In Venetien und Friaul-Julisch-Venetien gilt dagegen die Notstandsstufe „hoch”

Trockenheit: Weiter mittlere Notstandsstufe für Südtirol

Mittwoch, 12. August 2026 | 19:57 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen/Trient/Venedig/Triest – Strategien zum Management der derzeitigen außergewöhnlichen Trockenheit standen im Fokus des Treffens des Ständigen Observatoriums für die Beobachtung der Wassernutzung in den Ostalpen, das vor wenigen Tagen stattfand. Das Gremium hat sowohl für die Region Venetien als auch für die Region Friaul-Julisch-Venetien die Notstandsstufe von „mittel” auf „hoch” angepasst. Für Südtirol und die Provinz Trient wurde die mittlere Notstandsstufe bestätigt.

Nachbarregegionen: Wasserbedarf nicht deckbar

Im Observatorium arbeiten Regionen, autonome Provinzen und Ministerien zusammen, um auftretende Ungleichgewichte in der Wasserversorgung in den Einzugsgebieten der Flüsse Etsch, Piave, Sile, Brenta-Bacchiglione, Levante, Isonzo, Livenza und Tagliamento auszugleichen. In den voralpinen Ebenen der Regionen Friaul-Julisch-Venetien und Veneto herrscht bereits seit Herbst 2025 eine außergewöhnliche Trockenheit. Derzeit wird die fünfte Hitzeperiode verzeichnet. Die hohen Temperaturen haben die Böden massiv ausgetrocknet. Gleichsam stieg der Bedarf nach Wasser in der Landwirtschaft und für täglichen Verbrauch stark an. Jetzt gilt die höchste Notstandstufe. Diese wird ausgerufen, wenn trotz vorbeugender Eingriffe der Wasserbedarf nicht deckbar ist und es zu irreversiblen Schäden für Trinkwasser und Landwirtschaft kommt. Der Schritt gilt als notwendig, um gegebenenfalls auch einen nationalen Notstand ausrufen zu können.

Pexels/Das Ständige Observatorium für die Wassernutzung in den Ostalpen hat die mittlere Notstandsstufe für Südtirol angesichts der anhaltenden Trockenheit bestätigt.

Lage in Südtirol weniger dramatisch

Tatsächlich ist die Situation in den benachbarten Regionen weit dramatischer als in Südtirol, heißt es von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz. Dies liegt daran, dass es in Südtirol doch immer wieder zu Wärmegewittern gekommen ist. Zudem kann der Wasserbedarf in Südtirol über zahlreiche Brunnen und damit weniger über direkte Ableitungen aus Oberflächengewässern gedeckt werden.

Um dem Veneto zu helfen, hat das Land in Zusammenarbeit mit der autonomen Provinz Trient, mit Alperia und Dolomiti Energia durch ein geschicktes Produktionsmanagement in verschiedenen Kraftwerken mit Speicherseen das sogenannte hydro-peaking in der Etsch beinahe gänzlich ausgeglichen und den Abfluss an der Messstelle bei der San-Lorenzo-Brücke in Trient über Wochen konstant bei rund 130-140 m³/s (Kubikmeter pro Sekunde) gehalten. Dadurch konnte der Mindestabfluss von 80 m³/sek bei Boara Bisani bei Rovigo für die dortige Trinkwasserversorgung gewährleistet und eine Mindestreserve für die dortigen landwirtschaftlichen Flächen garantiert werden. Bei Boara Pisani sind 70-80 m³/sek als kontinuierlicher Abfluss notwendig, damit nicht Salzwasser übers Delta zurückfließt.

Alperia ermöglicht gleichmäßigen Abfluss in der Etsch

Die Energiegesellschaften Alperia und Dolomiti Energia haben durch das Bereitstellen von Wasser aus Stauseen außerhalb der Produktionszeiten von Spitzenlasten signifikante Einnahmeausfälle. Damit wurde aber beigetragen, die Not im Veneto, für die dort lebenden Menschen und die Landwirte, signifikant zu lindern, so die Umweltagentur. Diese Maßnahme wurden auch in der Notstandsverordnung von Landeshauptmann Arno Kompatscher vom 20. Juli 2026 vorgesehen und habe außerdem dazu beigetragen, eine Höherstufung des Notstandsniveaus in Südtirol zu vermeiden.

Es sei vermessen zu glauben, dass die Wasserversorgung für Landwirtschaft im Unterlauf der Etsch über Monate allein durch den Abfluss aus den Speicherseen aufrechterhalten werden könne, erklärt der Direktor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz Flavio Ruffini. Dafür würden die Wasserreserven nicht ausreichen. Derzeit könne niemand sagen, wie lange diese Situation andauern werde und ob die Menschen im Einzugsgebiet der Etsch das Wasser aus den Stauseen nicht noch dringend für die Trinkwasserversorgung brauchen würden. Denn sei dieses aufgebraucht, gebe es keine Reserven mehr, so Ruffini.

Bezirk: Bozen

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