche Kontaktpersonen sollen in Quarantäne gekommen sein. Die für Seuchenbekämpfung zuständige Behörde dementierte anschließend sowohl Berichte zu einem Laborunfall als auch zu einer Pestinfektion. Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung genannt – ohne Angabe zum Erreger.
WHO bittet um Informationen über möglichen zweiten Fall
Das US-Außenministerium hatte die russischen Behörden bereits zuvor aufgefordert, Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Am Mittwochabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Russland um Informationen über einen möglichen weiteren Todesfall durch eine Lungenentzündung in Irkutsk gebeten. Sie bezog sich auf einen Medienbericht, der wie in diesen Fällen üblich systematisch geprüft und als glaubhaft eingeschätzt worden sei.
Fachlich gilt das russische System der Seuchenbekämpfung als schnell, strikt und damit wirkungsvoll. Dass es viele Spekulationen um den Fall gibt, liegt auch daran, dass russische oder zuvor schon sowjetische Behörden Katastrophen oft geleugnet oder heruntergespielt haben – sei es die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 oder der Untergang des Atom-U-Bootes “Kursk” im Jahr 2000. Das Vertrauen in offizielle Mitteilungen ist gering.
Seit 1945 kein Pestfall in Österreich
Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet. Die Erkrankung ist mit Antibiotika behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt. Unbehandelt gebe es bei einer Infektion mit dem Bakterium Yersinia pestis eine Letalität von 50 bis 90 Prozent, bei einer Behandlung der Krankheit von 15 Prozent, heißt es in einer Information des Gesundheitsministeriums für medizinisches Fachpersonal. Laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gab es seit 1945 in Österreich keinen einzigen Pestfall.
Die Pest kommt laut Robert Koch-Institut (RKI) noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor. Eine der letzten großen Pestepidemien Westeuropas ereignete sich 1720 bis 1722 in Marseille. In anderen Teilen Europas kam es auch danach noch zu größeren und kleineren Ausbrüchen.




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